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Die Erscheinung

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Dezember 2018

Die Erscheinung

Wenn es um ungewöhnliche Dinge rund um die Kirche und dem Glauben geht, sind Vertreter des Vatikans meist schnell zur Stelle. Oft geht es um Aufklärungsarbeit, um Wahrheitsfindung und nicht zuletzt um eine offizielle Anerkennung der ungewöhnlichen Ereignisse, was wiederrum andere Folgen hat. In dem neusten Drama des Franzosen Xavier Giannoli soll genau dies Thema sein, dreht sich doch alles fast zweieinhalb Stunden lang rund um eine mysteriöse Maria-Erscheinung.

Die ErscheinungDer investigative Journalist Jacques Mayano (Vincent Lindon) ist grade erst von einem Einsatz in einem Kriegsgebiet wiedergekommen, da bekommt er auch schon einen Anruf aus dem Vatikan. Ein Vertreter des Papstes möchte Jacques gern kennenlernen und ihm einen Auftrag anbieten, worum es genau geht, wird nicht verraten. Für Jacques eine nicht ganz einfache Situation, denn wo er grade erst einen nahen Kollegen verloren hat und noch immer mit seiner Trauer und den Folgen von dessen Todesumständen ringt, bietet sich ihm hier eine ungewöhnliche Chance.

Kurzerhand fliegt er schließlich nach Rom, trifft sich mit besagtem Vertreter der Kirche und erfährt vor Ort von einer kürzlich stattgefundenen Maria-Erscheinung in einem kleinen französischen Dorf. Dort soll der 18-jährigen Anna (Galatea Bellugi) nämlich die Jungfrau Maria erschienen sein, was sogleich tausende Pilger angelockt hat. An Jacques liegt es nun die Wahrheit hinter der Geschichte herauszufinden, was alles andere als einfach ist.

Die ErscheinungIn seinem letzten Film beschäftigte sich Xavier Giannoli (Superstar) mit Marguerite Dumont und ihrem Wunsch endlich einmal vor Publikum Opernarien singen zu dürfen, nun verschlägt es ihn für eine kleine Krimi-Geschichte in ein verschlafenes Dorf hoch oben in den Bergen, wo sich alles um eine angebliche Erscheinung der Jungfrau Maria drehen soll. Hierzulande fand der Film kaum Beachtung, was zum einen dem Thema geschuldet sein könnte, zum anderen aber auch dem zaghaften Einsatz von diversen Marketingmöglichkeiten.

Unterteilt in sechs Kapitel dreht sich alles um Jacques Mayano und seiner Suche nach Wahrheit, wenn er erst zusammen mit Vertretern der Kirche die 18-jährige Anna interviewt, sich in den späteren Kapiteln aber vor allem mit deren Vergangenheit auseinanderzusetzen versucht. Es ist eine Reise in frühere Jahre, wo es nicht nur um Anna und ihre Pflegefamilien geht, sondern vor allem auch um die Frage, ob dies alles eine Lüge sein könnte. Obwohl man „Die Erscheinung“ durchaus auch als Thriller hätte anlegen können, nimmt sich Xavier Giannoli sehr viel Zeit für seine ruhige Erzählweise.

Die ErscheinungGenau diese Ruhe ist eine der Stärken der Inszenierung, wenn man mit sehr viel Geduld einzelne Spuren verfolgt, unterschwellig aber immer wieder mit Details der Kirche konfrontiert wird. So erfährt man durch den Untersuchungsausschuss beispielsweise, dass es noch immer ausgebildete Exorzisten gibt, was im ersten Moment verstörend wirkt, dann aber wieder fallengelassen wird. Weniger rücksichtsvoll geht man allerdings mit der finanziellen Seite der Kirche und ihrem Glauben um, denn wo Anna offen vermarktet wird, fällt ebenso in einer Szene ein kleiner Kommentar, dass die Kirche selbst unbestätigte Erscheinungen duldet, bindet man damit doch Gläubige an sich und kann entsprechende Einnahmen generieren.

So interessant sich die Suche nach der Wahrheit aber auch anfühlt, spätestens im letzten Drittel verspielt Xavier Giannoli nahezu alles, was er sich vormals so mühevoll aufgebaut hat. Plötzlich geht es nur noch um das Verbinden loser Enden, eine Lösung wird förmlich erzwungen, was sich insbesondere in der Figur von Jacques wiederspiegelt. Selbige war vorher nämlich nahezu eindimensional und kaum zu fassen, woraufhin diese am Ende plötzlich eine Veränderung durchlebt, die absolut unglaubhaft ist.

Was neben diesem ungeschickten Finale bleibt, ist vor allem eine überzeugende Hauptdarstellerin, denn der jungen Galatea Bellugi (Die Lebenden reparieren) nimmt man jederzeit ihre Unschuld und vor allem ihren Glauben ab. Mit ihrem dünnen äußeren nimmt sie den Zuschauer sprichwörtlich gefangen, wenn sie in kurzen Sätzen von vergangenem berichtet und alles dafür tun würde, um die Kommission in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Eine sehr unscheinbare Darbietung, die dafür umso stärker in Erinnerung verbleibt.

Mit „Die Erscheinung“ versucht Xavier Giannoli ein spannendes Drama – rund um eine Maria-Erscheinung – dem Publikum zu präsentieren, was leider nur im Ansatz wirklich funktioniert. Während dieser nämlich auf eine überzeugende Galatea Bellugi zurückgreifen kann, mutet er dem Zuschauer im letzten Drittel leider zu viele unglaubhafte Veränderungen zu.

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Die Erscheinung

Länge: 144 min

Kategorie: Drama

Start: 13.12.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 144 min
Kategorie: Drama
Start: 13.12.2018

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