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Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar

Geschrieben von Peter Gutting am 25. September 2019

„Sputnik (2013) hieß der erste Kinderfilm von Markus Dietrich, eine Abenteuergeschichte mit jeder Menge futuristischer Technik, insbesondere dem Traum vom Beamen. Noch konsequenter setzt Dietrichs Nachfolger auf die Kombination von kindlicher Phantasie und Science Fiction. Als erster Superheldinnenfilm „Made in Germany“ wird die Heldinnenreise einer Zwölfjährigen angekündigt. Und obwohl dafür natürlich kein Blockbuster-Budget zur Verfügung stand, setzt der Regisseur neben einer klugen Idee auf beeindruckende Schauplätze und teure Special Effects.

Da staunen die eingebildeten Tussis von der angesagten Mädchen-Clique nicht schlecht. Statt sich wie so oft niedermachen zu lassen, verbreitet Sue (Ruby M. Lichtenberg) Angst und Schrecken. Löst sich einfach in Luft auf. Kann unter ihrer Tarnmaske anderen Streiche spielen und unerkannt entkommen. Kurz: Sue verfügt über Kräfte, die sie einzigartig machen. Die dazu führen, dass man an ihr nicht vorbeikommt.

Dabei hat das Mädchen in der Vergangenheit eher wenig Aufmerksamkeit abbekommen. In ihrer Klasse ist sie der Außenseiter, über den sich die anderen lustig machen. Auch von ihrer Mutter (Victoria Mayer) wird sie allzu oft übersehen. Denn die Mama ist eine gefragte Wissenschaftlerin, die viel zu viel arbeitet und sich von ihrer Tochter meist gestört oder genervt fühlt. Bleibt nur der coole Papa (Luc Schiltz), der für jeden Spaß zu haben ist und Sue bereitwillig in die Fantasiewelt der Superhelden-Comics folgt, wenn er denn einmal länger zu Hause ist. Aber als Musiker muss er des Öfteren auf Tournee. Dann fühlt sich Sue besonders unscheinbar und übersehen.

Die Idee, aus der Schwäche der Unsichtbarkeit eine Stärke zu machen, gehört zu den charmantesten Aspekten dieses Familienfilms, der für Erwachsene einige Anspielungen auf das Superhelden-Genre in kleinen Details versteckt. Hier ist nicht brutale Kraft am Werk, sondern eher eine Art Guerilla-Taktik sowie viel Köpfchen gefragt. Sue muss ja selber erst lernen, wie sie ihre neue Fähigkeit, die nach einem Unfall im Labor ihrer Mutter über sie kommt, für sich selbst und andere am Vernünftigsten einsetzt. Dazu bleibt allerdings wenig Zeit, denn durch die unbeabsichtigte Infektion mit dem mysteriösen, unsichtbar machenden Serum gerät sie ins Visier von skrupellosen Geschäftemachern, die sich von dem Wundermittel noch ganz andere, höchst profitable Dinge versprechen. Da trifft es sich, das Sue zur rechten Zeit Tobi (Lui Eckardt) und Kaya (Anna Shirin Habedank) kennenlernt, zwei mit ebenfalls außergewöhnlichen Fähigkeiten, die im Gespann mit Sue ein schlagkräftiges Trio bilden.

Mit knapp vier Millionen Euro ist „Invisible Sue“ für einen Kinderfilm sehr großzügig ausgestattet, für das Superheldengenre aber hoffnungslos unterfinanziert. Regisseur Markus Dietrich nutzt seine Möglichkeiten aber so geschickt, dass man dem Film die beschränkten Mittel niemals ansieht. Seine fiktive Stadt „Markholm“ kombiniert den morbiden Charme verfallender Fabrikanlagen mit hypermodernen Hightech-Laboren und einem aus der Zeit gefallenen Schloss, oft mit Weitwinkelobjektiven verzerrt und in ein unheimliches, kühles Licht getaucht.

Das Superhelden-Genre wird somit nicht einfach bloß zitiert, sondern ernst genommen mit seinen Anforderungen an Action, Spezialeffekte und skurrilen Wendungen. Der Unterschied ist nur, dass mangels Blockbusterbudgets nicht ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden, sondern nur mal hier und da was explodieren darf oder die drei Freunde in „ET“-Manier mit einem Moped über die Dächer fliegen dürfen. Was ihm an Zerstörungspotential fehlt, macht der Film mit spielfreudigen Kinderdarstellern, einer Fülle von Wendungen und mit einem schönen Hintersinn wett. Die größte Superkraft ist dabei nicht die reine Stärke, sondern der überlegte Umgang mit einer persönlichen Eigenheit, die per se nicht für Siegerqualitäten steht. Dem Stereotyp des Superhelden gewinnen die Filmemacher damit eine intelligente und emotional kluge Variante ab.

„Invisible Sue“ ist eine charmante Mischung aus Kinder- und Superhelden-Film. Regisseur Markus Dietrich nimmt die Besonderheiten beider Genres ernst – den fantasievollen Blick auf die Welt einerseits und das Abtauchen in fantastische Spielereien andererseits. Zusammen ergibt das einen unterhaltsamen Familienfilm mit Abenteuer für die Kleinen und versteckten Filmzitaten für die Großen.

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Copyright: Farbfilm

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Länge: 90 min

Kategorie: Adventure, Fantasy

Start: 31.10.2019

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 90 min
Kategorie: Adventure, Fantasy
Start: 31.10.2019

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