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Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 6. Oktober 2019

Im Bereich der japanischen Anime gibt es kaum einen Weg an Hayao Miyazaki (Ghibli Studio) vorbei. Abseits von diesem haben sich aber auch andere Künstler einen Namen gemacht, von denen Mamoru Hosoda unbedingt genannt werden muss. Eben dieser zeichnete sich zuletzt in erster Linie durch seine Geschichten rund um die Familie aus, welche er nun mit seinem Cannes Beitrag „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ komplettiert.

Der kleine vierjährigen Kun (Moka Kamishiraishi) wächst wohlbehütet abseits einer Großstadt auf. In dem weiträumigen Haus besitzt er im Erdgeschoss ein eigenes Spielzimmer, der kleine Hund ist stets für ihn da und auch seine Eltern lesen ihm praktisch jeden Wunsch von den Lippen ab. Eines Tages ändert sich dies plötzlich, denn mit seiner neugeborenen Schwester Mirai (Haru Kuroki) ist nun ein weiteres Kind im Hause, das alle Aufmerksamkeit erhält. Für die Mutter (Kumiko Asô) ist dieser Spagat kaum zu meistern, denn wo diese vollkommen mit Mirai ausgelastet ist, geht sie auch noch recht früh wieder einer geregelten Arbeit nach.

Die ganze Hausarbeit bleibt schließlich beim Vater liegen, der sich nicht nur um Wäsche, Essen und Kinder zu kümmern versucht, sondern nebenbei auch noch seinem Beruf als Architekt nachgeht. Notgedrungen bleibt dabei fortan der kleine Kun etwas links liegen, was diesem natürlich so gar nicht gefällt. Seine kleine Schwester kann er so gar nicht leiden und als er diese in einem Wutanfall auch noch mit einem Spielzeug schlägt, ist auch für seine Mutter eine Grenze erreicht. Zeitgleich bekommt Kun nun aber Besuch aus der Zukunft, wodurch er nach und nach seine Schwester mit ganz anderen Augen zu sehen beginnt.

Das es nicht immer Animes aus dem Hause Ghibli sein müssen, bewies Zeichner Mamoru Hosoda bereits mehrfach. In seinem preisgekrönten Film namens „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ ging es um die Jugend, im späteren „Der Junge und das Biest“ um das Leben als Vater, im darauffolgenden „Summer Wars“ um die Familie. Mit seiner Auseinandersetzung zwischen Bruder und Schwester komplettiert Hosoda nun thematisch seine Filme, denn wo „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ die Beziehung beider zueinander beleuchtet, dreht sich auch viel um die Weisheit des Alters, wodurch wiederrum ein Bogen zu den Großeltern gespannt wird.

Wie in vielen Filmen zuvor, so findet man auch in „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ jede Menge autobiografische Details, die direkt aus dem Leben von Mamoru Hosoda stammen. Auch er hat zwei kleine Kinder die nur drei Jahre auseinander liegen, auch er war als Vater nicht immer für seine Kinder da und so kommt es schließlich auch, dass er den Vater im Film als gebildeten Akademiker darstellt, der zwar ein wunderschönes Haus entwerfen kann, mit den eigenen Kindern aber überfordert ist. Darüber hinaus steht natürlich der Konflikt zwischen Bruder und Schwester im Mittelpunkt der Geschichte, die auf der einen Seite recht simpel gestrickt zu sein scheint, auf der anderen aber unglaubliches Potential besitzt, welches durch die Zeitreisen ans Tageslicht kommt.

Eben diese unterschiedlichen Zeitebenen spiegeln sich zumeist im wunderschönen Garten der Familie wieder, wenn plötzlich die ältere Schwester erscheint und beide nun auch auf sprachlicher Ebene miteinander interagieren können. Natürlich ist der Konflikt zweier Geschwister nicht neu, natürlich hat man inhaltlich auch dies alles schon einmal gesehen und dennoch macht es einfach unheimlich Spaß den Beteiligten hier zuzusehen. Das alles liegt weniger an der Geschichte an sich, als vielmehr den wunderschön gezeichneten Bildern, die sich hinter jenen aus dem Hause Ghibli auf keinen Fall zu verstecken brauchen. Ein wunderschöner Garten voller Detailtreue, viele grandiose Ideen, die aber erst gegen Ende hin völlig aufgehen, wenn sich der Eisenbahn besessene Kun in einem Bahnhof verläuft. Hier wird der Zuschauer mit einer Fülle von Details konfrontiert, dass man am liebsten den Film anhalten wollen würde, um sich alles ganz genau anzusehen. Das besondere Highlight ist hierbei eine kleine Uhr eines Bahnhofvorstehers, zu der wir an dieser Stelle jedoch nicht mehr verraten wollen.

Mit „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ präsentiert uns Mamoru Hosoda einen wunderschönen Anime, der sich thematisch mit einem Bruder-Schwester-Konflikt auseinandersetzt. Inhaltlich nicht neu, dafür aber visuell ein absolutes Meisterwerk.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: AV Visionen

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Länge: 98 min

Kategorie: Animation, Adventure, Drama

Start: 04.10.2019

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Animation, Adventure, Drama
Start: 04.10.2019

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