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Alles außer gewöhnlich

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Dezember 2019

Die beiden französischen Regisseure Luc und Jean Pierre Dardenne haben es in der Vergangenheit meisterhaft verstanden auf soziale Brennpunkte Frankreichs hinzuweisen. Ein weiterer kaum angesprochener Punkt ist das dortige Pflegesystem, denn für an Autismus erkrankte Menschen ist oftmals einfach kein Geld vorhanden. Genau an dieser Stelle springen nun die Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache ein, die nicht nur genau dieses Thema ansprechen, sondern in „Alles außer gewöhnlich“ auch noch die wahre Geschichte zweier Alltagshelden erzählen.

Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reda Kateb) sind seit vielen Jahren beste Freunde und Arbeitskollegen, denn beide arbeiten in einer Einrichtung, in der Jugendliche mit besonders schweren Störungen von Autismus betreut werden. Der Staat ist kaum eine Hilfe, Bruno und Malik zumeist die Rettung für verzweifelte Eltern, die einfach keinen Platz in einer solchen Einrichtung bekommen. Menschen mit Autismus möchte niemand haben, denn diese sind nicht nur unbequem, sondern auch noch besonders teuer.

Eines Tages kündigt sich schließlich auch noch ein Team des zuständigen Ministeriums an, welches nicht nur sämtliche Einrichtungen und deren Finanzen überprüft, sondern am liebsten diese auch noch dicht machen würde, sind doch sowieso viel zu viele Stellen besetzt. Für Bruno und Malik ein Ding der Unmöglichkeit, denn wo beide ganztags am jeweiligen Limit schuften, ist es auch den Eltern der betreffenden Kinder kaum zumutbar, diese in Zukunft selber zu pflegen. Es entsteht ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

In Frankreich hat sich seit Jahren eine Art Schattenwirtschaft etabliert, denn wo der Staat auf die Betreuung schwer autistischer Jugendlicher möglichst ganz verzichten würde, werden die teuren und sehr lukrativen Aufträge lieber an die Privatwirtschaft vergeben. In einem Land das unter Geldnot leidet werden eben diese Leistungen regelmäßig auf den Prüfstand gestellt, doch wo man das Geld auf der einen Seite für die fachgerechte Betreuung der Jugendlichen braucht, kann man es auf der anderen nicht einfach kürzen und dann erwarten, dass alles gleich bleibt oder sogar besser wird.

Die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache haben bereits einen Dokumentarfilm über Stéphane Benhamou und Daoud Tatou gedreht, die man kurzerhand als Helden des Alltags bezeichnen könnte. Beide kümmern sich seit über 15 Jahren um Jugendliche, die an Autismus erkrankt sind, beide gehen ihrer Berufung mit viel Leidenschaft nach, müssen dabei allerdings gegen die Windmühlen der Ministerien kämpfen. Mit „Alles außer gewöhnlich“ wird die Geschichte beider nun als lockeres Drama aufbereitet, welches durchaus seine unterhaltsamen Szenen besitzt, tief im inneren aber als Film über ein überaus wichtiges Thema zu verstehen ist.

In ihrem zweistündigen Drama geht es daher vornehmlich um die Arbeit mit besagten Jugendlichen, um deren Probleme, gleichwohl aber auch um die Beziehung zu deren Eltern. Letztere sind oftmals überfordert mit ihren Kindern, sind Bruno und Malik dankbar für das was sie tun, was oftmals weit über das normale Maß hinausgeht. Die Tage sind oft lang, selbst tief in der Nacht hat man Bereitschaft und spätestens, wenn wieder einmal panisch Eltern anrufen, die einfach keinen Platz für ihr Kind finden, wird noch einmal alles in Bewegung gesetzt, um doch noch zum Erfolg zu gelangen.

Die beiden Hauptdarsteller Vincent Cassel und Reda Kateb spielen ihre jeweiligen Figuren mit sehr viel Hingabe und Humor, bringen auf der Leinwand echte Energiebündel rüber, zeigen aber auch Grenzen auf, glaubt man doch stets das beide sich kurz vor einem Burnout befinden. Viele der dargestellten Jugendlichen leiden tatsächlich an einer schweren Form des Autismus, wodurch die Symptome nicht nur realistisch auf der Leinwand rüberkommen, sondern gleichzeitig das ganze Ausmaß der Problematik verdeutlichen.

Das Drama „Alles außer gewöhnlich“ gibt einen kleinen Einblick auf die Probleme des Gesundheits- und Sozialsystems Frankreichs, während es gleichzeitig zwei echten Helden des Alltags ein filmisches Denkmal setzt.

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Copyright: Prokino

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Länge: 114 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 05.12.2019

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Alles außer gewöhnlich

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 114 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 05.12.2019

Bewertung Film: (7/10)

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