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Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat

Geschrieben von Peter Gutting am 22. März 2020

Kulinarisches Kino hat bei vielen Filmliebhabern keinen guten Ruf. Zu wenige Möglichkeiten hat die audiovisuelle Kunst, den Geschmackssinn auf der Leinwand zu bedienen. Nicht von ungefähr werden im Anschluss an die Vorführung oft Menüs von Spitzenköchen serviert. Auch der Debütfilm von Eliza Schroeder macht Appetit. Ein echter Asket muss ein, wer nach der Vorführung nicht noch in einem richtig guten Café vorbeischaut. Dumm, wenn es sich um die Spätvorstellung handelt.

London als Idylle: Mit dem Rad unterwegs sein, vorbei an Grünanlagen, wo die Sonne durch Blätter bricht. Die Fahrerin hat es eilig, in der Parallelmontage sieht man eine andere Frau, die vor einem geschlossenen Laden steht und sich über die verspätete Radlerin beschwert. Der Schlüssel? Zwei andere Frauen tauchen auf, die vielleicht helfen könnten. Irgendwann nimmt eine den Hörer ab. Die Stimmung wechselt abrupt. Von frühlingshaften Aufbruchsgefühlen in lähmende Trauer.

Regisseurin Eliza Schroeder verrät erst nach und nach, was passiert ist, wer diese Frauen sind und vor welchem Problem sie jetzt stehen. Das ist gut so. Denn der Film schwebt von Anfang an in Kitschgefahr, in Gang gesetzt durch den missglückten Untertitel „Liebe ist die wichtigste Zutat“. Eine Kurzangabe des Inhalts könnte die Klischees verstärken und die Erzählstrategie simpler erscheinen lassen als sie ist. Trotzdem muss so viel gesagt werden: Spitzenkonditorin Sarah (Candice Brown) möchte mit organisatorischer Unterstützung ihrer Freundin Isabella (Shelley Conn) eine eigene Bäckerei im angesagten Londoner Stadtteil Notting Hill eröffnen. Als sie unerwartet stirbt, will ihre 19-jährige Tochter Clarissa (Shannon Tarbet) zusammen mit Isabella und Oma Mimi (Celia Imrie) das Vermächtnis von Sarah dennoch verwirklichen. Klingt simpel, ist aber keineswegs so leicht zu schaffen wie ein Baumkuchen. Denn die Frauen sind verkracht, hatten sich lange nichts mehr zu sagen.

Saures und Süßes kriegen Drehbuchautor Jake Brunger und die deutsche, seit langem in London lebende Filmemacherin unter einen Kuchendeckel, indem sie auf die Ecken und Kanten der Charaktere setzen. Oma Mimi etwa ist reich, aber extrem misstrauisch und menschenscheu. Isabella hingegen wirkt zugewandt, kann aber äußerst nachtragend sein. Die junge Clarissa macht ihrem Namen („die Strahlende“) alle Ehre, doch seit dem Tod der Mutter ist jegliche Lebensfreude der aufstrebenden Tänzerin entwichen. Nicht unwichtig für den leichten, komödiantischen Ton vor tragischem Hintergrund sind die Männer. Frauenheld Matthew (Rupert Penry-Jones) hat Übleres im Sinn, als Himbeer-Eclairs zu zaubern. Und der exzentrische Erfinder Felix (Bill Paterson) schleicht nicht wegen der himmlischen Schokotörtchen um den neuen Laden.

Seinen charmanten Humor bezieht „Love Sarah“ vor allem aus kleinen Sticheleien, spitzen Dialogen und episodenhaften Einlagen, die auch für sich stehen könnten. Der zuckersüße Handlungsbogen ist weniger wichtig als kleine Preziosen, handwerklich perfekte, gut getimte Leckerbissen. Hinzu kommt eine liebevolle Milieuzeichnung des multikulturellen Stadtteils, in dem die Regisseurin seit elf Jahren lebt. Das macht den Film glaubwürdiger als die Kombination von Trauer, gemeinsamem Projekt und neuer Liebe.

Wie es sich für eine Komödie gehört, ist der visuelle Stil nicht grau und realistisch, sondern immer einen Tick geschönt. Das Licht erscheint wärmer, die Farben leuchtender, besonders wenn sich die Kamera in die Küche wagt. Man muss nur die geschmolzene Schokolade über den Kuchen laufen sehen, um zu begreifen, dass am Foodstyling nicht gespart wurde. Aber auch hier versinkt der Film nicht in Schönheit, sondern lässt zugleich die körperliche Anstrengung, die Konzentration und Energie spürbar werden, ohne die Konfiserie auf Sterne-Niveau nicht zu haben ist. Man darf gespannt sein, welche Begleitveranstaltungen sich die Kinos zum Filmstart einfallen lassen werden. Ob sie handgemachte Konditorpralinen statt Popcorn feilbieten oder ob die Zuschauer zur Kinokarte eine kleine Nascherei erhalten.

„Love Sarah“ ist ein intelligent gemachter kleiner Wohlfühlfilm, der sein Publikum nicht für dumm verkauft. Vergisst man die Handlung und konzentriert sich auf die liebevoll gezeichneten Charaktere, kann man sich 98 Minuten gut unterhalten lassen. Zur Sicherheit sollte man allerdings ein paar richtig gute Pralinen mit in den Kinosaal nehmen.

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Copyright: Weltkino

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Länge: 97 min

Kategorie: Comedy, Drama, Romance

Start: 14.05.2020

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Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 97 min
Kategorie: Comedy, Drama, Romance
Start: 14.05.2020

Bewertung Film: (7/10)

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