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Burning

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 16. Juni 2019

Als vor einem Jahr beim Filmfestival von Cannes Lee Chang-dongs „Burning“ vorgestellt wurde, übertrafen sich die unterschiedlichsten Kritiker mit sich steigernden Lobeshymnen. Als es dann allerdings zur eigentlichen Preisverleihung kam, ging dieser unter Jury-Präsidentin Cate Blanchett komplett leer aus. Für viele Zuschauer war diese Entscheidung kaum nachzuvollziehen, handelt es sich hier doch um eine echte Perle, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Der etwa 25-jährige Jong-soo (Yoo Ah-in) lebt in der südkoreanischen Stadt Paju, wo er sich mit den unterschiedlichsten Jobs über Wasser zu halten versucht. Eigentlich ist Jong-soo Schriftsteller, doch wo ihm die Ideen für seinen ersten Roman nach wie vor fehlen, strotzt dieser auch nicht unbedingt vor Selbstbewusstsein, um sein Leben endlich einmal auf die Reihe zu bekommen. Eines Tages trifft Jong-soo seine ehemalige Klassenkameradin Hae-mi (Jeon Jong-seo) wieder, woraufhin beide sich nicht nur anfreunden, sondern schon bald auch eine gemeinsame Nacht verbringen. Leider ist eben diese Romanze nur von kurzer Dauer, denn Hae-mi geht schon bald für eine Rundreise nach Afrika.

Einige Wochen und Monate ziehen ins Land, in denen Jong-soo der Rückkehr seiner potentiellen Freundin entgegenfiebert. Als diese dann schließlich am Flughafen eintrifft, hat sie den charmanten Ben (Steven Yeun) an ihrer Seite, den sie auf ihrem Trip kennengelernt hat. Dieser sieht nicht nur unglaublich gut aus, sondern ist auch noch reich, woraufhin Jong-soo völlig eingeschüchtert ist. Fortan begleitet er beide zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen, bis Ben ihm eines Abends von seinem recht ausgefallenen Hobby erzählt…

In den letzten Jahren begleiten uns immer wieder einige herausragende asiatische Filme im deutschen Kino, die nicht nur von kulturellen Unterschieden, sondern oftmals von tiefen gesellschaftlichen Problemen berichten. Chang-dongs „Burning“ reiht sich in dieser Kategorie zweifelsohne ein, denn wo er vom nach wie vor existierenden Klassensystem berichtet, geht dieser auch auf eine Vielzahl tief verwurzelter Probleme in Südkoreas Bevölkerung ein.

Eben diese Probleme versucht Chang-dong in seinem zweieinhalbstündigen Film abzubilden, was anfangs noch strukturell einem Drama gleicht, ab der Hälfte des Films aber mehr und mehr im Bereich des Psychothrillers wiederzufinden ist. Die Stärke von „Burning“ ist aber nicht unbedingt das angesprochene Thema, sondern die vielen offenen Fragen, die sich im Laufe der Erzählung ergeben. Das eben diese Geschichte auf einer grade einmal zehnseitigen Kurzgeschichte basiert, ist zuweilen kaum zu glauben.

Im Mittelpunkt dieser sonderbaren Geschichte dreht sich natürlich alles um besagte drei Figuren. Jong-soo, der studierte junge Mann aus der Arbeiterklasse der es dennoch nicht nach oben schafft. Der charismatische Ben der bereits wohlhabend geboren wurde und sich seiner gesellschaftlichen Stellung stets bewusst ist, sowie die junge Hae-mi, die man wohl eher als Freigeist bezeichnen kann, der sich einfach nicht niederlassen will. Für Ben sind beide Personen von Interesse, denn wo er Hae-mi ihre ungezwungene Art zu leben anziehend findet, sieht er vor allem in Jong-soo eine Möglichkeit die Ängste und Sehnsüchte der Arbeiterklasse zu erfahren.

Zwischen lockeren Gesprächen in den verschiedenen Bars, einem Joint auf Jong-soo‘s Anwesen außerhalb der Stadt und zahlreichen Fahrten im Auto, baut sich die Geschichte von „Burning“ nur sehr langsam auf. Chang-dong nimmt sich viel Zeit seine Figuren vorzustellen, deren Leben, ihre Ängste und Sehnsüchte, was zuweilen wie ein depressives Drama daherkommt. Dann ergeben sich plötzlich erste Fragen, woraufhin allerdings die Antworten ausbleiben. Gibt es die Katze wirklich? Ist Hae-mi weggelaufen? Ist Ben womöglich ein Mörder? Was hat es mit seinem Hobby auf sich und gibt es den Brunnen im Dorf wirklich? Die Inszenierung dreht sich zum Psychothriller, der Film wird etwas schneller, doch auch jetzt bleibt uns Chang-dong Antworten auf zahlreiche Fragen schuldig. Diese soll es auch bis zuletzt nicht geben, woraufhin nicht nur die Interpretation des Zuschauers angeregt wird, sondern „Burning“ auch zu endlosen Diskussionen nach dem Ende einlädt.

Mit „Burning“ präsentiert uns Chang-dong einen wunderbaren Psychothriller, der nicht nur drei herausragende Darsteller besitzt, sondern zugleich auch mit seiner Geschichte zu begeistern versteht. Absolut zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Capelight

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Länge: 148 min

Kategorie: Drama, Mystery

Start: 06.06.2019

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Burning

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 148 min
Kategorie: Drama, Mystery
Start: 06.06.2019

Bewertung Film: (8/10)

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