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Yuli

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Oktober 2018

Yuli

Wenn es um bedeutende Ballett Tänzer unserer Zeit geht, denken einige sofort an Mikhail Baryshnikov, Rudolf Nurejew oder Alexander Godunow, doch neben diesen gab es einen weiteren, der als erster schwarzer Romeo für Schlagzeilen sorgte. Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín widmet sich nun in „Yuli“ dem kubanischen Ausnahmetalent Carlos Acosta, der im Grunde niemals wirklich tanzen wollte.

YuliDer kleine Carlos Acosta (erst Edison Manuel Olvera, später Keyvin Martínez) wuchs im Armenviertel von Havanna auf, doch sein Vater Pedro (Santiago Alfonso) nannte ihn von klein auf nur Yuli. Am liebsten verbrachte Yuli seine Zeit mit gleichaltrigen auf der Straße, widmete sich dem Street-Dance, kopierte Bewegungen von Michael Jackson, nur um wenig später von seinem Vater dafür verprügelt zu werden. Doch Pedro erkannte bereits früh das Talent seines Sohnes und so fuhr er mit diesem zu Kubas National Dance School, wo er den Eignungstest unfreiwillig mit Bravour bestand. Er konnte Arme und Beine in die unmöglichsten Positionen verbiegen, er war ungemein beweglich, doch er wollte auf keinen Fall in dieser Schule tanzen.

Wie so oft in Yulis Leben hat sich sein Vater durchgesetzt, denn wenn er nicht spurt, dann gibt es eben Schläge. Die Undiszipliniertheiten hielten an, er kam auf ein Internat auf dem Lande, woraufhin er einen Ballett Tänzer und dessen unglaubliche Bewegungen sah. Yuli akzeptierte sein Talent, arbeitete hart und gewann schon bald für Kuba im Jahre 1990 die Gold Medaille beim Prix de Lausanne. Ein erster Schritt einer großen Karriere, die von jetzt an steil bergauf gehen sollte.

YuliLose basierend auf der Autobiografie „No Way Home: A Cuban Dancer’s Story“ (2007) bringt die spanische Regisseurin Icíar Bollaín das Leben des wohl bekanntesten kubanischen Tänzers auf die große Leinwand. Für das Drehbuch zeichnete sich Paul Laverty verantwortlich, der erst kürzlich mit seinem Drama „Ich, Daniel Blake“ viel Gespür für Gefühle und eine interessante Geschichte bewies.

Ausgehend von der aktuellen Zeit, sieht der Zuschauer den echten Carlos Acosta in seiner Tanzschule, wie er in der Rolle als Choreograf soeben ein neues Stück einstudiert. Besagtes Stück handelt von Acostas eigenem Leben, woraufhin man viele Jahrzehnte in die Vergangenheit springt, wo man nun mit seinem jüngeren Ich konfrontiert wird. Wie in Biografien üblich werden nun die größeren Meilensteine der Karriere abgebildet, angefangen von der Jugend in der Carlos aufmüpfig und uneinsichtig war und auf keinen Fall tanzen wollte, bis hin zur späteren großen Karriere, bei der es ihn nach einer Zwischenstation schließlich zum The Royal Ballet nach London zog, wo er von 1998 bis 2015 durchgängig tätig war.

YuliDurch die zeitlichen Sprünge zwischen der aktuellen Choreografie (es werden mehre Szenen gezeigt) und dem früheren Leben, ergeben sich zuweilen recht interessante Aspekte die es aufzuarbeiten gilt. Zum einen war dies der strenge und sehr fordernde Vater der ihn zum Tanzen trieb und unter den er keinen eigenen Berufswunsch nachgehen durfte, zum anderen aber auch die Veränderung Kubas. Letztere wird deutlich durch das Wegziehen seiner Familie mütterlicherseits, aber auch im späteren Verlauf, wenn dort eine hohe Arbeitslosigkeit existiert und kaum jemand noch etwas zu Essen hat.

Natürlich kommt in „Yuli“ auch der eigentliche Tanz nicht zu kurz, was zum einen durch wunderbare Choreografien zur Geltung kommt, zum anderen aber auch durch Ausschnitte älterer Ballettaufführungen, an denen Carlos Acosta beteiligt war. Höhepunkt seiner Karriere war zweifelsohne die Rolle als Romeo, die er als erster Farbiger überhaupt ausfüllen durfte. Neben dem Tanz und den wunderbaren Bewegungen darf man aber nicht die Darsteller vergessen, die hier eine wunderbare Performance abgegeben haben. Santiago Alfonso brilliert als harter und dennoch gerechter Vater der im Grunde nur das Beste für seinen Sohn will, während Keyvin Martínez vor allem als erwachsener Carlos Acosta zu gefallen versteht.

Mit „Yuli“ präsentiert Icíar Bollaín einen wunderbaren Film über das Leben des Ballett Tänzers Carlos Acosta. Interessant und gleichwohl wunderschön, werden dem Zuschauer doch einige wunderbare Choreografien geboten.

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Yuli

Länge: 109 min

Kategorie: Biography , Drama , Music

Start: 17.01.2019

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 109 min
Kategorie: Biography , Drama , Music
Start: 17.01.2019

Bewertung Film: (7/10)

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