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Stuber – 5 Sterne Undercover

Geschrieben von Peter Gutting am 14. Juli 2019

Hierzulande kennt man den Taxi-Konkurrenten „Uber“ eher aus den Schlagzeilen als aus dem realen Stadtbild. Aber in amerikanischen Städten wie Los Angeles oder San Francisco gehört die Firma, bei der Fahrer nebenberuflich Geld verdienen können und zum Teil ihr eigenes Auto einsetzen, zum Alltag. Nun hat der kanadische Regisseur Michael Dowse eine Actionkomödie über einen Uber-Fahrer gedreht – und macht damit ungewollt (oder beabsichtigt?) Werbung für das umstrittene Unternehmen.

Nie im Leben würden diese beiden freiwillig zueinander finden: der junge Uber-Fahrer Stu (Kumail Nanjiani) und der hartgesottene Polizist Vic (Dave Bautista). Stu ist etwa 20 Jahre jünger, eher sanftmütig und kennt sich gut mit Smartphones aus. Vic hingegen kommt als Kraftpaket daher, hat mit digitaler Technik nichts am Hut und regelt seine Angelegenheiten mit roher Gewalt. Nur weil Vics Tochter Nicole (Natalie Morales) dem Papa die Uber-App aufs Handy installiert hat, kommt er überhaupt auf die Idee, den Fahrdienst zu rufen. Und das auch nur nach einer Chaos-Fahrt mit dem eigenen Auto, die nach Verwüstung eines halben Stadtviertels in einem Bauloch endet. Vic kann nach einer Laser-Operation an beiden Augen nämlich so gut wie nichts sehen. Und trotzdem ist er wild entschlossen, unverzüglich und ohne die rasche Heilung abzuwarten sich an dem Verbrecher zu rächen, der seine Polizisten-Kollegin bei einem gemeinsamen Einsatz erschossen hat. Also nimmt er Stu quasi als Geisel, um mit ihm als Fahrer knallharte Ausflüge in die schießwütige Unterwelt der ziemlich unsanften „Stadt der Engel“ zu starten.

Im Grunde funktionieren die komischen Männer-Paarungen im Kino fast von alleine. Man braucht nur, so scheint es, ein paar grundverschiedene Typen zu nehmen und sie in Situationen zu stecken, in denen sie aufgrund ihres unverwechselbares So-Seins möglichst viel Unsinn anstellen und einander dabei ständig über die Füße fallen. Aber „Stuber – 5 Sterne Undercover“ tritt den unfreiwilligen Beweis an, dass das Buddy-Prinzip nicht in jedem Fall zum Selbstläufer taugt. Berühmte Komiker-Paare wie Stan Laurel und Oliver Hardy oder Jack Lemmon und Walter Matthau zeichneten sich nämlich nicht nur durch ihre Grundverschiedenheit aus. Sondern immer auch durch etwas Verbindendes, einen geheimen Zauber, eine magische Chemie, die durch alle Verwicklungen und Konflikte durchscheint Daran hapert es bei Kumail Nanjiani und Dave Bautista. Es fehlt ihnen der Charme einer alten Ehe, eine innere Widersprüchlichkeit, die die Brücke zum anderen baut.

Dabei hat Kumail Nanjiani als Uber-Fahrer den dankbareren Part. Der Schauspieler pakistanischer Herkunft bringt Erfahrungen als Standup-Comedian mit und bekommt ausreichend Gelegenheit, sein allzu naives Selbstverständnis als moderner, gesprächiger netter Mann zu präsentieren, der gerne auch mal Gefühle zeigt. Dave Bautista als durchgeknallter, rachelüsterner Cop hat hingegen die wesentlich eindimensionalere Rolle. Ihn kann man ganz einfach beschreiben, indem man an seine Funktion bei den „Guardians oft he Galaxy“ erinnert. Dort spielt er „Drax, den Zerstörer“. Wo Vic hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Und ein bisschen Show ist beim überharten Einsatz auch dabei. Der muskelbepackte Schauspieler ist immer wieder auch im professionellen Wrestling unterwegs.

Gewiss trägt die Idee, den halb blinden Rächer zu einem sanftmütigen Loser ins Uber-Auto zu setzen, den Film in der ersten halben Stunde. Aber spätestens dann gerät die Komik in die Wiederholungsschleife. Als belebendes Element müssen Schießereien, wilde Prügeleien und Verfolgungsjagden herhalten. Regisseur Michael Dowse wollte nach eigenem Bekenntnis eine Actionkomödie drehen, in der beide Teile – Humor und Gewalt – gleich gewichtet werden. Aber auch Actionfans kommen beim halbgaren Kompromiss nicht auf ihre Kosten. Mit Ausnahme der furiosen, elegant choreografierten Eingangssequenz punkten die Gewaltsequenzen lediglich mit übertriebener, unrealistischer Härte, ähnlich wie beim Wrestling. Da krachen die Körper schon mal durch Wände oder überleben unverletzt Schläge mit einem Kinderfahrrad direkt auf den Kopf. Insgesamt sind die Kampfszenen aber wenig originell und oft lieblos. Wie überhaupt die beiden Elemente Komik und Action nicht organisch ineinander greifen, sondern bloß zusammengestoppelt sind.

„Stuber – 5 Sterne Undercover“ ist eine Actionkomödie, die weder Komödienfans noch eingefleischte Actionliebhaber zufriedenstellen dürfte. Der Film verlässt sich zu sehr auf das Buddy-Prinzip und andere bewährte Rezepte wie das absehbare Schrotten von Autos, ohne aus der ungleichen Männergemeinschaft Funken von Charme zu schlagen. Sehenswert ist lediglich die schauspielerische Leistung des jungen Pakistani-Amerikaners Kumail Nanjiani.

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Wir vergeben daher 4 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Länge: 93 min

Kategorie: Action, Comedy, Crime

Start: 22.08.2019

cinetastic.de Filmwertung: (4/10)

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Stuber – 5 Sterne Undercover

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 93 min
Kategorie: Action, Comedy, Crime
Start: 22.08.2019

Bewertung Film: (4/10)

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