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Das Leben meiner Tochter

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. Juni 2019

In den letzten Monaten war das Thema der rückläufigen Organspenden in der Presse überaus stark vertreten, woraufhin unser Gesundheitsminister nicht nur einen ungewöhnlichen Vorschlag machte, sondern das Echo aus der Medienlandschaft sogleich folgte. Wie aber würde man selbst dazu stehen, wenn ein geliebter Mensch ein Spender-Organ benötigt, welches einfach nicht vorhanden ist?

Micha Faber (Christoph Bach) und seine Frau Natalie (Alwara Höfels) könnten glücklicher kaum sein, denn zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter Jana (Maggie Valentina Salomon) bilden die drei eine Art Bilderbuchfamilie. Eines Tages wird bei Jana eine grauenhafte Krankheit diagnostiziert, welche sie nicht nur fortan ans Bett fesselt, sondern sie ebenso von einem Spenderherz abhängig macht. Für die Familie verändert sich nun viel, denn während diese immer mehr Zeit bei Jana im Krankenhaus verbringt, leidet das Unternehmen von Micha zunehmend unter dieser Belastung.

Im Laufe der Zeit verschlechtert sich der Zustand der kleinen Jana zusehends, was insbesondere bei Micha eine Form der Verunsicherung hervorruft, bei der er zunehmend das Vertrauen in das deutsche Gesundheitssystem verliert. Fortan schaut er sich nach Alternativen um, woraufhin schließlich ein Krankenhaus in Rumänien in den Fokus rückt. Obwohl seine Frau Natalie dagegen ist und selbst die Ärzte vor dieser Entscheidung warnen, ergreift Micha diesen vermeintlich letzten Strohhalm, was nicht nur für Jana, sondern für seine ganze Familie ein Nachspiel haben wird.

Manchmal kann das Thema eines Filmes kaum aktueller sein, denn wenn der Gesundheitsminister über rückläufige Spender und ein alternatives System diskutiert, bringt Regisseur Steffen Weinert einen Film in die deutschen Kinos, der aufgrund seiner Thematik wohl kaum jemand kalt lassen wird. Am Ende von „Das Leben meiner Tochter“ wird sich zweifelsohne nahezu jeder der Frage ausgesetzt sehen, wie man wohl selbst mit der Situation umgegangen wäre, bis dahin sind allerdings erst einmal 95 Minuten zu überbrücken.

In seinem erst zweiten abendfüllenden Spielfilm widmet sich Steffen Weinert (Finn und der Weg zum Himmel) einem überaus ernsten Thema, wenn er mit dem Enddreißiger Micha Faber einen Mann in den Fokus rückt, der die Krankheit seiner achtjährigen Tochter miterleben muss, ohne das er etwas dagegen unternehmen kann. Insbesondere am Anfang wird dabei sehr viel Wert auf die familiären Verhältnisse gelegt, wenn Weinert die kleine Familie stets im Krankenhaus zeigt und dort zunehmend die fortschreitende Krankheit der kleinen Jana verfolgt. Während sich Mutter Natalie liebevoll um die kleine Jana kümmert und ihr selbst den Tod zu erklären versucht, steht dem Micha zunehmend unfähig gegenüber, was mit überaus emotionalen Szenen dargestellt wird.

Obwohl die Auseinandersetzung mit dem deutschen Gesundheitssystem (Stichwort: die kleinere Maschine ist noch nicht zugelassen…) eher am Rande erfolgt, ist dies zweifelsohne eine der starken Seiten des Films. Positives und Negatives wird kurz angerissen, während die Folgen unübersehbar bleiben, was insbesondere am Entschluss von Micha abzulesen ist. Im weiteren Verlauf erfolgt nun die Reise nach Rumänien, es wird kurz die Zerrissenheit der Familie dargelegt, doch verzettelt sich Weinert zusehends in seiner eigenen Inszenierung und der Glaubwürdigkeit seiner Figuren.

Letzteres wird bisweilen zum echten Problem, denn wo einzelne Dialoge recht stockend und beinahe vom Zettel ablesend herübergebracht werden, kann man die Entwicklung von Jana nur schwer nachvollziehen. Das eine achtjährige plötzlich alles hinterfragt und selbst das lebensrettende Spenderherz – entgegen der Meinung ihres Vaters – ablehnt, dürfte doch stark zu bezweifeln sein. Dahingehend verbleibt insbesondere in der zweiten Hälfte der Inszenierung der fade Beigeschmack, das man hier doch vieles hätte besser machen können, denn zuweilen erinnert „Das Leben meiner Tochter“ doch an einen ganz normalen Fernsehfilm der Öffentlich Rechtlichen.

Mit „Das Leben meiner Tochter“ präsentiert Steffen Weinert einen interessanten zweiten abendfüllenden Spielfilm, der allerdings den eigenen Ansprüchen punktuell hinterherläuft.

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Copyright: Camino

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Länge: 95 min

Kategorie: Drama

Start: 06.06.2019

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Das Leben meiner Tochter

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 95 min
Kategorie: Drama
Start: 06.06.2019

Bewertung Film: (6/10)

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