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After The Wedding

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Oktober 2019

Für Hollywood ist es inzwischen fast schon Normalität geworden, dass man sehenswerte Filme anderer Länder kurzerhand noch einmal mit eigenen Darstellern dreht, um mit dem Remake auf dem heimischen Kinomarkt entsprechend Gewinn zu machen. Nach dem überaus erfolgreichen dänischen Film „Nach der Hochzeit“ (2006) kommt nun also leicht verspätet das entsprechende Remake, welches unter der Regie von Bart Freundlich in einigen wenigen Punkten sogar komplett neu interpretiert wurde.

Isabel (Michelle Williams) hat bereits vor vielen Jahren den Vereinigten Staaten den Rücken zugekehrt. Heute leitet sie in Kalkutta ein kleines Waisenhaus, kümmert sich dort um zahlreiche Kinder, unterrichtet und ist gleichzeitig für viele eine Art zweite Mutter geworden. Eines Tages meldet sich bei ihrem Waisenhaus ein geheimnisvoller Investor aus Amerika, der nicht nur eine Menge Geld spenden möchte, das Isabel dringend benötigt, sondern dies sogleich noch mit einer Bedingung verknüpft. Isabel möchte bitte in die USA reisen und sich dort mit dem Investor treffen, um alles persönlich mit diesem zu besprechen und die Verträge sogleich zu unterzeichnen.

Zurück in Amerika entpuppt sich der geheimnisvolle Investor als die Unternehmerin Theresa (Julianne Moore), welche nicht nur eine erfolgreiche Werbeagentur besitzt, sondern Isabel auch sogleich zu der bevorstehenden Hochzeit ihrer Tochter Grace (Abby Quinn) einlädt. Auf besagter Hochzeit trifft Isabel auch Brautvater Oscar (Billy Crudup), welcher nicht nur Theresas Ehemann ist, sondern gleichwohl Isabels früherer Exfreund. Kann dies alles tatsächlich Zufall sein oder verbirgt Theresa ganz andere Absichten, die sich nur noch nicht offenbaren?

Über Remakes aus den Vereinigten Staaten braucht man sich schon lange nicht mehr aufregen, dass man nun den ehemals so erfolgreichen dänischen Film „Nach der Hochzeit“ noch einmal mit einem Staraufgebot neu dreht, vermag zumindest zwölf Jahre nach dem Original durchaus gerechtfertigt erscheinen. Entgegen vieler vergleichbarer Remakes dreht Regisseur und Drehbuchautor Bart Freundlich diesen nun aber nicht komplett nach, sondern er interpretiert ihn punktuell neu, sodass vor allem die Geschlechterrollen komplett auf den Kopf gestellt werden.

Wie oder was hat das nun zu bedeuten? Ganz einfach. Wo im dänischen Original noch Mads Mikkelsen ein Waisenhaus in Indien leitete und zu einem Geldgeber nach Dänemark reiste, ist dies mit Michelle Williams nun eine Frau, wodurch sich die Geschlechterrollen in beiden Filmen komplett unterscheiden und daraus wiederrum andere Ableitungen hergestellt werden. Das bezieht sich zum einen auf die Flucht nach Indien und den Wunsch dort ein Waisenhaus zu eröffnen, zum anderen aber auch auf andere Details der Vergangenheit, die wir an dieser Stelle jedoch nicht ansprechen möchten, ohne vom eigentlichen Twist zu viel zu verraten.

Genau dieser Twist ist es auch, der in „After the Wedding“ durch den Tausch der Geschlechter noch konstruierter wirkt als im Original, denn wo man schon damals die einzelnen Wendungen kaum ernst nehmen konnte, wird dies nun zuweilen auf die Spitze getrieben. Dabei ist der Zuschauer von Beginn an auf Isabels Seite, denn wo sie ein absolut liebevoller Mensch ist der sehr viel Güte ausstrahlt, kommt Theresa sofort als Geschäftsfrau herüber, die zwar jederzeit alles unter Kontrolle hat, jedoch noch einige Leichen im Keller haben könnte.

Was also verbirgt Theresa? Warum hat sie Isabel eingeladen? Was hat sie vor? Fragen wie diese werden nur langsam aufgeklärt, doch sobald sich der erste Twist offenbart, kann man den Rest sehr schnell ableiten. So unlogisch der Film inhaltlich aber auch ist, gegen Ende wird kaum ein Auge trocken bleiben, was vor allem dem gelungenen Spiel von Julianne Moore zu verdanken ist. Die Oscargewinnerin holt erneut alles aus ihrer Rolle heraus, was zuweilen etwas im Overacting endet, insgesamt aber eine echte Augenweide ist.

Mit „After the Wedding“ präsentiert Bart Freundlich ein interessantes Remake des dänischen Dramas „Nach der Hochzeit“, welches in einigen Stellen nicht nur vom Original abweicht, sondern dabei auch eine Menge Mut für Neuerungen beweist. Trotz einem sehr konstruiert wirkenden Drehbuch durchaus einen Blick wert.

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Länge: 112 min

Kategorie: Drama

Start: 17.10.2019

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After The Wedding

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 112 min
Kategorie: Drama
Start: 17.10.2019

Bewertung Film: (6/10)

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