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Was Männer wollen

Geschrieben von Peter Gutting am 9. März 2019

Was Männer wollen

Erst kürzlich beim Weltfrauentag konnte man es wieder überall lesen: Frauen werden noch immer schlechter bezahlt, Top-Positionen bleiben ihnen überwiegend verwehrt. Was also liegt näher, die Verhältnisse wenigstens in der Komödie mal so richtig auf den Kopf zu stellen. Frauen nehmen sich, was ihnen zusteht. Wer ihnen in die Quere kommt, wird kurzerhand aufs Kreuz gelegt, notfalls mit der magischen Kraft des Gedankenlesens. Regisseur Adam Shankman orientiert sich dabei an einem aktuellen Hollywoodtrend – Powerfrauen mit Superkräften. Aber nur in den ersten zwei Dritteln des Films.

Was Männer wollenDer Kamerablick auf den riesigen Konferenztisch spricht Bände. Überall nur Schlipse und Anzüge. Typisch machohaftes Getuschel, bevor der Boss wie ein Zampano hereinrauscht und mit irrwitzigem Alphamännchengehabe die neueste Beförderung bekanntgibt. Ali Davis (Taraji P. Henson), die einzige Frau im „Boys Club“ einer renommierten Sportmanagement-Agentur, macht sich berechtigte Hoffnungen, den begehrten Job eines „Partners“ zu bekommen. Ginge es nach den Zahlen, führte kein Weg an ihr vorbei. Aber die Jungs wollen unter sich bleiben, den Job bekommt schon wieder einer von ihnen. Alis angebliches Manko: „Sie können nicht mit Männern“, wirft ihr der Boss ins Gesicht. Die Agentin solle sich weiter um ihre Sportlerinnen kümmern. Für die wirklich lukrativen männlichen Sportstars sind andere zuständig.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Zuschauer bereits sein eigenes Bild von Ali gemacht. Hat mitgekriegt, wie sie ihre Anweisungen schon beim morgendlichen Fitnessprogramm ins Telefon bellt. Wie sie ihren Assistenten rumschubst. Wie sie Männern ungeniert auf Hintern und Oberarme schaut. Und wie sie beim Sex ausschließlich an sich denkt und danach sofort einschläft. Eine Frau, die derart dominant auftritt, soll die Regeln des Macho-Spiels nicht draufhaben? Soll nicht zurückschlagen können? Typisch männliche Arroganz, sie so zu unterschätzen. Zumal sie nach Drogencocktail und durchfeierter Nacht mit einer wundersamen Fähigkeit aufwacht. Sie kann innere Stimmen hören, geheime Gedanken lesen. Nein, nicht von allen Menschen. Nur von den testosterongesteuerten 50 Prozent.

Was Männer wollenDie Rache der nun mit Superkräften ausgestatteten Wonderwoman hat alle Voraussetzungen einer guten Komödie: hohes Tempo, knallige Sprüche und eine herrlich überdrehte Hauptdarstellerin, der man die 100 000-Volt-Spannung, unter der sie steht, jederzeit abnimmt. Zwar geraten die Gags manchmal ein wenig zotig, aber das tut der Urgewalt, die über einstürzende Männerbastionen hereinbricht, wenig Abbruch. Schließlich zählt der Kampf der Geschlechter zu den dankbarsten komödiantischen Filmstoffen. Und Loriots Diktum, dass Männer und Frauen einfach nicht zueinander passen, gewinnt eine ganz neue Brisanz, wenn die einen plötzlich die geheimen Gedanken der anderen lesen können.

Aus der anarchischen Kraft der Herrschaftsumkehr, die die beiden ersten Filmdrittel beherrscht, hätte „Was Männer wollen“ sich leicht ein feministisches Feelgoodmovie entwickeln lassen, wenn Produzenten und Regisseur nicht Angst vor der eigenen Courage bekommen hätten. Oder wenn sie sich nicht so eng am Kassenschlager „Was Frauen wollen“ von Nancy Meyers aus dem Jahr 2000 orientiert hätten. Adam Shankmans Film versteht sich nämlich als eine Art Fortsetzung der 19 Jahre alten Vorlage. Oder vielleicht sogar als Remake mit umgekehrten Vorzeichen. Ähnlich wie Ali handelt auch Vorgänger Nick, gespielt von Mel Gibson, aus Karrieremotiven. Nick bekam einen weiblichen Boss vorgesetzt, konnte Frauengedanken lesen und trickste seine Vorgesetzte aus, um an deren Job zu kommen. Aber dann bekam er Skrupel, wandelte sich vom Saulus zum Paulus. Ähnlich ergeht es Ali, sehr zum Nachteil ihrer Glaubwürdigkeit. Als hätten ihr patriarchalische Konterrevolutionäre eine Art Gegengift in den Champagner geträufelt, mutiert die Kämpferin zum Softie, bekommt moralinsaure Anfälle und entdeckt eine Art Weiblichkeit in sich, die den Frauen in Jahrhunderte langer Männerherrschaft als Lizenz zur Unterwürfigkeit gepredigt wurde.

„Was Männer wollen“ arbeitet mit einer der dankbarsten Prämissen der Komödie: dem ewigen Kampf der Geschlechter. Recht zeitgemäß kehrt die Fiktion die noch immer bestehenden Machtverhältnisse um, baut auf die vibrierende Energie von Hauptdarstellerin Taraji P. Henson. Aber anstatt die Fantasie weiblicher Allmacht weiter anzuheizen, verrät der Film sein komisches Potenzial an ein biederes, konservatives Weltbild.

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Copyright: Paramount

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Was Männer wollen

Länge: 117 min

Kategorie: Comedy, Fantasy, Romance

Start: 14.03.2019

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 117 min
Kategorie: Comedy, Fantasy, Romance
Start: 14.03.2019

Bewertung Film: (5/10)

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