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Diego Maradona

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. August 2019

Würde man nach den weltbesten Fußballern fragen, dann würden Jugendliche heutzutage mit Sicherheit Spieler wie Christiano Ronaldo oder Lionel Messi nennen. Wenn man zu den etwas älteren gehört, dann denkt man womöglich bis in die 1980er Jahre zurück, wo nicht nur Diego Maradona als unglaublich talentierter Fußballspieler galt, sondern vor allem auch mit seinen Eskapaden für jede Menge Schlagzeilen sorgte.

Regisseur und Drehbuchautor Asif Kapadia hat sich für seine Dokumentation durch über 500 Stunden unveröffentlichtes Material gewühlt, doch wenn man glauben würde, dass er mit seinem 130-minütigen Werk ein umfassendes Bild von Diego Maradona zeichnet, wird womöglich enttäuscht. In einer Art Schnelldurchlauf werden am Anfang die ersten Jahre in Argentinien durchgenommen, wo Diego als Kind einer Arbeiterfamilie den Sprung aus den Slums über seinen Verein Argentinos Juniors zu den Boca Juniors (damals die beste Erstligamannschaft Argentiniens) schaffte.

Sein Weg führte nach nur zwei Jahren nach Barcelona, wo er nicht nur 22 Tore in zwei Jahren schoss, sondern neben einer Hepatitis Erkrankung vor allem durch einen Beinbruch für viele Monate fehlte, den er Bilbaos Verteidiger Andoni Goikoetxea nach einem üblen Foul verdankte. Natürlich war Diego schon damals ein großer Heißsporn der sich so manches Mal zu unüberlegten Taten hinreißen ließ, woraufhin sich dieser schließlich beim Pokalfinale gegen Bilbao bei Goikoetxea bedankte und kurzerhand eine Schlägerei vor den Augen des spanischen Königs Juan Carlos anzettelte.

Für Barcelona war er nicht länger tragbar und so folgte der Wechsel zum SSC Neapel, wo nicht nur diese Dokumentation beginnt, sondern Diego Maradona auch von 1984 bis 1991 spielen sollte. Der SCC Neapel war damals ein Kellerkind der italienischen Liga, hoch verschuldet und von daher konnte auch niemand diesen Königstransfer verstehen. Gerüchte über die italienische Mafia hinsichtlich Finanzierung machten die Runde, vor allem aber tat sich Diego unheimlich schwer gegen die harte Spielweise der Liga A zu bestehen.

Wie sagte dieser in einem Interview doch so schön, er wollte ein Haus und bekam eine Wohnung, er wollte einen Ferrari und bekam einen Fiat, in Neapel ist halt alles eine Nummer kleiner. Diego biss sich durch, trainierte hart und erzielte seine Tore, woraufhin Neapel nach langer Zeit endlich einmal um die Meisterschaft mitspielen konnte. Natürlich kamen mit dem Ruhm auch neue Probleme, denn wo sich Diego allerhand Frauen hingezogen fühlte, suchte auch die dortige Mafia den Kontakt, um sich mit ihm in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Es kam schließlich wie es kommen musste, denn nach der gewonnenen WM 1986 und dem zweiten Platz 1990 rutsche Diego immer mehr in die Partys und seiner Kokainsucht ab. Nach einer Dopingkontrolle kam schließlich der tiefe Fall, woraufhin er nicht nur für ein volles Jahr vom Verband national und international gesperrt wurde, sondern sich auch einer Anklage vor Gericht ausgesetzt sah, wurden doch Telefonate zwischen ihm und der Mafia mitgeschnitten.

Dies alles bereitet Regisseur Asif Kapadia unglaublich spannend auf, wenn er Aufnahmen der damaligen Zeit präsentiert, ehemalige Journalisten, Spieler und Weggefährten im Voice Over zu Wort kommen lässt und so ein unglaublich authentisches Bild entstehen lässt. Eben dieses Bild ist zumeist zweigeteilt, denn wo er Diego stets als schüchternen Jungen hinstellt, der am liebsten nur Fußball spielen möchte, ist Maradona die schillernde Figur im Rampenlicht, die vor allem Aufmerksamkeit benötigt und von allen geliebt werden will.

Der Spagat geht nicht immer auf, das Fußballerherz lässt diese Dokumentation dennoch höher schlagen. Viele werden sagen das 130 Minuten viel zu viel sind, doch wenn man diesen begnadeten Künstler damals hat spielen sehen, kann man kaum Luft holen, um die vielen (neuen) Informationen in sich aufzusaugen. Natürlich kommt bei alledem auch das berühmte WM Spiel gegen England vor, wo die „Hand Gottes“ den Ball vollkommen Regelkonform ins Tor bugsiert hat 😉

Mit „Diego Maradona“ liefert Regisseur Asif Kapadia eine beeindruckende Dokumentation über einen der besten Fußballer der 1980er Jahre ab. Spannend, vollgepackt mit neuen Informationen und authentisch bis zur letzten Minute.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: DCM

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Länge: 130 min

Kategorie: Documentary, Biography, Sport

Start: 05.09.2019

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Diego Maradona

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 130 min
Kategorie: Documentary, Biography, Sport
Start: 05.09.2019

Bewertung Film: (8/10)

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