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Intrigo – Tod eines Autors

Geschrieben von Peter Gutting am 4. Oktober 2018

Intrigo - Tod eines Autors

Auf der kommenden Frankfurter Buchmesse erwartet die Besucher eine ungewöhnliche Kombination aus Kriminalroman und Film. Der schwedische Bestsellerautor Håkan Nesser wird sein neues Buch „Intrigo“ vorstellen. Und er wird mit den Schauspielern aus dem ersten Teil der filmischen „Intrigo“-Trilogie diskutieren, mit Benno Fürmann und Ben Kingsley. Trotzdem handelt es sich beim beinahe zeitgleichen Start des gedruckten und des visuellen Mediums nicht um eine Art Buch zum Film. Sondern um eine echte Literaturverfilmung. Denn Nessers Kurzgeschichte stammt aus dem Roman „Barins Dreieck“. Sie wird im Sammelband „Intrigo“ nur erneut veröffentlicht.

Intrigo - Tod eines AutorsEine griechische Insel wie aus dem Bilderbuch: leuchtend blaues Meer, strahlend weißes Gestein und ein beschwerlicher Weg durch karge Vegetation. Hier wohnt der Erfolgsschriftsteller Henderson (Ben Kingsley) zurückgezogen in einem Luxusanwesen beim Leuchtturm. Normalerweise empfängt er keine Romandebütanten, die seinen Rat suchen. Doch für David (Benno Fürmann) macht er eine Ausnahme, erwartet dafür allerdings einen außergewöhnlich raffinierten Plot. Dass in der autobiografischen Geschichte Davids Frau Eva (Tuva Novotny) mit ihrem Therapeuten schläft – geschenkt. Dass der gehörnte Ehemann Mordgedanken hegt – billigstes Klischee. Dass die totgeglaubte Ehefrau drei Jahre später als Hustende am Ende eines klassischen Konzerts zu hören sein soll – schon ungewöhnlicher. Und dass David zeitgleich den Auftrag erhält, das letzte Buch eines zu Tode gekommen Bestsellersautors zu übersetzen, und zwar unter der strenger Geheimhaltung – das klingt schließlich richtig spannend.

Intrigo - Tod eines AutorsNichts ist, wie es scheint. Das ist das Lebenselixier des Krimi-Genres und insbesondere das von Håkan Nesser, dem es weniger um Action geht als um komplexe Geschichten. Verwirrend ist der Plot in diesem Fall auch deshalb, weil gleich drei Autoren ihre Finger im Spiel haben: David, Henderson und der verstorbene Germund Rein, den David übersetzen soll. Man darf also getrost damit rechnen, dass Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen, insbesondere als sich herausstellt, dass Reins Roman von einer Konstellation handelt, die David äußerst bekannt vorkommt: Ehebruch, Leidenschaft, ein Mordkomplott. Man darf aber auch davon ausgehen, dass manches, was zunächst erfunden scheint, wahr sein könnte.

Der Schwede Daniel Alfredson hat zwei der Millenium-Romane von Stieg Larsson verfilmt. Er kennt sich also mit den Krimis seines Heimatlandes bestens aus. In „Intrigo – Tod eines Autors“ konzentriert er sich ganz auf den Plot und seine Überraschungen, kaum auf Atmosphäre, Psychologie und Charakterzeichnung. Das hat den Vorteil, Kurs halten zu können im Gewirr unterschiedlicher Erzählstränge und Blickwinkel. Fast jede Szene bekommt eine Erzählerstimme als Voice Over, die den Wirrwarr der überkomplexen Ausgangslage zusammenhält. Manches, was in einer bloßen Inhaltsangabe überkandidelt wirkt, lenkt der Regisseur Alfredson in eine vergleichbar ruhige Bahn. Er erlaubt damit dem Zuschauer, dem Detektivgen zu frönen und sich frühzeitig Theorien zu bilden, wer von den handelnden Personen denn wen hinters Licht führt. Dass diese Annahmen immer wieder über den Haufen geworfen werden, steigert das Vergnügen.

Intrigo - Tod eines AutorsÜber der Anstrengung, alle Handlungsfäden zusammenzuhalten, vernachlässigt der Film aber Visualität und Charaktere. Die Landschaften wirken wie Postkarten, die Interieurs leblos, die Menschen wie aus dem Modekatalog. Nichts scheint die abgeklärten Mittelschicht-Intellektuellen wirklich zu berühren, heftige Leidenschaften bleiben in aufgeklärt-liberalen Posen stecken und werden von der Erzählerstimme lediglich behauptet. Für die menschlichen Abgründe, die zu Mordgedanken führen, müssen geleerte Whiskyflaschen herhalten. Genauere Charakterstudien bleiben auf der Strecke.

Vielleicht war das Rätselhafte an der Figur des David der Grund, die Rolle mit Benno Fürmann zu besetzen. Der Mann mit dem stechenden Blick kann hervorragend einsame Wölfe spielen, die ihre Emotionen jederzeit im Griff zu haben scheinen, etwa in Christian Petzolds „Wolfsburg“ oder auch „Jerichow“. Aber dort gab sein sparsames Mienenspiel Hinweise auf einen Charakter, der sich selbst fremd geworden war. In „Intrigo – Tod eines Autors“ bleibt von der Tiefe seines Spiels nur die äußere Maske. Seine starre Miene wird Selbstzweck, vermittelt nichts von den Nöten und geheimen Antrieben der Figur.

Der erste Teil der „Intrigo“-Trilogie bringt eine verwickelte Handlung so geradlinig wie möglich auf die Leinwand. Wer Spaß am Katz-und Maus-Spiel hat, kommt in dem Krimi aus dem Intellektuellen-Milieu auf seine Kosten. Atmosphärische Dichte und glaubwürdige Charaktere bleiben jedoch auf der Strecke.

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Wir vergeben daher 5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Intrigo - Tod eines Autors

Länge: 104 min

Kategorie: Crime, Drama, Mystery

Start: 25.10.2018

cinetastic.de Filmwertung: (5/10)

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Info

Intrigo - Tod eines Autors

Intrigo – Tod eines Autors

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 104 min
Kategorie: Crime, Drama, Mystery
Start: 25.10.2018

Bewertung Film: (5/10)

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