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Über Grenzen – Der Film einer langen Reise

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. September 2019

In den letzten Jahren haben sich die unterschiedlichsten Reiseberichte in Form einer Dokumentation etabliert. Egal ob diese Reise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad absolviert wird, neben den bekannten Strapazen bekommt man oft auch einen ungeschminkten Einblick davon geboten, was einem im jeweiligen Land erwarten würde.

Mit der Dokumentation „Über Grenzen – Der Film einer langen Reise“ verfolgen die beiden Regisseure Paul Hartmann und Johannes Meier nun aber einen leicht anderen Ansatz. Wo vergleichbare Werke in erster Linie von der beschwerlichen Reise und den kulturellen Unterschieden im jeweiligen Land berichten, beobachten diese vielmehr mit der 64-jährigen Margot eine Dame im gehobenen Alter, die sich mit ihrer Rente einfach nicht zufriedengeben möchte.

Margot berichtet selbst mit einem Lachen im Gesicht das ihr Leben noch lange nicht vorbei ist, dass sie sich nicht vorstellen kann einem langweiligen Ehrenamt nachzugehen und das sie stattdessen noch einmal etwas von der Welt sehen möchte. Ihre Faszination ist das Motorrad, mit dem sie anfangs zwar nicht einmal allein aus der Ausfahrt kommt, mit welchem die rüstige Rentnerin aber fortan rund 18.000 Kilometer zurücklegen möchte, ist ihr Ziel doch irgendwo in Zentralasien.

Vom kleinen Dorf in Hessen geht es schließlich los. Mit rund 40 Kilo Gepäck auf dem Motorrad geht es als erstes Richtung Polen, doch bereits dort hat sie die ersten technischen Probleme. Mal ist es die Benzinpumpe, dann wieder ein anderes unbekanntes Problem, doch stets trifft sie auf liebevolle Mitmenschen, die trotz gewisser Kommunikationsprobleme der alten Dame weiterhelfen. Prinzipiell ist es für viele völlig undenkbar eine Frau nach Zentralasien alleine fahren zu lassen, das diese dann auch noch 64 Jahre alt ist, dann winken die meisten bereits ab. Margot allerdings ist als Frohnatur sicher dies zu packen, auch wenn ihr bereits nach den ersten tausend Kilometern das Kamerateam hinterherfliegen wird.

Das dies auch bitter nötig ist, offenbart sich spätestens auf einem matschigen Bergpass, wo Margot bestenfalls im Schritttempo vorwärts kommt und immer wieder auch stecken bleibt. Mit vereinten Kräften wird das schwere Motorrad immer wieder aus dem Dreck gezogen, doch lange machen dies selbst die Kameramänner nicht mit. Das Gepäck wird kurzerhand ins Auto verladen, weiter geht’s. Im Gegensatz zu vergleichbaren Werken liegt der Schwerpunkt hier also weniger auf dem Ereignis was machen unbedingt alleine bewältigen möchte, denn dies ist, wie Margot einmal selbstkritisch feststellen muss, auch gar nicht möglich. Sie weiß das sie auf die Hilfe anderer angewiesen ist, sie weiß das sie nicht die beste Motorradfahrerin ist und dennoch geht’s ihr darum, dass selbstgesteckte Ziel mit der Hilfe anderer irgendwie zu erreichen.

Egal ob es Schäden am Motorrad sind, lädierte Knochen oder die verzweifelte Suche nach Wasser und Benzin, zumeist ist eine helfende Hand in der Nähe, die Margot selbst aus der schlimmsten Situation heraushelfen kann. Das sie manche Situationen dann aber auch alleine bewältigen muss, stellt sich spätestens bei einem IS Anschlag ganz in ihrer Nähe heraus. Geht sie das Risiko ein und verfolgt ihren Traum oder dreht sie lieber um? Eine Entscheidung die sie nur selbst treffen kann, gleichwohl aber auch eine Entscheidung, die ihr alles abverlangen wird.

So sehenswert diese Reise nach Zentralasien aber auch ist, so hinterlässt diese immer wieder einen leicht faden Beigeschmack. Zum einen ist dies die gut zweistündige Laufzeit die um einiges zu Lang geworden ist, zum anderen ist dies Margots kritische Art alles und jeden zu hinterfragen, wenn es beispielsweise um kulturelle Unterschiede in anderen Ländern geht. Fast zehn Minuten lässt diese sich schließlich über die Rolle der Frau im Iran aus, was nicht nur völlig überzogen erscheint, sondern den Genuss dieser Dokumentation zuweilen auch nachhaltig etwas schmälert. Zu viel Politik hat in solch einer Dokumentation dann eben doch nichts verloren, denn dafür gäbe es zweifelsohne andere Formate.

Mit „Über Grenzen – Der Film einer langen Reise“ präsentieren Paul Hartmann und Johannes eine interessante Dokumentation über eine 18.000 Kilometer lange Reise auf einem Motorrad nach Zentralasien, welche von der 64-jährigen Margot absolviert wird. Ungewöhnlich und zugleich etwas zu politisch, wodurch vor allem das letzte Drittel nicht jedem gefallen wird.

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Copyright: Camino

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Länge: 114 min

Kategorie: Documentary

Start: 12.09.2019

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Über Grenzen – Der Film einer langen Reise

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 114 min
Kategorie: Documentary
Start: 12.09.2019

Bewertung Film: (6/10)

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