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Loro

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. September 2018

Loro

Vor genau zehn Jahren drehte Paolo Sorrentino den Oscar-nominierten Film „Il Divo – Der Göttliche“, über den siebenmaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti. In seinem neusten Film „Loro“ widmet sich Sorrentino diesmal Silvio Berlusconi, wenn er in 145 Minuten von Mafiastrukturen, Bestechung und allerhand anderer Verbrechen berichtet.

LoroDie dritte Amtszeit von Silvio Berlusconi (Toni Servillo) ist grade erst zu Ende gegangen, da arbeitet er bereits an seiner neuen politischen Karriere. Der aktuelle Ministerpräsident soll gestürzt werden, er benötigt zahlreiche Stimmen und ganz nebenbei gibt es auch noch Stress mit seiner Ehefrau, kann diese es doch nicht länger ertragen, dass sich dieser nach wie vor mit sehr viel jüngeren Damen vergnügt.

Zu dieser Zeit versucht aber auch der Zuhälter Sergio Morra (Riccardo Scamarcio) in der italienischen Politik Fuß zu fassen und so mietet er sich am Rande von Berlusconis Grundstück eine riesige Villa an, lässt zahlreiche Damen und noch mehr Drogen einfliegen. Leise mit einem Fernglas beobachtend lässt sich Silvio natürlich nicht lange bitten, doch die Party ist schneller vorbei als gedacht.

LoroDer italienische Regisseur und Drehbuchautor Paolo Sorrentino ist dafür bekannt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg zu halten und dennoch scheint es fast so, als würde er zumindest Silvio Berlusconi eine gewisse Form des Respektes entgegen bringen. In seinem neusten Film namens „Loro“ dreht sich nämlich alles um diesen, doch obwohl man diesen optisch auf Anhieb erkennt, wird der Name doch sehr lange verschwiegen. Vielmehr redet man hinter vorgehaltener Hand von „ihm“, diesen großen und mächtigen Mann, bis irgendwann einmal der Vorname genannt wird.

In Italien erschien „Loro“ als Zweiteiler mit jeweils zwei Stunden Laufzeit, in Deutschland wird dieser gekürzt auf nur zweieinhalb Stunden in die Kinos kommen, was noch immer ordentlich Sitzfleisch erfordert. Dennoch wurden über eine Stunde des Films gekürzt, was man diesem in gleich mehrerer Hinsicht ansieht. Paolo Sorrentino erzählt keine in sich geschlossene oder fließende Geschichte, vielmehr widmet er sich einzelnen kurzen Episoden, die zusammen ein geschlossenes Bild ergeben.

LoroSo berichtet dieser vom Wirtschaftsmogul Silvio Berlusconi, seiner Macht bei der Vergabe von lukrativen Aufträgen, seinen Fernsehsendern und nicht zuletzt von seinem geliebten Fußballverein, wenn es darum geht einen erfahrenen Spieler zu sich einzuladen und anschließend davon zu überzeugen, für ihn in der kommenden Saison zu spielen. Neben diesen Eckpunkten im Leben von Silvio Berlusconi geht es aber vor allem um Frauen, die scheinbar stets um ihn herum schwirren und sich von der Macht des 70-jährigen angezogen fühlen. Berlusconi ist ein selbsternannter Playboy, ein Party-Typ, jemand der 20 Frauen zu sich einlädt, um diesen hinterher auf seinem Karussell Eis zu servieren und eine Goldkette zu überreichen, die sie als sein Eigentum kennzeichnen werden.

Dies alles erscheint zuweilen reichlich hölzern, denn von den Fakten rund um Silvio Berlusconi einmal abgesehen, die man sowieso alle aus den Medien kennt, scheint zuweilen doch inhaltlich einiges zu fehlen. Figuren kommen und gehen, werden umfangreich eingeführt, nur um dann nie wieder in Erscheinung zu treten. An diesen Stellen fühlt man den radikalen Schnitt, das Fehlen von fast einer Stunde Filmmaterial, scheint „Loro“ doch alles andere als abgeschlossen zu sein.

Sieht man von den inhaltlichen und strukturellen Problemen einmal ab, so entpuppt sich „Loro“ erneut als visuelle Augenweide, steht dieser doch früheren Filmen wie „Ewige Jugend“ oder „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ kaum nach. Verantwortlich dafür ist vor allem Kameramann Luca Bigazzi, der erneut auf ausschweifende Kamerafahrten, sehr viel Nähe zu seinen Darstellern und wunderbare Lichtverhältnisse des nachts setzt.

Mit „Loro“ präsentiert Paolo Sorrentino leider seinen schwächsten Film der letzten Jahre, denn obwohl dieser visuell erneut begeistert, kann die episodenhafte Geschichte leider nicht vollends überzeugen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Gianni-Fiorito DCM

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Loro

Länge: 145 min

Kategorie: Biography, Drama

Start: 15.11.2018

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 145 min
Kategorie: Biography, Drama
Start: 15.11.2018

Bewertung Film: (6/10)

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