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Booksmart

Geschrieben von Peter Gutting am 22. September 2019

„Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“. So lautet der Titel eines Bestsellers von Ute Erhard aus dem Jahr 1994, der als Taschenbuch noch immer verfügbar ist. Die Heldinnen aus dem Regiedebüt der US-Schauspielerin Olivia Wilde haben von solchen Weisheiten offenbar noch nichts gehört. Und so müssen sie durch einen persönlichen Entwicklungsprozess hindurch, an dessen Ende eben diese Sachbuch-Erkenntnis steht. Aber weil es sich nicht erster Linie um ein Drama, sondern um eine klassische Highschool-Komödie handelt, dürfen die bösen Mädchen in spe erstmal ganz viele böse Wörter benutzen – und nicht ganz so böse Dinge tun.

Auf den ersten Blick erscheinen Amy (Kaitlyn Dever) und Molly (Beanie Feldstein) gar nicht mal so uncool. Als Amy die Freundin in ihrem alten Volvo zur Schule abholen will, legen die beiden erstmal ein Tänzchen aufs Pflaster – Michael Jackson mit seinem „robot dance“ lässt grüßen. Aber dann das Einbiegen auf den „Parkplatz für Schulsprecher“ und das Abstauben der privaten Telefonnummer der Lehrerin, die ihre Schützlinge einen Tag vor der Abschlussfeier der Highschool bereits unendlich vermisst – geht’s noch? Amy und Molly sind unverbesserliche Streberinnen. Sie sind die letzten Jahre auf keine Party gegangen, haben stets gebüffelt, auf Liebesaffären verzichtet, nur um an eine der berühmten Elite-Universitäten zu kommen, Yale und Columbia. Zum Ausgleich für andere Freuden klebten die beiden Sandkasten-Freundinnen aneinander wie die Kletten.

Nun ist es fast geschafft: Beide haben ihren Studienplatz in der Tasche und glauben, dass die Partybienen ihrer Klasse mit mieseren Hochschulen vorlieb nehmen müssen. Doch weit gefehlt. Auch die als Schlampe geltende Klassenkameradin geht nach Yale. Als sie das erfährt, verfällt die etwas pummelige, aber resolute Molly in Torschlusspanik. „Wir müssen vier verlorene Jahre in der einzigen Nacht nachholen, die uns vor der Abschlussfeier noch bleibt“, sagt sie zu Amy, die den schüchternen Part des ungleichen Paars übernimmt. Schließlich sind die Streberinnen nicht so unschuldig, wie sie immer getan haben. Molly steht heimlich auf Nick: gutaussehend, aber leicht debil. Und die lesbische Amy hat seit langem ein Auge auf die blonde Skaterin Ryan geworfen. In der alles entscheidenden Nacht will Amy ihre Unschuld verlieren und Molly macht sich an Nick ran.

Weil dieser Teil der Story eher für einen Kurzfilm taugen würde, haben die vielen Drehbuchautoren, die das Skript geschrieben und umgeschrieben haben, ein paar verzögernde Momente eingebaut. Das gibt Regisseurin Olivia Wilde Gelegenheit, den Film vor allem in den ersten zwei Dritteln zu einer actionreichen Komödie mit quietschbunten Schauplätzen und vielen Dialogen unter der Gürtellinie zu machen. Es scheint, als ginge es nur darum, die Klischees einer typischen Highschool-Komödie derart auf die Spitze zu treiben, dass sie schon wieder nach einem neuen, originellen Stil aussehen. Doch der Unterhaltungswert ist begrenzt, geht es doch im Grunde vor allem um Drogen, das herbeigesehnte erste Mal und ausufernde Prahlereien über vorgeblich unwiderstehliche Anziehungskräfte auf das andere Geschlecht.

Als schiene das den Filmemachern auf die Dauer doch zu billig, rutscht der Film zeitweise recht abrupt auf eine dramatischere, ernsthafte Schiene. Fragen von Ehrlichkeit werden dann verhandelt und von der Notwendigkeit, sich aus der Symbiose mit der ewigen besten Freundin wenigstens ein Stück weit zu lösen. Diese ruhigeren Passagen tun dem Film gut und heben ihn aus dem Einerlei der immer gleichen Zoten heraus, die ganz offenbar auf das als prüde geltende amerikanische Publikum zielen und zu einer Altersfreigabe erst ab 17 geführt haben. Doch sind die Entwicklungsperspektiven, die sich aus den ernsteren Passagen ergeben, nicht gerade originell. Es zahlt sich einfach nicht aus, ein Streber zu sein. Das ahnt man allerdings schon in den ersten Filmminuten.

Booksmart ist eine Highschool-Komödie, die sich in erster Linie an die entsprechende Altersgruppe der 14- bis 18jährigen und insbesondere an das amerikanische Publikum wendet. Trotz rasanter Action und ein paar guten visuellen Einfällen liefert das Regiedebüt der Schauspielerin Olivia Wilde kaum mehr als die üblichen Klischees über Streber und die verschiedenen anderen Schubladen, in die pubertierende Schüler einander zu stecken pflegen.

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Copyright: Weltkino

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Länge: 102 min

Kategorie: Comedy

Start: 14.11.2019

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Booksmart

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 102 min
Kategorie: Comedy
Start: 14.11.2019

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