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The Cakemaker

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. September 2018

The Cakemaker

In den arabischen Ländern kommt es nicht selten vor, dass selbst anerkannte Filmemacher Hausarrest und Gefängnisstrafen für Werke erhalten, die nicht die engen Vorschriften des Staates einhalten. Was sich oft gegen politische Statements richtet, nimmt nicht selten auch den religiösen Bereich ein. Mit „The Cakemaker“ präsentiert Ofir Raul Graizer nun einen Debütfilm über einen homosexuellen Protagonisten, was nicht nur in Israel gewaltige Erfolge feierte, sondern auch als Beitrag für die kommende Oscar-Verleihung eingereicht wurde.

The CakemakerDer israelische Geschäftsmann Oren (Roy Miller) besucht regelmäßig das Berliner Café Kredenz, wo er nicht nur Kuchen und Kekse für seine Frau bestellt, sondern es ebenso auf den Konditor Thomas (Tim Kalkhof) abgesehen hat. Beide sind sich sofort sympathisch, leben schon bald zusammen, doch Oren muss stets wieder zurück zu seiner Frau Anat (Sarah Adler) und seinem kleinen Sohn. Eines Tages kommt Oren nicht wieder, woraufhin Thomas bei dessen deutschen Arbeitgeber erfährt, dass dieser in Jerusalem tödlich verunglückt sei.

In tiefer Trauer reißt Thomas in die Heimatstadt seines Liebhabers, besucht das Café seiner verstorbenen Frau und tritt somit zaghaft in deren Leben ein. Was als befristeter Job als Aushilfe beginnt, mausert sich schon bald zur Festanstellung, denn Thomas kredenzt die leckersten Kuchenkreationen. Beide kommen sich in der engen Küche näher, doch mit jedem Tag werden auch die Lügen mehr. Kann Thomas sein Geheimnis bewahren oder kommt Anat doch noch dahinter?

The CakemakerEin israelischer Film der sich dem Thema der Homosexualität widmet, der national beinahe alles an Auszeichnungen erhalten hat, international zu vielen Festivals eingeladen wurde und gleichzeitig auch noch als Israels Beitrag für die kommende Oscar-Verleihung ins Rennen gehen darf. Man mag fast glauben das sich das Land einigen Tabu-Themen öffnet, wären auf der anderen Seite nicht zahlreiche Verhaftungen von anderen Filmemachern bekannt. Wie auch immer, Regisseur Ofir Raul Graizer arbeitete an „The Cakemaker“ beinahe sechs Jahre lang, ließ zahlreiche persönliche Themen mit einfließen und erschuf somit einen ganz und gar außergewöhnlichen Film, der völlig zu Recht diese Aufmerksamkeit erfährt.

Mit einem Budget von grade einmal 180.000€ verwirklichte Regisseur und Drehbuchautor Ofir Raul Graizer seinen Debütfilm, der von einer scheinbar völlig normalen Liebe erzählt, welche weder Landes- noch die Grenzen der Religion kennt. Bereits in den ersten zehn Minuten widmet sich Graizer diesem sensiblen Thema mit sehr viel Hingabe und Einfühlungsvermögen, wenn er auf der einen Seite Thomas zeigt, für den diese Beziehung völlig normal zu sein scheint, auf der anderen Oren, der damit sehr vorsichtig umgehen muss, um den Schein einer glücklichen Familie im fernen Israel aufrecht erhalten zu können.

The CakemakerObwohl es bis zu diesem Punkt wie eine ganz normale Romanze unter Männern aussieht, spielt Graizer seine wahre Stärke erst im weiteren Verlauf aus, wenn es darum geht, dass Thomas in die Welt seines verstorbenen Liebhabers einzutauchen versucht. Die Reise nach Israel, ein erster Besuch im Café von dessen Frau Anat, das Schlendern durch Jerusalem, fühlt sich seine Reise doch irgendwie falsch an. Erst mit dem Aushilfsjob im Café, den später zu Tage tretenden Künsten des Backens und der gemeinsamen Zeit in der Küche offenbaren sich die wahren Probleme, denn wo es Thomas mehr und mehr genießt die Rolle von Oren auszufüllen, hinterfragt Anat das Leben ihres verstorbenen Ehemanns.

Was war da in Berlin? Was wollte sie nicht wahrhaben und warum findet sie in seinen alten Sachen lauter Kassenzettel, auf denen zumeist zwei Gerichte stehen? Ein erster Schleier lüftet sich, doch mit jedem Schritt des Akzeptierens das ihr Mann fremdgegangen sein könnte, taucht sie tiefer im Leben von Thomas ein, wodurch auch hier eine kleine Romanze entsteht. Ist es eine Art Rache an ihrem verstorbenen Ehemann? Mag sie Thomas wirklich? Der Spielraum für Interpretationen ist ungemein groß, weswegen auch der Zuschauer dazu eingeladen wird sich über „The Cakemaker“ seine Gedanken zu machen. Regisseur Ofir Raul Graizer gibt kleine Hilfestellungen, deutet bestimmte Entwicklungen seiner Figuren an, womit er den Zuschauer zumindest ansatzweise mit an die Hand nimmt.

Neben dem wunderbaren Drehbuch und den fein gezeichneten Figuren, überrascht doch insbesondere Tim Kalkhof (Wir sind die Flut) in seiner Rolle als Thomas. Überaus sensibel gespielt, grundehrlich und mit diesem gewissen Etwas. Die US-Filmzeitschrift Variety listet Kalkhof für seine Darstellung unter den 10 Europeans to watch 2018, hoffen wir das seine Karriere weiterhin so positiv verläuft.

Mit „The Cakemaker“ präsentiert Ofir Raul Graizer einen wunderbaren Film über die Bewältigung von Verlust und Trauer. Für Israel geht „The Cakemaker“ ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2019, völlig zu Recht wie wir meinen.

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The Cakemaker

Länge: 113 min

Kategorie: Drama

Start: 01.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Info

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The Cakemaker

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 113 min
Kategorie: Drama
Start: 01.11.2018

Bewertung Film: (8/10)

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