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Beautiful Boy

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Januar 2019

Beautiful Boy

Über die Unwägbarkeiten der Drogenabhängigkeit berichtete zuletzt Peter Hedges in seinem wunderbaren Drama „Ben is Back“. Mit „Beautiful Boy“ kommt nun ein ganz ähnlicher Film in unsere Kinos, der sich allerdings von einer ganz anderen Seite dem Thema annähert. Berührend und wunderbar gespielt zugleich, ohne jedoch eine Antwort auf eine der schwersten Fragen der heutigen Zeit parat zu haben.

Beautiful BoyDavid Sheff (Steve Carell) und seine Frau Vicky (Amy Ryan) haben beide einen guten Job, sind wohlhabend und bieten ihren Kindern ein liebevolles zuhause. Sohn Nic (Timothée Chalamet) ist in einem wunderschönen Haus im grünen aufgewachsen, hatte alles was er sich nur wünschte, gleichzeitig ein leichtes Leben in der Schule, sind ihm gute Noten doch quasi in den Schoß gefallen.

Dennoch hat Nic ein großes Problem, denn er rutschte irgendwie in die Drogensucht ab. Egal ob Hasch, Kokain oder Crystal-Meth, er hat alles bereits durch. Für seine Eltern wird dies zunehmend zur Belastung, denn neben diversen Klinikaufenthalten, Selbsthilfegruppen und jeder Menge Lügen ihres Sohnes, leidet vor allem das eigene Leben bald darunter. Insbesondere David macht sich immer mehr Vorwürfe und fragt sich schon bald, an welcher Stelle bei der Erziehung von Nic Fehler begangen wurden.

Beautiful BoyDer belgische Regisseur Felix van Groeningen konnte sich vor sieben Jahren mit seinem Film „The Broken Circle“ auch auf internationaler Bühne einen Namen machen. Mit „Beautiful Boy“ präsentiert er nun seinen ersten englischsprachigen Film, der wiederrum auf den beiden autobiografischen Büchern von David Sheff und seinem Sohn Nic beruht, die jeder für sich aus ihrem jeweiligen Blickwinkel über den Umgang mit der Drogensucht berichteten.

Da Felix van Groeningen gleich zwei Bücher adaptierte, wechselt er in seiner Erzählung nicht nur stets den Blickwinkel, sondern vor allem auch die Zeitebenen, wodurch „Beautiful Boy“ insbesondere in den ersten 20 Minuten an eine Achterbahnfahrt erinnert. Hat man dies erst einmal überstanden, findet man sich schon bald in den verschiedensten Zeitebenen zurecht, die mit jedem weiteren Puzzleteil mehr an Bedeutung gewinnen. Wie konnte es zur Drogenabhängigkeit kommen? Wer hat Fehler gemacht und wie geht man damit am besten um?

Beautiful BoyDies sind die elementaren Fragen die Felix van Groeningen zu beantworten versucht, wenn er uns am Leben von Nic teilhaben lässt, eben diese Geschichte aber auch aus zwei völlig anderen Blickwinkeln erzählt. Für Nic war das Leben stets einfach, er hatte alles was er wollte, gleichwohl deutete sich bereits früh an, dass er eventuell an Depressionen leiden könnte. Er hörte viel Grunge, las Bücher von Charles Bukowski und schrieb seine Gefühle in einer Art Tagebuch nieder, was mit Zeichnungen zusätzlich verdeutlicht wurde. In einer prägenden Sequenz sieht man David in besagtem Buch blättern, die Gedanken seines Sohnes lesen, gleichwohl ungläubig die Zeichnungen studieren, die den seelischen Verfall und die Drogensucht verdeutlichen.

Es ist vor allem die Figur des David die wunderbar herausgearbeitet wurde, denn als freier Autor für eine Vielzahl von Tageszeitungen versucht er seinen Sohn und seine Sucht zu verstehen. Er konsultiert einen Arzt der das Gefühl und die Abhängigkeit von Drogen zu erklären versucht, er gibt einem Junkie Essen um etwas über Crystal-Meth zu erfahren, gleichwohl muss er den Zerfall seiner eigenen Familie mit ansehen, raubt ihm das kaputte Leben seines Sohnes doch jedweden Schlaf, worunter wiederrum die Beziehung zu seiner Frau und den beiden anderen Kindern leidet.

Obwohl Steve Carell (Anchorman – Die Legende kehrt zurück) vornehmlich aus Komödien bekannt ist, meistert er die Rolle als überforderter Vater doch mit Bravour. Egal ob es die fast schon übermäßig vielen Anrufe bei seinem Sohn sind, die Suche des Nachts mit dem Auto oder gar das Reisen zwischen den Großstädten, er vermittelt stets glaubhaft die Liebe, Zuneigung und Wunsch seinem Sohn in dieser Lage zu helfen, auch wenn dies wiederholt mit Lügen bestraft wird. Ganz anders sieht dies bei Timothée Chalamet (Lady Bird) aus, der den drogenabhängigen Nic verkörpert. Grade von ihm hätte man ein wenig mehr erwartet, denn ob er nun unter Drogen steht oder einfach nur fröhlich ist, ist oft kaum zu erkennen. Ein differenziertes Spiel seiner Gefühlswelt wäre wünschenswert gewesen, was aber auch durchaus Regisseur Felix van Groeningen anzulasten ist.

Mit „Beautiful Boy“ präsentiert der belgische Regisseur Felix van Groeningen einen interessanten und vor allem wichtigen Film über den familiären Umgang mit der Drogensucht. Wunderbar gespielt von Steve Carell und mit Taschentuchgarantie am Ende. Durchaus einen Blick wert.

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Beautiful Boy

Länge: 120 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 24.01.2019

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 24.01.2019

Bewertung Film: (7/10)

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