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Drei Gesichter

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. Oktober 2018

Drei Gesichter

Der Iraner Jafar Panahi wurde bereits im Jahre 2006 mit einem Berufsverbot belegt und dennoch schaffte er es immer wieder einzelne Filme außer Landes zu schmuggeln, wo diese dann auf anerkannten Festivals liefen. Für seinen Film „Taxi Teheran“ erhielt Panahi vor drei Jahren den goldenen Bären auf der Berlinale, sein Drama „Drei Gesichter“ lief in diesem Jahr im Wettbewerb von Cannes und wurde auch dort vom Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus belohnt.

Drei GesichterIn seinem neusten Drama namens „Drei Gesichter“ beginnt Regisseur und Drehbuchautor Jafar Panahi (Dies ist kein Film) mit einer rund zehnminütigen Autofahrt, bei der er sich mit Behnaz Jafari (beide spielen sich selbst) unterhält. Panahi hat nämlich ein Handy-Video erhalten, auf dem ein junges Mädchen namens Marziyeh Rezaei (spielt sich auch selbst) zu sehen ist, wie diese durch eine Höhle geht, Behnaz Jafari anklagt ihr nicht geholfen zu haben und sich im Anschluss erhängt. Während das Video herunterfällt und die verwackelte Kamera ausgeht, fragt Jafari immer wieder den Tränen nahe, ob dies alles echt oder womöglich nur ein grausamer Scherz sei.

Sie habe von dem Mädchen noch nie etwas gehört, sie hat auf ihren Kanälen diverser sozialer Netzwerke nichts erhalten, was ist da also eigentlich los? Während Panahi noch bekräftigt keinen Schnitt im Video erkennen zu können, hält das Auto an. Jafari muss durchatmen und zu sich finden, Panahi telefoniert mit seiner Mutter, welche sich wiederrum über Jafari beschwert. Diese zehn Minuten und die anschließende Fahrt zum Dorf sind die große Stärke von „Drei Gesichter“, denn in dieser Zeit wird praktisch alles von einer kleinen Kamera gefilmt, welche sich an der Stelle des Rückspiegels vom Auto befindet.

Drei GesichterSind beide erst einmal im Dorf angekommen und auf der Suche nach Marziyeh Rezaei, birgt „Drei Gesichter“ keinerlei große Überraschungen mehr, letztere sind aber auch gar nicht beabsichtigt. Vielmehr versucht man in Gesprächen mit der Dorfgemeinschaft und den Eltern von Rezaei, die dort geltenden kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse anzusprechen, zu denen man ganz unterschiedlicher Meinung sein kann. In einer doch recht witzigen Szene sind beide beispielsweise auf einer sehr schmalen Bergstraße unterwegs, woraufhin es von einem Einheimischen direkt eine Kurzeinweisung ins Hup-System (ja, die Auto Hupe) gibt. Damit soll verhindert werden, dass sich zwei Autos auf der schmalen Straße treffen, denn Regeln müssen nun einmal sein, denn ohne Regeln würde hier nichts funktionieren.

Schon bald werden beide jubelnd von der Dorfgemeinschaft empfangen, doch wer nun denkt das beide als Regisseur und Schauspielerin erkannt werden, irrt auch hier. Denn nur wenig später entschuldigen sich gleich mehrere Dorfbewohner beide nicht erkannt zu haben, denn offensichtlich erwartete man vielmehr jemanden offizielles, der sich endlich einmal um die dringendsten Probleme des Dorfes kümmere. Genau hier schließt auch der eigentliche Titel des Filmes an, denn Panahi bezieht sich in „Drei Gesichter“ auf gleich drei Generationen von Schauspielerinnen, von denen wir eine leider nie zu Gesicht bekommen werden. Behnaz Jafari steht für die aktuelle Generation, Marziyeh Rezaei für die zukünftige und eine ältere Dame für die vergangene, war diese doch als Schauspielerin und Tänzerin damals unterwegs, doch wurde sie bereits vor langer Zeit aus dem Dorf vertrieben.

Drei GesichterMit diesen unterschwelligen Meta-Botschaften geht es auch weiter, denn Marziyeh Rezaei tat dies alles nur, weil sie von ihren Eltern keine Erlaubnis erhalte, die Schauspielschule in Teheran zu besuchen. Bei ihr zuhause trifft man immer wieder auf einen laut brüllenden und offensichtlich gewaltbereiten älteren Bruder und auch im Dorf fällt einmal eine ganz witzige Spitze, dass man doch lieber einen Arzt im Dorf bräuchte, als eine Schauspielerin, was erst einmal nicht von der Hand zu weisen ist. Im Stile einer Dokumentation geht es schließlich weiter, denn die Kamera begleitet stets still und mit sehr viel Respekt Panahi und Jafari, wie diese die unterschiedlichsten Gespräche suchen. Eine endgültige Lösung des Problems scheint nicht in Sicht zu sein, was wiederrum grundsätzliche Strukturen der iranischen Gesellschaft infrage stellt. Ein Kreis scheint sich zu schließen, der vor zwölf Jahren mit Panahis Berufsverbot begann.

Mit „Drei Gesichter“ präsentiert Jafar Panahi einen sehr ungewöhnlichen Film über die kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen eines kleinen Dorfes im Iran, der bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Kein einfacher Film, aber auf jeden Fall einen Blick wert.

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Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Jafar Panahi Film Production, Weltkino

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Drei Gesichter

Länge: 100 min

Kategorie: Drama

Start: 26.12.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

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Drei Gesichter

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 100 min
Kategorie: Drama
Start: 26.12.2018

Bewertung Film: (7,5/10)

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