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Mario

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. September 2018

Mario

Als vor über einem Jahr die gleichgeschlechtliche Ehe per Gesetzt erlaubt und somit anerkannt wurde, war bei einigen Menschen die Aufregung groß. Was inzwischen zur Normalität und somit zum Alltag gehört, hat im (Profi-) Fußball noch immer nichts zu suchen, doch warum eigentlich? Regisseur Marcel Gisler bringt in seinem Drama „Mario“ Antworten auf diese Frage und zeigt gleichzeitig Möglichkeiten auf, mit dieser Situation umzugehen.

MarioDer etwa 18-jährige Mario (Max Hubacher) spielt in der U21 des Schweizer Vereins BSC Young Boys als Stürmer. Mario ist talentiert, im Torabschluss sehr gut und hat beste Chancen im kommenden Jahr in die erste Liga aufzusteigen, doch auf einmal bekommt er mit dem Deutschen Leon (Aaron Altaras) eine ernsthafte Konkurrenz auf seiner Position. Beide können sich am Anfang nicht ausstehen, doch nach einem ersten Gespräch im Bus und einer gemeinsamen Wohnung durch den Verein, etablieren sich beide auf dem Platz als echtes Team.

Das beide auch außerhalb des Platzes gut miteinander auskommen, offenbart sich eines Tages nach einigen Bier, denn Mario und Leon landen plötzlich im Bett und müssen dies am nächsten Tag erst einmal aufarbeiten. Wie geht man mit dieser Situation nun um? Beim Auswärtsspiel nehmen sich beide liebe Einzelzimmer, doch plötzlich kursieren erste Gerüchte im Verein. Die Manager möchten dies am liebsten mit Alibi Spielerfrauen lösen, doch was möchten Mario und Leon eigentlich?

MarioEin Coming-Out in der aktiven (Profi-) Fußballkarriere sucht man nach wie vor vergebens, denn Thomas Hitzlsperger (Outing erst nach der Karriere) brachte es einmal ganz deutlich auf den Punkt. Wenn man es tatsächlich probieren würde gäbe es ernste Probleme, doch warum eigentlich? Regisseur Marcel Gisler (Rosie) wollte es wissen, woraufhin Thomas Hess (Schwarze Schafe) eine erste Idee präsentierte und Drehbuchautor Frederic Moriette (Barbara) ein entsprechendes Skript verfasste.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit könnte ungewöhnlicher nicht sein, denn beide sprachen damit nicht nur ein wichtiges Thema an, sie bekamen auch entsprechende Unterstützung aus den Vereinen. Der Schweizer Club BSC Young Boys stellte seinen Platz und sein Logo zur Verfügung, ganz ähnlich half der FC St. Pauli, der bis vor einigen Jahren sogar noch von einem homosexuellen Club Präsidenten geführt wurde. Für Regisseur Marcel Gisler stand der Fußball aber an zweiter Stelle, denn obwohl dieser die einen oder anderen Szenen auf dem Platze zeigt, interessiert er sich vielmehr für das Gebaren in den Mannschaftsräumen und die Liebe zweier Spieler zueinander.

MarioEben hier treffen die bekannten Vorurteile aufeinander, denn schwule Fußballprofis, dass geht in einer von Männern dominierenden Sportart doch sowieso nicht. Der Marktwert eines Profis wäre im Keller, wenn erst homophobe Fans auf die Barrikaden gehen und somit nicht nur dem Spieler, sondern vor allem dem Verein schaden würden. In dieser Männerdomäne müssen Alternativen gefunden werden, Ausreden, eben Spielerfrauen, die lockere Alibis verschaffen, wenn man insgeheim dann eben doch in einen Mann verknallt ist.

Das diese Gradwanderung zwischen Karriere, den eigenen Gefühlen und den daraus resultierenden Wünschen alles andere als einfach ist, fängt Marcel Gisler wunderbar ein. Die Figuren machen eine deutliche Entwicklung durch, weichen von den bekannten Stereotypen ab und wirken authentisch, was Max Hubacher (Der Hauptmann) sogar den Schweizer Filmpreis einbrachte. Neben der offenkundigen Homophobie innerhalb des Vereins, schafft es Gisler vor allem den emotionalen Druck wunderbar darzulegen, mit dem die Spieler umzugehen haben. Im Falle von Mario ist es der erfolgsverwöhnte Vater der seine eigene Karriere gern auf seinen Sohn übertragen möchte, dieser wiederrum möchte auf dem Platz durchstarten, weswegen er eine scheinbar glückliche Beziehung zu seiner besten Freundin Jenny (Jessy Moravec) vorgaukelt. Einen optimalen Weg gibt es nicht, damit hält auch Gisler nicht hinter dem Berg.

Mit „Mario“ präsentiert Marcel Gisler eine authentische Love-Story im Schweizer Profifußball, die symbolisch für alle anderen Vereine stehen könnte. Ein mutiger erster Schritt, auf den innerhalb unserer Gesellschaft aber noch viele weitere folgen müssen.

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Copyright: Pro-Fun

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Mario

Länge: 119 min

Kategorie: Drama , Romance , Sport

Start: 18.10.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

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Mario

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 119 min
Kategorie: Drama , Romance , Sport
Start: 18.10.2018

Bewertung Film: (7/10)

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