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Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 6. August 2019

Mit seinem gefeierten Debütfilm namens „Lunchbox“ eroberte Regisseur Ritesh Batra die Herzen unzähliger Zuschauer im Sturm, erzählte dieser doch von einem älteren Herrn in Mumbai, der ausversehen die Essensbox einer fremden Frau bekam und sich fortan von dieser bekochen ließ. In seinem vierten Film namens „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer“ kehrt Batra nun nach Mumbai zurück, wo er erneut von zwei Liebenden berichtet, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Rafi (Nawazuddin Siddiqui) ist ein Straßenfotograf wie viele andere, der tagsüber an Mumbais berühmtesten Wahrzeichen dem „Gate to India“ anzutreffen ist. Dort fotografiert er Touristen, verkauft diesen das Foto, um des Abends in einer kleinen Unterkunft ein paar Stunden zu schlafen, nachdem dieser erneut fast seine kompletten Einnahmen nach Hause geschickt hat. Eines Tages droht seine Großmutter damit ihre Medikamente abzusetzen, wenn dieser sich nicht endlich eine Ehefrau sucht. Für Rafi natürlich eine verzwickte Situation, denn wo er für Frauen nun beim besten Willen keine Zeit zu haben scheint, kann er es auch nicht hinnehmen, das seine Großmutter ihre Gesundheit aufs Spiel setzt.

So kommt es schließlich wie es kommen musste, denn Rafi schickt seiner Großmutter einfach das Bild der hübschen Studentin Miloni (Sanya Malhotra), die er tags zuvor fotografiert hat. Seine Großmutter ist sofort angetan von der Freundin ihres Sohnes, sodass sie diese nicht nur gern kennenlernen möchte, sondern sich sogleich auch in den nächsten Zug nach Mumbai setzt. Für Rafi natürlich eine denkbar ungünstige Situation, woraufhin er Miloni sucht und diese schließlich um den ungewöhnlichen Gefallen bittet, für ein paar Tage seine Freundin zu sein.

Der Debütfilm von Regisseur Ritesh Batra war auf internationalen Festivals beinahe überall zu sehen, in Deutschland bekam dieser sogar einen Kinostart und so war die Erwartungshaltung an die kommenden Filme natürlich entsprechend groß. Nachdem Batra zuletzt mit „Vom Ende einer Geschichte“ und „Unsere Seelen bei Nacht“ zwei mittelmäßige Filme mit Hollywood Besetzung abgeliefert hat, folgt er nun wieder seinem Herzen und kehrt in seine Heimatstadt zurück.

Wer nun aber glaubt es mit einem ähnlich hochkarätigen Film wie „Lunchbox“ zu tun zu bekommen, der sei an dieser Stelle womöglich gewarnt, auch wenn „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer“ ein absolut sehenswerter Film geworden ist. Erneut ist das Thema natürlich eine unglaubliche Liebesgeschichte, die sich in Indiens 18 Mio. Metropole so natürlich nur im Traum abspielen kann. Ein etwas älterer Junggeselle fotografiert eine hübsche Studentin, bittet diese für ein paar Tage seine Freundin zu spielen, nur um die (gefühlt) hundertjährige Großmutter davon zu überzeugen, dass er nicht als verkappter Junggeselle sterben wird.

Natürlich lässt sich eben diese Großmutter keinen Bären aufbinden, wodurch ein ums andere Mal ganz witzig provozierte Szenen einer etwas anderen Beziehung entstehen. Egal ob dies das Schlendern durch die Stadt ist, der Besuch im Restaurant oder ein gemeinsames Foto am Strand, wo echte Liebe natürlich nicht aufkommen will. Bei alledem spielt Ritesh Batra aber nicht die bekannten Karten einer typischen Bollywood Romanze aus, stattdessen setzt er auf die unterschwelligen Aussagen seiner Bilder, die vor allem durch die Kameramänner Tim Gillis (Dead Within) und Ben Kutchins (Ozark) wunderbar eingefangen werden. Kleine zögerliche Blicke, die Geste dem anderen einen Gefallen zu tun, gleichwohl aber auch das Bemühte über die eigene Stellung hinauszugehen, wenn Rafi beispielsweise mehr zu bieten versucht, als er eigentlich in der Lage ist zu geben.

Letzteres deutet sich beispielsweise bei einem Kinobesuch an, denn wo Miloni plötzlich mit den Füßen hoch schreckt, sagt Rafi eher lapidar, das dies doch nur eine Ratte sei, die schon wieder weitergerannt ist. An diesen Stellen offenbaren sich die gesellschaftlichen Unterschiede, denn wo Rafi von ganz unten kommt und etwas aus seinem Leben zu machen versucht, ist Miloni in der Mittelschicht verankert, wo ihr nicht nur gute Schulbildung zu eigen ist, sondern ihr auch noch ein wohlhabender Ehemann von den Eltern ausgesucht wird. Ganz ähnliches kann man auch an vielen weiteren Details erkennen, denn bereits recht früh wird ihr von Rafis Großmutter ein altes Schmuckstück überreicht, das bereits sehr lange in der Familie verankert ist. Bei eben diesem Schmuckstück handelt es sich um eine Fußkette, die sie wenig später auch bei einem ihrer Hausmädchen wiedersieht. Eben dieses Hausmädchen rollt schließlich in der Küche eine Decke aus, um auf dem Fußboden zu schlafen, woraufhin wieder die gesellschaftlichen Unterschiede verdeutlicht werden.

Diese gesellschaftlichen und sozialen Themen werden in „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer“ aber nie mit Worten angesprochen, sondern vielmehr stumm mit der Macht der Bilder abgehandelt. Eben diese Form des Ausdrucks sahen wir auch bereits in „Lunchbox“, was einmal mehr zu jeder Menge Diskussionen nach dem Film einladen wird.

Mit „Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer“ präsentiert Regisseur Ritesh Batra eine sehenswerte Romanze im Herzen Mumbais. Nicht ganz so stark wie sein Debütfilm und dennoch absolut sehenswert.

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Länge: 110 min

Kategorie: Drama, Romance

Start: 08.08.2019

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Photograph – Ein Foto verändert ihr Leben für immer

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 110 min
Kategorie: Drama, Romance
Start: 08.08.2019

Bewertung Film: (7/10)

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