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Juliet, Naked

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 6. November 2018

Juliet, Naked

In jungen Jahren passiert es schnell das man eine aufstrebende Person anhimmelt, zu dessen Konzerten geht und jedes noch so unbedeutende Detail von dieser aufheben muss. Obwohl sich das wenige Jahre später schnell wieder gibt, stellt sich leider allzu oft die Frage, ob dies noch das Agieren eines Fans ist oder ob es sich schon längst zur Obsession gesteigert hat. Regisseur Jesse Peretz gibt darauf in seiner Komödie „Juliet, Naked“ einige Antworten, verfilmt er doch den gleichnamigen Roman von Nick Hornby.

Juliet, NakedDer Mittdreißiger Duncan (Chris O’Dowd) scheint in seinem Leben irgendwo falsch abgebogen zu sein, denn wo ihm das Unterrichten alles andere als ausfüllt, scheint er die Beziehung zu seiner Freundin Annie (Rose Byrne) auch nicht unbedingt ernst zu nehmen. Stattdessen zieht er sich des Abends in sein Zimmer zurück, hört die CD des Musikers Tucker Crowe (Ethan Hawke), der im Grunde in Form von Tour-Plakaten und Bildern überall auf den Wänden verewigt ist. Besagter Musiker galt in den 1990er Jahren als aufstrebender Star, verschwand dann aber über Nacht und wurde nie mehr gesehen.

Eines Tages erhält Annie ein Päckchen von eben diesem Musiker, in dem sich ein unverfälschtes Demo-Tape seiner ersten CD befindet. Während Duncan in seinem Blog sogleich in den höchsten Tönen davon spricht, schreibt Annie eine vernichtende Kritik. Durch eben diesen Verriss erhält sie eine E-Mail von Tucker Crowe, der das nicht nur genauso sieht, sondern von den wilden Fan-Theorien auch langsam nichts mehr hören kann. Schon bald entwickelt sich zwischen beiden eine echte Brief (E-Mail)-Freundschaft, die durch einen Besuch Tuckers auf die Spitze getrieben wird.

Juliet, NakedNick Hornby scheint ein Faible für ungewöhnliche Dreiecksbeziehungen zu haben, denn nachdem wir von ihm zuletzt „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“ gesehen haben, in dem sich eine Frau zwischen zwei gänzlich unterschiedlichen Männern entscheiden musste, bekommen wir es in „Juliet, Naked“ mit einer ganz ähnlichen Konstellation zu tun. Basierend auf Hornbys Roman aus dem Jahre 2009 erschaffen die Autoren Evgenia Peretz, Jim Taylor und Tamara Jenkins eine kleine aber feine Independent Komödie, die nicht nur mit ihrem Humor, sondern vor allem mit ihren grandiosen Figuren zu gefallen vermag.

Regisseur Jesse Peretz (Girls) setzt dabei vor allem auf drei grundverschiedene Individuen, denn während Duncan bei seinem Musiker in den 1990er Jahren steckengeblieben ist, kann Annie davon echt nichts mehr hören. Sie hat es allerdings ähnlich schlecht getroffen, denn anstatt einem eigenen Leben in der Großstadt nachzugehen, wo sie ihre Träume verwirklichen kann, ist sie in einem kleinen Dorf in Großbritannien gefangen, wo sie das Museum ihres Vaters übernommen hat. Nicht viel anders gestaltet sich aber auch das Leben von Tucker Crowe, der in seinen E-Mails viel Verständnis und Charme versprüht, seit seiner ersten CD aber nichts mehr geleistet hat. Stattdessen wohnt er nun in der Garage seiner Ex-Frau, kümmert sich um seinen Sohn, während er gar nicht hinterher kommt, wo auf der Welt er weitere Kinder von weiteren Frauen hat.

Juliet, NakedNatürlich wird dies alles erst bei einem Aufeinandertreffen so richtig grotesk, wenn Duncan beinahe sabbernd und mit Tränen in den Augen seinem Idol gegenüber steht und Tucker ihm daraufhin direkt den Wind aus den Segeln nimmt, wenn er diverse Fantheorien von ihm zerreißt. Das sind zweifelsohne die wirklich große Momente von „Juliet, Naked“, wenn die Figuren ihre Eigenheiten ausspielen und dies beinahe unterschwellig in wirklich witzigen Szenen gipfelt.

Dies alles ist oft unterlegt mit Songs des vermeintlich berühmten Musikers, welche sich von der grauen Kulisse Großbritanniens hervorragend abheben und somit für einen gelungenen Kontrast sorgen. Ganz ähnlich gelungen gestaltet sich aber auch die Auswahl der Darsteller, denn während Rose Byrne (Insidious: The Last Key) die gelangweilte Freundin gekonnt verkörpert, die irgendwo im Leben stehen geblieben ist, geht Chris O’Dowd (Brautalarm) in seiner Rolle als Fan des Künstlers vollkommen auf. Einzig und allein Ethan Hawke (Before Sunset) scheint dies alles mit sehr viel Gelassenheit zur Kenntnis zu nehmen, was keinesfalls negativ ist, aber am ehesten mit seiner zurückhaltenden und beobachtenden Rolle zu erklären ist.

Mit der gleichnamigen Adaption des Romans von Nick Hornby erschafft Regisseur Jesse Peretz eine kleine aber feine Komödie über ausufernde Fankulturen und falschen Entscheidungen im Leben.

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Copyright: Prokino

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Juliet, Naked

Länge: 97 min

Kategorie: Comedy , Drama , Music

Start: 08.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Juliet, Naked

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 97 min
Kategorie: Comedy , Drama , Music
Start: 08.11.2018

Bewertung Film: (7/10)

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