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Trautmann

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. Oktober 2018

Trautmann

Der in Bayern geborene Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller galt über viele Jahre hinweg als Aushängeschild des neuen deutschen Heimatfilms, doch als dieser sich plötzlich mit „Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang“ dem österreichischen Musiker und Komponisten widmete, war man etwas erstaunt. In seinem neusten Film namens „Trautmann“ wechselt Rosenmüller nun abermals das Genre, verfilmt er doch in Auszügen das Leben einer der größten deutschen Fußballer der 1950er Jahre.

TrautmannDeutschland, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges: Mit 17 Jahren meldete sich Bernd Trautmann (David Kross) freiwillig für den Dienst bei der Luftwaffe, woraufhin er drei Jahre an der Ostfront kämpft, bis er schließlich an die Westfront verlegt und durch britische Soldaten gefangengenommen wird. Fortan lebt Trautmann in einem Kriegsgefangenenlager in der Nähe von Manchester, wo Nazis arbeiten und gleichzeitig umerzogen werden sollen. Bei einem Fußballspiel in besagtem Lager entdeckt ihn schließlich auch Jack Friar (John Henshaw), Trainer des kleinen Vereins St. Helens, der in ihn sofort ein großes Talent im Tore sieht.

Gegen kleinere Gefälligkeiten darf sich Jack fortan Bernd tagsüber ausleihen, denn Jacks Verein spielt gegen den Abstieg, wobei Bernd eine echte Hilfe sein könnte. Bernd gelingen großartige Spiele, er zieht die Aufmerksamkeit anderer auf sich, gleichwohl verliebt er sich in Jack Friars Tochter Margaret (Freya Mavor), die er nur wenig später auch heiraten wird. Schließlich entdeckt ihn auch ein Talentscout von Manchester City, doch wer den Wechsel als einfach erachtet hätte, der irrt gewaltig. Plötzlich schlägt ihm blanker Hass der Fans entgegen, steht doch im Tor der Feind, der für den Tod von Freunden und Familienmitgliedern verantwortlich sein könnte.

TrautmannVon Bernd Trautmann werden wohl nur die älteren unter uns jemals etwas gehört haben, denn obwohl dieser mehr als 500 Spiele für Manchester City absolvierte, zahlreiche Trophäen erhielt und selbst von der Queen ausgezeichnet wurde, erinnert sich doch kaum jemand an einen Spieler aus den 1950er Jahren. Ganz anders sieht dies für Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot) aus, der zusammen mit Drehbuchautor Nicholas J. Schofield (Blutzbrüdaz) das Leben besagter Torwartlegende als Drama für die große Leinwand aufgearbeitet hat.

Inhaltlich orientiert sich Rosenmüller dabei grob am Lebenslauf von Bernd Trautmann, wenn dem Zuschauer anfangs kurze Sequenzen aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt werden, woraufhin man sich durch einen kurzen Zeitsprung auch bereits in einem Kriegsgefangenenlager befindet. Dort hat es Trautmann nicht leicht, denn wo er sich einerseits den Launen des Lagerkommandanten erwehren muss, hat er auf der anderen mit Kriegserinnerungen zu kämpfen, die für den Zuschauer stets in kurzen Rückblenden zu Tage treten.

TrautmannMit der Verpflichtung für den kleinen Dorfverein St. Helens wird sich vieles ändern, gleichwohl wird für den Zuschauer auch deutlich, wie sehr die Ablehnung ihm gegenüber stattgefunden hat. Trotz sichtbarer Zuneigung weigert sich Margaret ihn im Laden arbeiten zu lassen, für die Fußballspieler des Dorfclubs ist es gar ein Ding der Unmöglichkeit, das man einen Deutschen, ein Kraut, den Feind, im eigenen Tor stehen lässt. Wie so oft im Leben sind dies aber nur Momentaufnahmen, denn es entstehen nicht nur Freundschaften, sondern auch Liebe, was wirklich wunderbar ehrlich dargelegt wird.

In der zweiten Hälfte des Films widmet man sich Bernd Trautmanns großer Karriere bei Manchester City, doch erst jetzt wird wirklich deutlich, was es heißt abgelehnt zu werden. Während die Vereinsführung glaubt einen großartigen Torwart verpflichtet zu haben, sind tausende Fans aufgebracht. Viele von ihnen haben Familienmitglieder und Freunde bei Luftangriffen auf Manchester verloren, warum also sollte man nun den Feind in seinem Fußballverein dulden? Auch an dieser Stelle tritt das Fingerspitzengefühl von Rosenmüller zu Tage, denn obwohl er Ablehnung und Hass glaubhaft darlegt, besinnt er sich auch auf die geschlagenen Brücken. Die Mannschaft nimmt Trautmann mit offenen Armen auf (Es gibt keinen Hass in dieser Kabine) und auch der Rabbiner Alexander Altmann bittet die Stadt in einem offenen Brief darum, unvoreingenommen mit dem Spieler umzugehen.

TrautmannSo sehr sich Rosenmüller aber auch an die Biografie von Bernd Trautmann hält, so fallen dennoch wichtige Details unter den Teppich. Seine erste Verlobte, Marion Greenhill, wird trotz einer gemeinsamen Tochter zu keinem Zeitpunkt erwähnt, was trotz des Rahmens von 120 Minuten dann doch irgendwie hätte möglich sein müssen.

Mit Hauptdarsteller David Kross (Der Vorleser) hat Rosenmüller hingegen alles richtig gemacht, denn dieser verkörpert Bernd Trautmann nicht nur glaubhaft, er kann sich bei den Fußballszenen auch noch richtig gut verkaufen. Zweifelsohne keine einfache Rolle, die er allerdings mit Bravur gemeistert hat.

Mit „Trautmann“ präsentiert Marcus H. Rosenmüller ein interessantes Drama über die Torwartlegende Bernd Trautmann. Spannend bis zuletzt und wunderbar gespielt von David Kross. Sehr zu empfehlen.

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Trautmann

Länge: 120 min

Kategorie: Biography , Drama , Romance

Start: 14.03.2019

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Trautmann

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 120 min
Kategorie: Biography , Drama , Romance
Start: 14.03.2019

Bewertung Film: (7,5/10)

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