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Jibril

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. April 2019

Jibril

Vor fünf Jahren drehte Regisseurin und Drehbuchautorin Henrika Kull mit „Intimate Distance“ eine 17-minütige Dokumentation, in der es in erster Linie um Beziehungen geht, die über eine große geografische Distanz existieren. Eben diese Distanz spiegelt sich auch in ihrem Spielfilmdebüt wieder, wenn sie von zwei Menschen berichtet, deren Liebe durch dicke Gefängnismauern auf die Probe gestellt wird.

JibrilMaryam (Susana Abdulmajid) ist eine in Berlin lebende Irakerin mit drei Kindern, die bereits seit einiger Zeit allein lebt. Ihren Ehemann sieht sie zum Glück nicht mehr, stattdessen hilft ihr die arabische Gemeinschaft wo sie nur kann. Eines Tages besucht Maryam für eine ihrer Freundinnen Jibril (Malik Adan) im Gefängnis, den sie vor vielen Jahren bereits flüchtig auf einer Hochzeit kennengelernt, später aber aus den Augen verloren hat.

Beide verstehen sich auf Anhieb großartig, doch abseits der üblichen Flirts bekommt Maryam vor allem aus ihrem Umfeld den Ratschlag, sich nicht mit Jibril einzulassen. Wie stellt sie sich das denn vor, soll ihre Liebe die nächsten drei Jahre auf Besuchszeiten reduziert sein, muss ihr zukünftiger Freund doch noch etliche Jahre absitzen? Während Maryam sich nicht hereinreden lässt, lernt sie schon bald eine andere Seite von Jibril kennen, woraufhin die gemeinsame Liebe auf eine harte Probe gestellt wird.

JibrilIn den Medien liest man immer wieder von Frauen die sich in Gefängnisinsassen verlieben. Was auf der einen Seite recht unverständlich und weltfremd wirkt, hat auf der anderen noch ganz andere Aspekte. Kann eine Liebe in der Zuneigung nur schwer ausgedrückt werden kann, in den engen Schranken von Besuchszeiten tatsächlich überleben? Dieser Frage geht Henrika Kull in ihrem 83-minütigen Drama „Jibril“ nach, wenn sie von den verschiedensten Stadien der Liebe berichtet, von den ersten Problemen und ein Stück weit von einem möglichen Happy End, wenn man dieses denn so bezeichnen möchte.

Für den Zuschauer sind einige Gegebenheiten in „Jibril“ nur sehr schwer zu erfassen, denn wo man als Deutscher kaum versteht, warum Maryam einen wildfremden jungen Mann im Gefängnis besuchen geht, ergeben diese Aspekte erst mit dem nötigen Hintergrund einer arabischen Gemeinschaft wirklich Sinn. Diese Details werden in „Jibril“ aber nicht angesprochen, denn Filmemacherin Henrika Kull ist keine Frau von erklärenden Worten.

JibrilStattdessen versucht sie sich auf die wichtigsten Aspekte zu konzentrieren, wenn sie eine alleinerziehende Mutter dreier Kinder zeigt, die des Abends auf dem Sofa schmalzige Telenovas sieht und sich so nach einer neuen (echten) Liebe sehnt. In ihrem Integrationskurs wird sie mit einem gleichaltrigen Mann konfrontiert, der sie gern einmal ausführen würde, doch hat Maryam dafür keine „Zeit“. Sind dies Versagensängste? Möchte sie nicht erneut einen Versager an ihrer Seite haben? Woran scheiterte genau ihre erste Ehe?

Themen wie diese werden nicht weiter angerissen, der Zuschauer wird stattdessen mit seinen Überlegungen allein gelassen, was für den einen oder anderen durchaus positiv sein kann, da es zum Nachdenken anregt, ganz andere würden stattdessen lieber ein Stück weit an die Hand genommen werden. Doch dafür ist in 83 Minuten kein Platz, woraufhin sich Kull auf ihre Romanze hinter Gittern konzentriert. Genau dabei geht es nun aber auch ans Eingemachte, denn der Zuschauer wird mit allen Stadien der Liebe konfrontiert. Ein erstes lockeres Gespräch, gegenseitige Zuneigung, kurzes Händchen halten unter der Aufsicht von Justizvollzugspersonen, bis hin zu einem ersten Kuss. Natürlich kommt schon bald das erste bittere Erwachen, wenn man die gegenseitigen Probleme zu erkennen beginnt, denn wo sich Jibril schon bald alleingelassen fühlt, hat Maryam im echten Leben außerhalb der Gefängnismauern auch noch weitere Verpflichtungen denen sie nachgehen muss. Darüber hinaus kommen aber auch die kritischen Stimmen aus dem direkten Umfeld nicht zu kurz, was Kull entsprechend intensiv versucht darzulegen.

Filmemacherin Henrika Kull präsentiert mit „Jibril“ einen überaus authentischen Film, der von der Liebe zweier Menschen berichtet, die durch Gefängnismauern voneinander getrennt sind. Wo der Aspekt der Liebe und des Verliebt seins wirklich gut herausgearbeitet wurde, würde man sich manchmal ein paar erklärende Worte zu den darstellten Randthemen wünschen.

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Jibril

Länge: 83 min

Kategorie: Drama, Romance

Start: 09.05.2019

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Jibril

Jibril

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 83 min
Kategorie: Drama, Romance
Start: 09.05.2019

Bewertung Film: (6/10)

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