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Der Fall Sarah & Saleem

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. März 2019

Der Fall Sarah & Saleem

Erst vor kurzem wurde uns in „Der Affront“ die Absurdität zwischen einem Israeli und einem Palästinenser vor Augen geführt, als ein illegal angebrachtes Abflussrohr und ein paar beleidigende Worte zu einem Gerichtsstreit führten, der schließlich auf politischer Ebene ausgetragen wurde. In dem Drama „Der Fall Sarah & Saleem“ ist es nun ganz ähnlich, denn was als Seitensprung begann, hat schon bald ernste politische Folgen.

Der Fall Sarah & SaleemDer Palästinenser Saleem (Adeeb Safadi) beliefert regelmäßig die unterschiedlichsten Cafés in Jerusalem, eines davon ist das der Israelin Sarah (Sivane Kretchner). Was mit ein paar herausfordernden Blicken und einem ausgegebenem Kaffee beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer ernsten Romanze, obwohl beide scheinbar glücklich verheiratet sind. Zumeist treffen sie sich des Abends im Transporter von Saleem, reden über Gott und die Welt, haben schnellen Sex, bis beide wieder nach Hause müssen. Eines Tages wagen beide mehr, begeben sich des Nachts in eine Bar, wo es allerdings mit einem anderen Mann zu einem handfesten Streit kommt.

Für beide ist dieser Abend schnell abgehakt, doch plötzlich wird Saleem von der Polizei verhaftet und verhört. Was hat es mit besagter Frau auf sich? Wer war diese und was machte er des nachts in dieser Bar? Erste Fragen kann Saleem durch geschickte Lügen beantworten, doch schon bald ergeben sich daraus weitere Wiedersprüche. Es dauert nicht lange und Sarah ist identifiziert, doch was für andere ein ganz normaler Seitensprung ist, ist zwischen einem Israeli und einem Palästinenser auf politischer Ebene eine Form von Geheimnisverrat.

Der Fall Sarah & SaleemFür uns Westeuropäer ist ein Seitensprung keine große Sache. Selbiger ist schlimm, in einer Ehe absolut falsch und dennoch ergeben sich daraus selten weitreichende Konsequenzen, sieht man einmal von einer drohenden Scheidung ab. Im Mittleren Osten ist dies alles anders, insbesondere wenn es sich um zwei verheiratete Menschen dreht, die dann auch noch israelischer und palästinensischer Abstammung sind. Regisseur Muayad Alayan (Sacred Stones) verfilmte die Geschichte seines Bruders Rami Musa Alayan (Al-hob wa al-sariqa wa mashakel ukhra), was bei einer Länge von rund 130 Minuten vor allem sehr viel Geduld auf Seiten des Zuschauers erfordert.

Konzipiert als ganz normales Drama, lässt sich Muayad Alayan ungemein viel Zeit bei der Einführung seines Filmes. Uns werden zahlreiche Figuren vorgestellt, die Beziehung zueinander wird nur langsam klar und dennoch schwebt stets etwas bedrohliches am Horizont, dass man nicht in Worte fassen kann. Es handelt sich um eine Affäre zweier verheirateter Menschen, doch was soll daran eigentlich so verwerflich sein? Eben diese Frage wird in einer Nacht in Bethlehem beantwortet, bei der sich Sarah als ausländische Touristin ausgeben und daher ausschließlich Englisch sprechen soll. Es kommt wie es kommen musste, denn während Saleem durch ein Telefonat mit seiner Frau abgelenkt ist, wird Sarah von anderen Männern angesprochen, woraufhin es schließlich zum Streit kommt und beide Hals über Kopf verschwinden.

Der Fall Sarah & SaleemAn dieser Stelle kann man sich grob ausmalen welches Konfliktpotential in dieser Nacht bestanden haben könnte, denn das sich ein Israeli und ein Palästinenser treffen, ist alles andere als normal. Was daraus aber wiederrum entsteht, ist ein Problem ohne Ende, denn wo Saleem offen angezeigt wird, verwickelt sich dieser auch bald in zahlreiche Wiedersprüche. Schon bald droht es ins Gefängnis zu kommen, wo ihn nicht nur seine schwangere Frau nicht besuchen kann, sondern Sarah auch jedwede Schuld von sich abzustreiten versucht. Ein Israeli und ein Palästinenser, wer versuchte jetzt eigentlich wen auszuspionieren?

Was auf der einen Seite eine belanglose Romanze ist, ist auf der anderen ein ernster Konflikt auf politischer Bühne, woraufhin Themen wie Polizeigewalt, Razzien und kulturelle Aspekte im Schnelldurchgang angesprochen werden. Ganz ohne Frage ein guter und gleichwohl sehr fordernder Film, bei dem ein wenig Hintergrundwissen zum Konflikt im mittleren Osten durchaus angebracht ist.

Mit „Der Fall Sarah & Saleem“ präsentiert Regisseur Muayad Alayan ein sehr komplexes Drama, bei dem vor allem Wertvorstellungen von Westeuropäern gnadenlos über den Haufen geworfen werden. Ein sehr fordernder Film, der insbesondere hinsichtlich seiner Botschaft sehr zu empfehlen ist.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

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Der Fall Sarah & Saleem

Länge: 127 min

Kategorie: Crime, Drama, Romance

Start: 14.03.2019

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Info

Der Fall Sarah & Saleem

Der Fall Sarah & Saleem

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 127 min
Kategorie: Crime, Drama, Romance
Start: 14.03.2019

Bewertung Film: (7,5/10)

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