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Parasite

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Oktober 2019

Mit seinem gefeierten Meisterwerk „Snowpiercer“ zeichnete der koreanische Regisseur Bong Joon-ho bereits im Jahre 2013 ein prägendes Bild der sozialen Schichten eines ungleichen Systems, bei dem vor allem die armen Menschen ganz unten erbarmungslos ausgebeutet werden. Mit dem Cannes Gewinner „Parasite“ setzt Bong Joon-ho diesen Weg nun fort, wenn er jene Menschen in den Mittelpunkt rückt, die oftmals am Rande der Gesellschaft kaum Beachtung finden.

Irgendwo in Südkorea lebt eine vierköpfige Familie bestehend aus Vater Ki-taek (Kang-ho Song), seiner Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) und ihren Kindern Ki-woo (Woo-sik Choi) und Ki-jung (So-dam Park) in einem zugemüllten Keller. Dieser Keller ist ihr zuhause, wo sie nicht nur für einen Hungerlohn Pizzakartons falten, sondern zuweilen auch noch jede Ecke absuchen, um doch noch in ein offenes WLAN Netz der übrigen Mieter des Hauses zu gelangen. Das Leben der vier ist alles andere als einfach, doch anstatt sich der Tristesse hinzugeben und darin zu versauern, haben alle ein Talent dafür entwickelt, selbst aus der ausweglosesten Situation noch etwas zu machen.

Eines Tages erhält Ki-woo die unerwartete Chance für die Tochter eines reichen Geschäftsmannes Englischunterricht zu geben. Kurzerhand werden Zeugnisse gefälscht, sich ein Anzug besorgt und schon kann es losgehen. Der erste Eindruck bei der Familie verläuft gut, seine Schülerin ist angenehm, doch was hat es mit dem kleinen Sohn der Familie auf sich? Seine überforderte Mutter nennt ihn einen noch unerkannten Künstler, könnte dieser nicht eine echte Kunstexpertin als Lehrerin gebrauchen? Kurzerhand wird auch Ki-jung dort eingestellt, worauf ihr gemeinsamer Plan zu Phase 2 wechselt, denn auch ihre Eltern benötigen noch einen Job.

Mit seiner Sozialkritik ging Regisseur und Drehbuchautor Bong Joon-ho noch nie vorsichtig um, denn wo er in „Snowpiercer“ die armen und verwahrlosten Menschen für die oberen Zehntausend schuften und sterben ließ, zeichnet er nun in „Parasite“ ein Bild, welches leider allzu reale Zustände Koreas wiedergibt. Oben auf dem Berg leben die reichen und wohlhabenden, unten die armen, die bei einem Regen nicht selten alles verlieren. Noch weiter unten allerdings lebt die hier dargestellte vierköpfige Familie, welche in einem verwahrlosten Keller haust und dort einem scheinbar glücklichem Leben nachgeht. Der Keller ist nicht hoch, überall stehen Kartons, Brot wird schon einmal schimmelig gegessen.

Diese hier vorgestellte Familie ist aber nicht unglücklich, ganz im Gegenteil. Sie machen das Beste daraus, sind wahre Überlebenskünstler geworden und so dauert es auch nicht lang, bis Sohn Ki-woo aus seiner neuen Anstellung heraus alles dafür tut, das auch seine übrigen Familienmitglieder von seinem Glück profitieren. So entwickelt sich vor allem in der ersten Stunde ein sehr unterhaltsames Drama, wo vor allem die Kniffe und Winkelzüge im Vordergrund stehen, wie jeder an seine Anstellung gelangt. Tochter Ki-jung googelt kurzerhand ein paar psychologische Begriffe und löst damit bei der Frau des Hauses blankes Entsetzen aus, Vater Ki-taek wird Fahrer und selbst Mutter Chung-sook schafft es irgendwie die Hausfrau dort zu ersetzen.

Somit zeichnet Bong Joon-ho ein sehr zwiespältiges Bild der dort eindringenden Familie, die auf der einen Seite durch ihre bloße Situation beim Zuschauer sehr viel Akzeptanz erhält, auf der anderen aber auch sehr merkwürdig wirkt, dringen sie alle durch ihre Art doch aggressiv in das Leben anderer ein. „Parasite“ daher als Drama zu bezeichnen wäre an dieser Stelle etwas zu kurz gegriffen, denn in besagter ersten Stunde ist der Film nicht nur überaus witzig, sondern auch mit allerhand Gesellschaftskritik versehen.

An dieser Stelle die bekannte Arm gegen Reich Geschichte erzählen zu wollen ist jedoch zu kurz gegriffen, denn „Parasite“ ist weitaus mehr. Die wohlhabende Familie von dort oben auf dem Berg ist eben nicht nur böse und arrogant, sondern durchaus auch besorgt und fair, was ein ums andere Mal auch deutlich gemacht wird. Es wird steht’s ein fairer Lohn bezahlt, Überstunden extra vergütet und wenn die Hausfrau etwas braucht, wird selbst das besorgt. Dennoch gibt es steht’s den kritischen Unterton, der selbst Ki-taek bei seinem Chef nicht verborgen bleibt. Es ist der Geruch der ihn anlastet, den man angeblich nur bei armen Menschen findet, insbesondere wenn man mit der U-Bahn fährt.

Mit „Parasite“ präsentiert Bong Joon-ho ein wahres Meisterwerk von einem Drama. Witzig und sozialkritisch zugleich, was bei den Filmfestspielen in Cannes auch mit der Goldenen Palme belohnt wurde.

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Wir vergeben daher 8,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Koch Films

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Länge: 132 min

Kategorie: Comedy, Drama, Thriller

Start: 17.10.2019

cinetastic.de Filmwertung: (8,5/10)

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Parasite

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 132 min
Kategorie: Comedy, Drama, Thriller
Start: 17.10.2019

Bewertung Film: (8,5/10)

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