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Piripkura

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Oktober 2018

Piripkura

Erst vor kurzem besuchte der Fotograf und Umweltaktivist Markus Mauthe die verschiedensten indigenen Völker unseres Planeten, verglich deren Entwicklung und zog daraufhin verschiedene Rückschlüsse, die er in seiner Dokumentation „An den Rändern der Welt“ dem Publikum präsentierte. In „Piripkura“ wählt man nun einen etwas anderen Weg, denn wo Mauthe verschiedene Stämme begutachtete, konzentriert man sich hier auf einen einzigen.

PiripkuraIn Brasilien existieren etwa 900.000 Indigene von insgesamt 305 Völkern, die 297 verschiedene Sprachen sprechen. Eines dieser Völker sind die Piripkura, die tief im Amazonas, fernab jedweder Zivilisation leben. Das letzte Mal sah Jair Candor, Koordinator der brasilianischen Indigenenschutzbehörde (FUNAI) die beiden letzten Überlebenden vor sechs Jahren, nun muss er erneut in den Dschungel, um zu beweisen das beide noch leben und somit der Schutz ihres Territoriums weiterhin aufrechterhalten werden kann.

An seiner Seite befindet sich ein Filmteam bestehend aus Bruno Jorge (Bairro), Mariana Oliva (Miradas) und Renata Terra (Teresa), welche die schwierige Reise festhalten und somit die Umstände zu dokumentieren versuchen, denen man an diesem Ende der Welt ausgesetzt ist. Die Reise führt durch dichten Dschungel, wo Pfade kaum zu erkennen sind und die hohe Luftfeuchtigkeit scheinbar jeden Probleme bereitet. Moskitos schwirren umher, eine ältere Dame warnt vor Schlangen und schon versucht man Anzeichen dafür zu finden, dass sich Pakyî und Tamandua in den letzten Wochen hier aufgehalten haben könnten.

PiripkuraDie Reise ist beschwerlich, Fußspuren findet man nur selten und somit stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, ob beide überhaupt noch am Leben sind. Krankheiten dürften beiden nur wenig Probleme bereiten, doch was wäre, wenn ein Goldsucher diesen begegnet ist? Jair Candor berichtet daraufhin leise vom Wert der indigenen Völker, das man diese wie Tiere behandelt und Tiere auch ermorden darf, ohne jedwede Schwierigkeiten mit dem Gesetz befürchten zu müssen. Früher schlichen sich ganze Gruppen in diese Dörfer, durchschnitten die Sehnen ihrer Bögen, legten ein Feuer und schossen diese gnadenlos nieder, um an deren Land und deren Bodenschätze zu gelangen.

Letzteres ist auch heute noch ein großes Problem, denn wo das illegale Fällen von Bäumen die Territorien der Indigenen bedroht, ist es auch immer wieder der Staat selber, der Straßen und Fabriken dort plant. Die einzige Möglichkeit ist oft das Territorium schützen zu lassen, doch muss man dafür beweisen, das die beiden letzten Überlebenden der Piripkura nach wie vor existieren. Die Reise ist beschwerlich, die Kamera oft trüb und wacklig, wodurch ein Sehvergnügen nur bedingt gegeben ist.

PiripkuraZuweilen ist es aber auch die Inszenierung selbst die Probleme bereitet, denn obwohl „Piripkura“ grade einmal 80 Minuten lang ist, ist ein Spannungsbogen doch kaum vorhanden. Vielmehr schlendern die Beteiligten scheinbar ziellos durch den Dschungel, kommentieren kurz etwas, um nur wenig später im Fluss zu baden. Selbst der Kontakt zu Pakyî und Tamandua bringt für den Zuschauer nur wenige neue Erkenntnisse, denn abgesehen von ihrer für uns fremden Art, sich nackt durch den Dschungel zu bewegen, scheinen diese sich doch in den letzten Jahren an Besucher gewöhnt zu haben. Freiwillig nehmen diese Geschenke an, bekleiden und freuen sich über eine neuangezündete Fackel, ist ihr Feuer doch bereits vor längerer Zeit erloschen.

Durch diesen kaum vorhandenen Spannungsbogen und dem nur bedingt existierenden Mehrwert an neuen Informationen, ergeben sich aber ganz andere Probleme für den Zuschauer. Die Suche nach den letzten Überlebenden der Piripkura und deren Schutz ist zweifelsohne wichtig, doch hätte man sich hier einfach mehr gewünscht. Interviews mit Zuständigen dieser Territorien und der damit verbundenen Vergabe hätten mit Sicherheit noch einen spürbaren Mehrwert gehabt, damit der Zuschauer das ganze Ausmaß der dargelegten Probleme verstehen kann.

In „Piripkura“ machen sich die Regisseure Bruno Jorge, Mariana Oliva und Renata Terra auf die Suche nach den letzten beiden Überlebenden des gleichnamigen Stammes. Ganz ohne Frage eine wichtige Dokumentation, der allerdings etwas mehr Spannung und tiefergehende Hintergrundinformationen gut getan hätten.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Mindjazz

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Piripkura

Länge: 81 min

Kategorie: Documentary

Start: 29.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Piripkura

Piripkura

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 81 min
Kategorie: Documentary
Start: 29.11.2018

Bewertung Film: (6/10)

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