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Egal was kommt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Dezember 2018

Egal was kommt

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Bedürfnisse der Menschen grundlegend verändert, denn wo früher noch Arbeit und Familie im Vordergrund standen, wünschen sich heutzutage viele die Welt zu erkunden. Zumeist wird dafür das sog. Sabbatical in Anspruch genommen, bei dem man vom Job freigestellt wird, um einem lang gehegten Traum nachgehen zu können. Für Christian Vogel bedeutete dieser Traum einmal die Welt mit dem Motorrad zu umrunden, was er in einer entsprechenden Dokumentation festgehalten hat.

Egal was kommtDer gelernte Fernsehjournalist Christian Vogel war bereits auf mehreren Kontinenten gewesen, erlebte dort vieles und dennoch wollte er einfach mehr. Er fasste den Entschluss die Welt auf seinem Motorrad zu umrunden, er kündigte Job und Wohnung, nahm Abschied von Freundin Miriam und trat eine Reise an, die er wohl niemals in seinem Leben vergessen wird. Alles beginnt mit einem Crashkurs in der Werkstatt eines Freundes fürs Reifen wechseln, er lernt bei einem Arzt die grundlegenden Kniffe für Erste Hilfe, was nun folgt sind 300 Kilo, denn das wiegt seine Maschine inklusive Ausrüstung.

Seine Reise beginnt im Jahre 2015, dauert mehr als 300 Tage an und wird festgehalten von allerhand Kameras an seinem Motorrad, die insgesamt mehr als 600 Stunden Material aufnehmen werden. Die Reise führt durch die USA, Kanada und Alaska, wo er auf gleichgesinnte Abenteurer trifft, im Zelt übernachtet und neue Freunde findet. Für jeden Monat stehen ihm nicht einmal tausend Euro zur Verfügung, große Sprünge sind damit nicht zu machen. Während der Zuschauer sich in den ersten 30 Minuten von den atemberaubenden Bildern tragen lässt, hört man unseren Protagonisten spätestens in der Mongolei laut fluchen. Mit der Maschine steckt er im sandigen Untergrund fest, jeder der bereits selber einmal auf einem solchen Gerät gesessen hat, wird nun sprichwörtlich mitfühlen können, wie schwer es ist 300 Kilogramm wieder aufzurichten.

Egal was kommtTrotz aller Unwägbarkeiten geht es aber immer wieder vorwärts, von Rückschlägen lässt sich Christian Vogel nicht entmutigen, gleichwohl zieht er immer wieder selbstkritisch ein Resümee, wie dumm und kurzsichtig er an manche Dinge herangegangen ist. Von kultureller Seite erfährt man leider sehr wenig, denn wo er kurz von einem Aufpasser während der Durchreise in China berichtet, bleiben viele länderspezifische Details eher im Verborgenen. Mit seinem Unfall in Indien erreicht „Egal was kommt“ einen punktuellen Tiefpunkt der Reise, was weniger am Material liegt, als vielmehr dem Umstand geschuldet ist, dass Vogel mehrere Wochen benötigt, um aus Deutschland Ersatzteile einfliegen zu lassen.

An seiner Seite sind über Skype stets seine Eltern und seine Freundin Miriam, wodurch „Egal was kommt“ ein Stück weit echt authentisch wirkt, wenn beispielsweise über Sehnsucht und Angst gesprochen wird, können sie ihren Sohn und Freund doch zuweilen tagelang nicht erreichen, weil dieser kein Satellitentelefon besitzt. In Momenten wie diesen kann man förmlich mitfühlen wie es ist eine längere Zeit vom Partner getrennt zu sein, gleichwohl ist die Erleichterung umso größer, wenn sich beide am Flughafen in Indien in den Armen liegen.

Egal was kommtTrotz dieser interessanten Aspekte und den wunderschönen Bildern, ist „Egal was kommt“ zuweilen absolut überfrachtet. 600 Stunden Bildmaterial wurden auf 121 Minuten geschnitten. Für den Zuschauer viel zu viel um auch nur annähernd am Thema bleiben zu können, auf der anderen Seite viel zu wenig, um etwas über Land und Kultur zu erfahren, die Christian Vogel durchquert hat. Ein weiterer Kritikpunkt ist leider der übertriebene Einsatz von Musik, wodurch der Zuschauer leider nie zur Ruhe kommt. Insbesondere im letzten Drittel wird der musikalische Einsatz stark übertrieben, wenn emotionale Szenen noch zusätzlich verstärkt werden, was die Dokumentation in dieser Form gar nicht nötig gehabt hätte.

Sieht man von diesem negativen Aspekt einmal ab, bleibt die Erkenntnis das es immer irgendwie weiter geht, dass es überall auf der Welt freundliche Menschen gibt, die einem helfen und das man alles dafür tun sollte, um seinen lang gehegten Traum zu leben.

Christian Vogel lebt seinen Traum und umrundet mit seinem Motorrad einmal unseren Planeten. Mit „Egal was kommt“ präsentiert er nun eine sehr persönliche Dokumentation, die nicht nur mit wunderschönen Bildern, sondern auch mit echter Authentizität punkten kann.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Busch Media Group

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Egal was kommt

Länge: 121 min

Kategorie: Documentary

Start: 07.12.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

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Kategorie: Documentary
Start: 07.12.2018

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