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An den Rändern der Welt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 1. Oktober 2018

An den Rändern der Welt

Erst vor wenigen Monaten wurde tief im brasilianischen Regenwald ein Stamm bisher unbekannter Ureinwohner entdeckt, die fern ab jedweder Zivilisation mit Steinäxten und Speeren seit Jahrhunderten den Kampf um das eigene Überleben bestreiten. Wie viele von diesen unbekannten Völkern gibt es aber noch und wie würde ein direkter Kontakt mit modernen Menschen aussehen, wenn dieser erst einmal zustande gekommen ist?

An den Rändern der WeltGenau dieser Frage geht der Fotograf und Umweltaktivist Markus Mauthe nach, denn er besucht die letzten noch lebenden indigenen Völker fern ab jedweder Zivilisation. Seine Reise führt vom Süd-Sudan, nach Äthiopien, über die Seenomaden nach Malaysia, bis hin zu den Indios im brasilianischen Mato Grosso. Mauthe zeigt uns die Schönheit dieser Völker und deren Natur, gleichwohl zeigt er aber auch Beispiele auf, in denen die unbarmherzige Globalisierung diese Völker wie eine Walze vernichtet.

Markus Mauthe geht es in „An den Rändern der Welt“ aber nicht darum mit seinen Bildern ein weiteren Hochglanzmagazin zu füllen, er geht um Menschen, deren Überleben aktuell in mehrfacher Hinsicht bedroht wird. So trifft er beispielsweise im Süd-Sudan die Suri, einen der letzten Stämme auf unserem Planeten, die noch immer halbwegs autark agieren können. Das liegt hier aber weniger an entsprechenden Schutzmaßnahmen der Regierung, als vielmehr ihrem Wohnort, muss man bis zum Boma Plateau doch zahlreiche Sümpfe überwinden.

An den Rändern der WeltGanz anders sieht dies im Tal des Omo-Flusses in Äthiopien aus, wo sich vor Jahrhunderten mehrere indigene Völker angesiedelt haben. Diese sind inzwischen Teil einer großen Tourismus-Wirtschaft, denn sobald Besucher in Autos und Bussen vorbeikommen, werden alte kulturelle Kleider und entsprechende Stammesbemalungen angelegt. Für die dort lebenden indigenen Völker ist diese Anpassung eine letzte Möglichkeit des Überlebens, wurde ihnen doch durch die Regierung mehr und mehr Land entzogen, welches wiederrum an ausländische Investoren verpachtet wurde.

Wesentlich schlimmer ist es aber bei den Bajau, welche einst in den Gewässern vor Indonesien lebten. Auf kleinen Booten wurden diese geboren, verrichteten ihre Arbeit und starben schließlich auch, was heute bereits undenkbar geworden ist. Wo sie früher vom Fischfang und kleinen Netzen von grade einmal 100qm lebten, sind diese heute 1000qm groß, was noch immer nicht zum Überleben reicht. Fische sind nur noch wenige vorhanden, was nicht nur die Folge jahrzehntelangem Überfischens ist, sondern auch vom illegalen Fischfang anderer.

An den Rändern der WeltDen Bajau wurde dadurch ihre Lebensgrundlage entzogen, wodurch einige auf Dynamitfischen umstiegen, ganz andere an Land gingen und dort nun auf Pfahlbauten leben. Die einst so großartigen Techniken auf dem Wasser gerieten so in Vergessenheit, denn wo die Bajau einst großartige Taucher waren, haben sie sich nun in die westliche Gesellschaft und deren Wirtschaftssystem nahezu integriert. Ganz ähnliches berichtet Markus Mauthe aber auch von den Enawenê Nawê, die im Amazonasgebiet am Übergang zwischen Regenwald und Savanne leben. Auch dort haben Fremde ihr Land in Besitz genommen, auf den Weideflächen Rinder platziert und damit begonnen den Regenwald abzuholen, doch die Enawenê Nawê wissen sich zu währen. Sie begannen damit ihr Gebiet selbst streng zu regulieren, setzten gezielt auf die eigene Bildung, ohne kulturelle Werte zu verraten. Die Enawenê Nawê sind ein gutes Beispiel wie Integration funktionieren kann, ohne selbst unter die Räder der Globalisierung zu geraten.

Dies alles berichtet Markus Mauthe mit sehr viel Hingabe, wenn er sich immer wieder in Gespräche mit den indigenen Völkern begibt, vorsichtig nachfragt, versucht zu verstehen und gleichwohl den Völkern Respekt zollt, wofür er wiederrum Anerkennung erhält. Neben den wirtschaftlichen Mechanismen die dort durch den Kontakt mit der Zivilisation abzulesen sind, ist insbesondere die Integration der Stämme ein elementarer Bestandteil seiner Dokumentation. Wo einige Völker durchaus unter die Räder kommen und sich nur bedingt anpassen können, haben ganz andere aus ihrer Not eine Tugend gemacht.

Mit „An den Rändern der Welt“ stellt Markus Mauthe ein Projekt vor, für das er die unterschiedlichsten indigenen Völker unseres Planeten besuchte. Erschreckend und interessant zugleich, kann man hier doch eine Vielzahl an unterschiedlichen Themen erkennen und seine ganz eigenen Rückschlüsse ziehen.

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An den Rändern der Welt

Länge: 92 min

Kategorie: Documentary

Start: 01.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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An den Rändern der Welt

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 92 min
Kategorie: Documentary
Start: 01.11.2018

Bewertung Film: (7/10)

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