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Nurejew – The White Crow

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 22. September 2019

In den letzten Jahren wurden wir auf der großen Leinwand mit beeindruckenden Dramen rund um die größten Balletttänzer unserer Zeit konfrontiert. Nachdem wir zuletzt in „Yuli“ den kubanischen Tänzer Carlos Acosta bewundern durften, folgt nun in „Nurejew – The White Crow“ der russische Tänzer Rudolf Nurejew, welcher im Jahre 1961 mit einer beeindruckenden politischen Aktion auch abseits der großen Bühne für Aufsehen sorgte.

Rudolf Nurejew (Oleg Ivenko) ist in armen Verhältnissen in der Sowjetunion aufgewachsen. Bereits in frühster Kindheit entdeckte dieser seine Leidenschaft fürs das Ballett, doch wo andere in seinem Alter hart schuften und das maximale aus ihrem Körper herauszuholen versuchen, lebt Rudi bestenfalls so dahin. Trotz allem ist dieser selbstbewusste junge Mann davon überzeugt eines Tages den großen Durchbruch zu feiern und so kommt er auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges nach Paris, wo er mit seinem Ensemble tanzt.

Zusammen mit dem westlichen Tänzer Pierre Lacotte (Raphaël Personnaz) und der Chilenin Clara Saint (Adèle Exarchopoulos) entdeckt Rudi schon bald das Nachleben von Paris, was ihn nicht nur in zahlreiche Bars führt, sondern vor allem auch in Museen, ist dieser junge Mann doch überaus gebildet. Während er seiner Leidenschaft frönt und mit Clara eine Beziehung eingeht, sitzt ihm der KGB stets im Nacken. Eines Tages beschließt der Geheimdienst Rudi nach Moskau zurück zu holen, woraufhin der Tänzer eine Entscheidung trifft, die nicht nur sein, sondern das Leben all seiner Verwandten in Mitleidenschaft ziehen wird.

Nachdem der britische Darsteller Ralph Fiennes zuletzt mit „Coriolanus“ (2011) und „The Invisible Woman“ (2013) erste Gehversuche als Regisseur absolvierte, präsentiert er nun mit seinem Biopic „Nurejew – The White Crow“ seinen bisher wohl eindrucksvollsten Film, bei dem er natürlich erneut auch selber zu sehen ist. Basierend auf der Biografie „Rudolf Nureyev: The Life“ von Autorin Julie Kavanagh versucht Fiennes aber seinen eigenen Weg zu finden, was nicht nur in der Interpretation dieser ungewöhnlichen Figur zu erkennen ist, sondern vor allem auch am gezeigten Umfeld.

Während die zugrunde liegende Biografie bei der Kindheit in armen Verhältnissen beginnt und beim Aids-Tod endet, konzentriert sich Ralph Fiennes vielmehr auf die Jugendjahre in Paris. Er zeigt Rudolf Nurejew als selbstbewussten jungen Mann, der als absolutes Ausnahmetalent gilt und dies auch weiß, dagegen aber immer wieder mit seinem sehr großen Ego für Aufsehen sorgt. Bereits das erste Aufeinandertreffen von Rudi und Pierre Lacotte beweist dies sehr eindrucksvoll, denn wo Pierre die Frage stellt ob Rudi dem Ballett beigewohnt habe, antwortet dieser ganz selbstbewusst, das Pierre es wohl gemerkt hätte, wenn er auf der Bühne gewesen wäre.

Szenen wie diese sieht der Zuschauer immer wieder, doch wo die Figur auf der einen Seite sehr eingebildet wirkt, versucht dies Fiennes mit einzelnen Rückblenden der schweren Kindheit zu erklären. In einem Zug geboren, in armen Verhältnissen aufgewachsen, vom brutalen Vater unterdrückt. Rudi hat es gelernt sich durchzusetzen, gelernt sich das zu nehmen was er will, wodurch er ein ums andere Mal ihn nahestehende Personen vor den Kopf stößt, ohne dies wirklich zu merken.

Wo andere Biografien das harte und beschwerliche Leben als Balletttänzer in den Mittelpunkt rücken, ist davon hier sehr wenig zu sehen. Die Strapazen sind bestenfalls am Rande zu erkennen, denn neben den wenigen Proben ist Rudi doch zumeist in Situationen zu sehen, in denen er die westlichen Eindrücke in sich aufzusaugen versucht und dadurch sein Leben in der Sowjetunion hinterfragt. Ähnlich zurückhaltend verhält sich Fiennes aber auch bei der Interpretation von Rudolf Nurejews Sexualität, denn wo er bekannt dafür war Männer und auch Frauen zu lieben, ist dies hier bestenfalls in einer kurzen und beinahe beiläufigen Szene zu erkennen.

Trotz allem ist „Nurejew – The White Crow“ ein absolut beeindruckendes Drama geworden, was weniger der Interpretation der zugrundeliegenden Biografie geschuldet ist, als vielmehr dem Spiel von Oleg Ivenko. Der Newcomer legt unglaublich viel Gefühl in seine Figur, sodass es kaum zu glauben ist, das es sich hier um seinen Debütfilm handeln soll. Mit einer unbeschreiblichen Präsenz steigert er sich in seine Figur hinein, wenn er den egozentrischen Tänzer präsentiert, der nicht nur ein unglaubliches Ego hat, sondern zuweilen auch eine weiche und fast schon zerbrechliche Seite.

Mit „Nurejew – The White Crow“ präsentiert Ralph Fiennes eine ungewöhnliche Interpretation der Jugendjahre des berühmten russischen Balletttänzers. Während das eigentliche Talent als Tänzer bestenfalls am Rande gezeigt wird, konzentriert sich Fiennes primär auf das Privatleben des Egozentrikers und dessen Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur.

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Copyright: Alamode Film

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Länge: 127 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 26.09.2019

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Nurejew – The White Crow

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 127 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 26.09.2019

Bewertung Film: (7/10)

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