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Anna und die Apokalypse

Geschrieben von Peter Gutting am 9. November 2018

Anna und die Apokalypse

Bei manchen Filmen drängt sich eine spekulative Fantasie über die Vorproduktion unweigerlich auf: Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten setzen sich zusammen und schließen eine Wette ab. Wetten, dass wir da auch noch eine Romanze unterbringen? Und jede Menge Humor? Aber auch eine Prise Horror? Gewonnen hat, wer die meisten Genres in eins mixt. Den vorläufigen Weltmeistertitel in dieser Disziplin könnte sich der zweite Langfilm des schottischen Regisseurs John McPhail sichern. Zombie-Weihnachts-Musical, hat man so was schon gehört?

Anna und die ApokalypseDer Tag kurz vor Heiligabend gehört zu jenen, die Anna (Ella Hunt) am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Nicht, weil sie noch Geschenke kaufen müsste oder weil der tyrannische Schuldirektor wieder mal nervt. Nein, ihr bester Freund John (Malcom Cumming) hat sich verplappert, als Annas Vater (Mark Benton) die beiden zur Schule fährt. Ja, Anna arbeitet gerade deshalb so viel, weil sie nach dem High-School-Abschluss erstmal eine Weltreise machen will. Und nein, sie will vorerst nicht die Uni-Karriere einschlagen, die sich ihr Alleinerzieher so sehr für die geliebte Tochter, die es einmal besser haben soll, gewünscht hat. Aus die Maus für das hohe Fest der Familie.

Aber was soll’s, der Tag geht irgendwie rum und am nächsten Morgen atmet Anna schon wieder den Duft der bevorstehenden Freiheit. Singend und tanzend startet sie in den letzten Schultag vor Weihnachten. Über die Leichen in den Straßen, die brennenden Häuser und die grässlich verstümmelten Menschen sieht sie einfach hinweg. So wie sie auch nicht hingehört hatte, als das Radio vor einem Virus warnte, der Menschen in Zombies verwandelt. Kurzum: Es ist Weihnachten und keiner geht hin. Denn die Zombies sind los, der Weltuntergang naht. Für Anna und ihre Freunde hält sich der Schrecken vorerst in Grenzen: „Mach‘s wie im Film“, sagt einer aus der Clique, „schlag‘ ihnen den Schädel ein“. Das tun sie dann auch, singend und tanzend, mit einer riesigen Zuckerstange bewaffnet.

Anna und die ApokalypseUm die Frage nach dem Genremix zu beantworten, wählt man am besten das Ausschlussverfahren. Um einen Western handelt es sich schon mal nicht, dafür laufen in der schottischen Kleinstadt Little Haven einfach zu wenig Indianer rum. Und nach Film noir sieht es auch nicht aus, Detektive mit Schlapphut jagen nun mal keine Zombies. Auch den Sandalenfilm kann man ausschließen, dafür ist es definitiv zu kalt. Aber so ziemlich alles andere lässt sich finden: Komödie, Tragödie, Romanze, Musical, Familiendrama, Coming-of Age und natürlich Horror, Splatter, Trash mit eimerweisem Kunstblut.

Es ist wie einst im Chemiesaal: Der Lehrer mixt irgendwelche Sachen zusammen. Manche zünden und leuchten, andere verpuffen bloß. Immer wieder funkeln die Tanzszenen, glänzen eingängige Songs. Ab und an sprüht der Humor. Aber manchmal dümpelt alles schlapp vor sich hin, drehen sich die Zombieschlachten in der Endlosschleife. Ganz sicher sind die Sänger-Schauspieler(innen) mit Verve und Spielfreude bei der Sache, das knappe Budget befördert offensichtlich die Kreativität. Einmal etwas ganz Verrücktes, nie Dagewesenes zu machen, diese Lust ist überall zu spüren.

Anna und die ApokalypseAber zusammengehalten wird die eher zähe Mixtur nur von einer konventionellen Abenteuer-Dramaturgie. Und von erstaunlich ernsten und offensichtlich ernstgemeinten Szenen, in denen die Macher des Films dem eigenen Feelgood-Anspruch nicht mehr zu trauen scheinen. So gibt es unpassend rührselige Abschiede von jenen, die gebissen wurden und ins Reich der Zombies abdriften. Und auch der klassische Ausreißertraum des Teenie-Genres wird viel ernster genommen, als es die sonst vorherrschende Parodie auf alles und jedes verträgt.

Sicher ist es nicht verboten, die Zombies als Metaphern zu nehmen für das hirnlose Vorweihnachtstreiben, für das seelenlose Geistern durch die Konsumtempel, getrieben von nichts als der Jagd auf wehrlose Verkäuferinnen und Verkäufer. Aber das täte dem Film mehr Ehre, als er selbst beansprucht. Über die Stränge schlagen, Tabus brechen und das Santa-Gesäusel auf die Schippe nehmen – mehr will die Wundertüte an Einfällen und Anspielungen gar nicht. Immerhin ließe sich zumindest aus der Santa-Parodie ein Mehrwert schlagen: für gute eineinhalb Stunden dem Harmonie-Gesäusel entkommen und sich an abgefackelten Christbäumen, blutspritzenden Schneemännern und lüsternen Nikoläusen erfreuen. Nicht umsonst startet der Film am 6. Dezember. Spätestens dann steuert der alljährliche Konsumwahn seinem Höhepunkt zu.

„Anna und die Apokalypse“ ist ein Genremix, der die Horror-Musical-Idee toppen will und auch noch den Anti-Weihnachtsfilm ins winterliche Kinoangebot mischt. Das mag für alle stressgeplagten Geschenkejäger eine willkommene Auszeit im alle Jahre wiederkehrenden Trubel bedeuten. Eine durchgängige witzige oder gar hintersinnige Komödie wird daraus aber nicht.

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Copyright: Splendid Film GmbH

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Anna und die Apokalypse

Länge: 92 min

Kategorie: Comedy , Fantasy , Horror

Start: 06.12.2018

cinetastic.de Filmwertung: (5,5/10)

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Anna und die Apokalypse

Anna und die Apokalypse

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 92 min
Kategorie: Comedy , Fantasy , Horror
Start: 06.12.2018

Bewertung Film: (5,5/10)

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