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Leto

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. September 2018

Leto

Die russische Rockband „Кино“ (Kino) kennt in Deutschland kaum jemand, doch in der ehemaligen Sowjetunion erreichte diese unter dem verstorbenen Leadsänger Виктор Цой (Viktor Tsoi) einen echten Kultstatus, sodass selbst heute noch Kinder dessen Lieder lernen, wenn diese damit beginnen auf der Akustikgitarre zu spielen. Regisseur Kirill Serebrennikov erzählt in „Leto“ nun die Anfänge besagter Band und errichtet dieser ein einmaliges Denkmal für die Ewigkeit.

LetoLeningrad in den 1980er Jahren: Der Sänger Mike Naumenko (Roman Bilyk) ist in der Sowjetunion ein anerkannter Star der Rock-Szene, denn obwohl Mike mit seinen Texten der Jugend aus dem Herzen spricht, geht er immer nur so weit, um nicht mit dem System anzuecken. Mike ist Sänger der Band Zoopark, verheiratet mit Natalia (Irina Starshenbaum) und als Vater eines kleinen Kindes absolut bodenständig.

Eines Tages verbringt Mike zusammen mit seiner Frau, einigen Bandkollegen und Freunden einen Tag am Strand, wo sie auf den jungen Sänger Viktor Tsoi (Teo Yoo) treffen. Viktor spielt des Abends am Lagerfeuer den anderen seine Lieder vor, dessen Texte sofort ins Herz gehen. Zwischen Mike und Viktor beginnt eine innige Freundschaft, beide feilen an ihrer Karriere und schon bald hat Viktor im Rockpalast seinen ersten Auftritt. Im Grunde scheint alles bestens zu laufen, wenn er sich nicht in Mikes Frau Natascha verguckt hätte.

LetoUraufgeführt bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes, konnte Regisseur Kirill Serebrennikov dieser Premiere nicht beiwohnen, stand der Putin-Kritiker doch zu dieser Zeit unter Hausarrest, wurden ihm doch Veruntreuung von Geldern vorgeworfen. Eben dieser Hausarrest gestaltete sich auch bei den Nachdrehs von „Leto“ als äußerst schwierig, konnte er doch nur grobe Anweisungen übermitteln, die anschließend bestmöglich umgesetzt wurden.

Die Geschichte der russischen Band „Кино“ (Kino) basiert lose auf den Erinnerungen von Mike Naumenkos Frau Natalia, sind beide Sänger doch bereits sehr früh verstorben. Viktor Tsoi verstarb im Jahre 1990 mit nur 28 Jahren bei einem Autounfall, sein Freund Mike Naumenko nur ein Jahr später an den Folgen einer Hirnblutung. Da besagte Erinnerungen von Natalia vor allem positiver Natur sind, haben sich bereits kurz nach der Premiere die kritischen Stimmen erhoben. Ehemalige Bandmitglieder behaupteten das gewisse Dinge anders geschehen seien, was man dann wohl als künstlerische Freiheit von Regisseur Kirill Serebrennikov so hinnehmen muss.

LetoObwohl inhaltlich nicht alles der Wahrheit entspricht, zieht „Leto“ seinen Sog aus der unbeschreiblichen Wucht der damaligen Jugend, die unter einem strengen System und stets präsenter Kontrolle aufwuchsen und dennoch das Beste aus ihrem Leben gemacht haben. Ganz in Schwarz-Weiß-Bilder gehalten beginnt „Leto“ an diesem magischen Sommertag, als Viktor Zsoi bei Mike Naumenko vorspielen durfte, dieser ihm mit angehaltenem Atem zugehört hat und einige Tipps zu den Songtexten gab. Eine Freundschaft war geboren, gleichwohl befindet sich der Zuschauer in einem Strudel umwerfender Musik, weiß dieser doch sofort, dass man ein echtes Talent vor sich hat.

In den folgenden zwei Stunden folgen Details aus der Karriere beider, etwas zu der sich anbahnenden Beziehung zwischen Natalia und Viktor und natürlich jede Menge Musik, die stets von den russischen Behörden abgenickt werden musste. Drogen waren damals Tabu, dafür floss der Wodka in rauen Mengen, wenn beide des Abends im Wohnzimmer zusammen saßen, westliche Musik von David Bowie, Bob Dylan und Blondie hörten und dabei versuchten ihren ganz eigenen Stil zu finden.

Wie eingangs erwähnt entspricht nicht alles der Wahrheit, wofür Regisseur Kirill Serebrennikov einen ungemein interessanten Kniff gefunden hat. Immer wieder werden recht wilde und sehr turbulente Szenen gezeigt, bis plötzlich ein Erzähler ins Bild tritt und auf einem Schild ganz knapp vermittelt, dass dies in dieser Form alles gar nicht passiert sei.

Im Hinblick auf die Darsteller hat Kirill Serebrennikov alles richtig gemacht, denn nicht nur das Teo Yoo optisch wie Viktor Zsoi aussieht, er vermittelt auch haargenau dessen Lebensgefühl und bringt die Songs über die Probleme in der damaligen Sowjetunion wunderbar herüber.

Mit „Leto“ setzt Regisseur Kirill Serebrennikov der russischen Band Kino und dessen Sänger Viktor Zsoi ein einmaliges Denkmal. Beinahe beiläufig vermittelt dieser das Lebensgefühl, wie es als Jugendlicher war in der Sowjetunion der 1980er Jahre aufzuwachsen. Großes Kino und sehr zu empfehlen.

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Copyright: Hype Film Kinovista 2018

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Länge: 126 min

Kategorie: Biography , Music , Romance

Start: 08.11.2018

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 126 min
Kategorie: Biography , Music , Romance
Start: 08.11.2018

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