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Ben Is Back

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Dezember 2018

Ben Is Back

In letzter Zeit erfreuen sich Dramen rund um die Abhängigkeit von Drogen einer großen Beliebtheit, doch ist der Aufbau zumeist gleich. Wir werden mit einer dunklen Ecke konfrontiert, mit einer aus dem Arm herausragenden Spritze, glasigen Augen und Erbrochenem. Zum Glück hebt sich Peter Hedges Drama „Ben Is Back“ von der breiten Masse ab, denn hier wird der Zuschauer nicht nur mit zwei herausragenden Darstellern konfrontiert, sondern auch mit heftiger Kritik am amerikanischen Gesundheitssystem und dem Verschreiben von Arzneimitteln.

Ben Is BackEigentlich sollte es für die fünfköpfige Familie Burns ein ganz normales Weihnachtsfest werden, doch plötzlich steht der 19-jährige Ben (Lucas Hedges) vor der Tür. Während sich seine Mutter Holly (Julia Roberts) überschwänglich freut ihn zu sehen, ist seine Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) mehr als nur skeptisch. Ben wohnt nämlich eigentlich in einer Einrichtung für betreutes Wohnen, denn Ben ist Drogensüchtig. Während Holly schon damit beginnt die Tabletten aus dem Badezimmerschrank zu räumen und ihren Schmuck zu verstecken, freut sich Ben seine beiden jüngeren Brüder wiederzusehen.

Man könnte meinen der Familie ginge es gut, doch keiner mag Ben wirklich glauben, dass er von seiner Sucht losgekommen ist. Holly verspricht ihn in den kommenden 24 Stunden nicht aus den Augen zu lassen, woraufhin Ben schon bald mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Die ersten aus der Stadt erkennen den ehemaligen Dealer wieder, woraufhin kurze Zeit später auch noch der Hund entführt wird. Plötzlich finden sich Mutter und Sohn des Nachts gemeinsam im Auto wieder, um den Hund zu suchen und die gemeinsame Vergangenheit ein Stück weit aufzuarbeiten.

Ben Is BackDie letzte Regiearbeit von Peter Hedges (Das wundersame Leben von Timothy Green) liegt bereits sechs Jahre zurück, das er nun zusammen mit seinem Sohn Lucas dreht, ist eine mutige, aber auch eine nachvollziehbare Entscheidung, konnte dieser doch im letzten Jahr in „Manchester By The Sea“ Publikum und Kritiker gleichermaßen überzeugen. In „Ben Is Back“ dreht sich nun alles um den drogensüchtigen 19-jährigen Ben, was erst einmal nach sehr vielen Klischees klingt, insgesamt aber eine sehr persönliche Angelegenheit geworden ist. Hedges wurde nämlich im eigenen Umfeld mit eben diesem Thema konfrontiert, woraufhin er kurzerhand ein entsprechendes Drehbuch schrieb.

Mit 103 Minuten ist „Ben Is Back“ vergleichsweise kurz gehalten, dennoch geht es in dem Film, den man zweigeteilt betrachten sollte, zuweilen drunter und drüber. Am Anfang ist alles noch ganz ruhig, wenn Ben plötzlich vor der Haustür steht, seine Mutter und seine jüngeren Brüder sich freuen, seine Schwester Ivy und sein Stiefvater Neal aber irgendwie seltsam distanziert wirken. Als Zuschauer merkt man sofort das hier etwas nicht stimmt, was Ben allerdings in der Vergangenheit alles gemacht hat, wird erst später thematisiert werden.

Ben Is BackBen hat gestohlen, die Familie belogen, Drogen genommen und diese sogar verkauft, was bei allerhand Personen im näheren Umfeld negativ in Erinnerung geblieben ist. Im Kaufhaus gibt es seltsame Blicke, die ehemals beste Freundin von Holly ist noch immer sauer und selbst ein kurzes Treffen mit Bens ehemaligen Arzt ist seltsam frostig, was durch einen unglaublichen Monolog von Julia Roberts (Pretty Woman) auch noch auf die Spitze getrieben wird. An dieser Stelle weiß der Zuschauer bereits einiges über seine Figuren, in der zweiten Hälfte des Films soll dies allerdings noch einmal getoppt werden.

Nun geht es nämlich um eine Hundeentführung, um vergangene Taten von Ben und natürlich um die Frage, wie er seinen Hund von eben jenem unberechenbaren Dealer wiederbekommen kann, den er noch immer Geld schuldet. Es beginnt eine seltsame Mutter-Sohn-Geschichte bei einer Autofahrt des Nachts, wo sie nicht nur unglaubliches über ihn erfährt, sondern auch akzeptieren muss, dass er damals fast alles getan hat, um an einen Schuss zu kommen. An dieser Stelle beginnt „Ben Is Back“ für den einen oder anderen Zuschauer harter Tobak zu werden, denn wo andere Dramen oft nur an der Oberfläche kratzen, geht es hier ums Eingemachte. Prostitution, Diebstahl, Obdachlose die im Winter auf der Straße erfrieren und nicht zuletzt um den Wunsch clean zu bleiben, was manchmal einfacher gesagt ist als getan.

Darüber hinaus besitzt „Ben Is Back“ aber auch eine politische Seite, denn wo in Amerika die Zahl der Drogentote und der Abhängigen Jahr für Jahr steigt, wird hier offen dem Gesundheitssystem und den Ärzten die Schuld gegeben, die selbst bei kleinsten Verletzungen Medikamente verschreiben, die unglaublich einfach in die Abhängigkeit von Schmerzmitteln führen. Eben dieser leichte Unterton ist den ganzen Film über zu vernehmen, wodurch die Botschaft und die Intension von Peter Hedges klar zu verstehen ist.

Sieht man von der politischen Seite des Films einmal so, so hat „Ben Is Back“ gleich zwei sehenswerte Hauptdarsteller. Auf der einen Seite Julia Roberts in einer wirklich beeindruckenden Rolle als mitfühlende Mutter, auf der anderen der junge Lucas Hedges, der erneut eine unglaubliche Performance abliefern konnte.

Mit „Ben Is Back“ präsentiert Peter Hedges ein unglaublich berührendes Drama, das nicht nur zwei herausragende Darsteller hat, sondern ebenso eine brandaktuelle Botschaft. Sehr zu empfehlen.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Tobis

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Ben Is Back

Länge: 103 min

Kategorie: Drama

Start: 10.01.2019

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Ben Is Back

Ben Is Back

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 103 min
Kategorie: Drama
Start: 10.01.2019

Bewertung Film: (8/10)

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