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Madison – Ungebremste Girlpower

Geschrieben von Peter Gutting am 11. November 2020

Kinder im Leistungssport sind ein heikles Thema. Einerseits geben die Erfolge Selbstvertrauen und stärken das Gefühl, durch Anstrengung etwas bewirken zu können. Anderseits geht das harte Training auf Kosten der Verspieltheit und Lebenslust. Eine wichtige Rolle spielen die Eltern in dem Balanceakt zwischen Ehrgeiz und Lockerlassen. Missbrauchen sie ihre Töchter und Söhne für eigene Ziele? Oder setzen sie das Kindeswohl an die erste Stelle? Umfassend reflektiert wird der Spagat zwischen äußerem Druck und selbst gesetzten Zielen im Debüt von Kim Strobl. Die Österreicherin verpackt die ernsten Themen zielgruppengerecht in einen schwungvollen, unterhaltsamen Kinderfilm für junge Menschen zwischen neun und dreizehn (zugelassen ab sechs).

Eine Radrennbahn für Profis: steile Wände, harter Belag, geschaffen für hohes Tempo. Madison (Felice Ahrens) rast an der Spitze einer Vierergruppe durch die Kurve. Der Ehrgeiz ist der 13-Jährigen ins Gesicht geschrieben, die Anstrengung auch. „Wechseln“ ruft die Fahrerin hinter ihr und meint damit: nach oben ausscheren, die Spitzenposition aufgeben und sich hinten einreihen. „Ich kann noch“, schreit Madison, die irgendwie vergessen hat, dass der Bahn-Vierer ein Teamsport ist. Aber sie kann eben nicht, die Fahrt im Gegenwind fordert ihren Tribut. Dem Mädchen wird schwindlig, das Vorderrad wackelt, es kommt zum Sturz, in den auch die Teamkollegin reingezogen wird. „Du bist einfach noch zu jung“, sagt hinterher ihr Trainer, „wir hätten dich nicht so früh aufnehmen dürfen“.

Tatsächlich war es eine besondere Ehre für Madison, schon jetzt am prestigeträchtigen Trainingscamp für den Bahnnachwuchs teilnehmen zu dürfen, das als Sprungbrett in den Jugend-Nationalkader gilt. Allein ihre beachtlichen Leistungen hatten dafür nicht gereicht. Vater Timo (Florian Lucas), selbst ein berühmter Rennfahrer, musste mit seinen guten Beziehungen zu den Trainern ein bisschen nachhelfen. „Wenn du es unter die besten zehn schaffst, kommst du im Herbst in den Kader“, war seine Devise. Daraus wird nun aber nichts. Madison fliegt aus dem Leistungscamp und muss die Sommerferien nun in Tirol verbringen, wo ihre weniger fanatische Mutter Katharina (Maxi Warwel) Urlaubskurse in Yoga gibt – die Eltern leben getrennt. Madison ist tief frustriert, lernt in den Bergen aber die gleichaltrige Vicky (Emilia Warenski) kennen, eine fröhliche, unbekümmerte Mountainbikerin. Mit ihr kommt Madison auf den Geschmack, dass auch Radfahren ein spaßiges Gemeinschaftserlebnis sein kann.

Zwar ist die Botschaft des Films etwas bieder: Freundschaft ist wichtiger als Gewinnen. Aber die Bilder sprechen eine komplexere Sprache. „Madison – ungebremste Girlpower – feiert die Rasanz das Abwärtsfahrens („Downhill“), den Rausch der Geschwindigkeit, die Eleganz der Körperbeherrschung und das Freiheitsgefühl gewagter Sprünge. Teils ist die Kamera auf die Helme montiert, teils fängt sie in klug geschnittenen Einstellungen die Waghalsigkeit der Strecke und die Majestät der Berglandschaft ein. Im Wechsel mit ruhigeren, nachdenklichen Szenen lässt es das Filmteam bei der Action richtig krachen. Die Abfahrten sollen Laien nicht zum Nachahmen einladen, sondern sind echter Downhill-Sport, für den als Double unter anderem Mountainbikerin Jennifer Schönenberger eingesetzt wurde. Zwei der Nebenrollen sind ebenfalls mit erfahrenen Downhillern besetzt. Außerdem ist Regisseurin Kim Strobl in ihrer Tiroler Heimat mit dem Snowboard aufgewachsen. Sie kennt den Rausch der Geschwindigkeit aus eigener Erfahrung, ebenso wie das Problem, sich als Mädchen in einem Jungssport behaupten zu müssen.

Eher der Zielgruppe ist es wohl geschuldet, dass die Autorin und Regisseurin auch noch die Geschichte einer ersten Liebe sowie die Konkurrenz der Freundinnen um denselben Jungen eingebaut hat. Das überfrachtet die eigentlich geradlinige Handlung, die ihm Rahmen der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ entstanden ist. Dabei werden die eher raren Filme unterstützt, die eine originäre Geschichte erzählen und sich nicht im Schatten eines bereits erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchs sonnen. Gerade unter diesem Aspekt hätte man sich ein schlüssigeres Drehbuch gewünscht. Doch das kleine Manko machen der lebensfrohe Rhythmus und der optimistische Grundton der Genremischung aus Problem- und Abenteuerfilm mehr als wett.

„Madison – ungebremste Girlpower“ ist ein Kinderfilm, an dessen geballter Energie sich auch Erwachsene freuen können, vor allem, wenn sie gern Radfahren und die Berge lieben. In der Hauptrolle überzeugt die erst 14-jährige Felice Ahrens („Die drei !!!“) mit einer großen emotionalen Bandbreite, von bierernst bis völlig losgelöst.

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Länge: 97 min

Kategorie: Family

Start: 04.03.2021

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Madison – Ungebremste Girlpower

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 97 min
Kategorie: Family
Start: 04.03.2021

Bewertung Film: (7/10)

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