cinetastic.de - Living in the Cinema

Gegen den Strom

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. September 2018

Gegen den Strom

Mit seinem Debütfilm „Von Menschen und Pferden“ begeisterte der Isländer Benedikt Erlingsson die Zuschauer auf zahlreichen Festivals, doch wo diese durchaus angetan von seinem Werk waren, wurden ihm in seinem Heimatland die Vorwürfe entgegengebracht, aufgrund der Erzählstruktur keinen Film für den normalen Kinogänger gedreht zu haben. In seinem Drama „Gegen den Strom“ setzt er erstmalig auf eine gradlinige Erzählstruktur, doch kann er damit tatsächlich den hohen Erwartungen gerecht werden?

Gegen den StromDie 50-jährige Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) ist eine warmherzige ältere Dame, doch neben ihrem Job als Chorleiterin hat sie noch eine ganz andere Seite. In ihrer Freizeit kämpft sie gegen große Industriekonzerne, wenn sie unter dem Pseudonym „The Woman of the Mountain“ gezielt Infrastruktur beschädigt, um so ganze Produktionen zum Erliegen zu bringen. Seit neustem hat es Halla auf die Aluminiumproduktion in ihrem Land abgesehen, denn mit der gezielten Sabotage von Stromleitungen kann man ganze Gebiete vom Stromnetz trennen.

Leider bringt ihr dieses Handeln nicht nur positive Stimmen entgegen, denn obwohl niemand etwas von ihr weiß, mehren sich doch die Stimmen, die in ihr eine waschechte Terroristin sehen. Wie aber sollte man sonst gegen solch große Konzerne vorgehen, um den Planeten zu retten? Ein erster Erfolg soll sich schon bald einstellen, denn nachdem die Regierung einen Deal mit chinesischen Investoren überdenkt, scheint sie ihrem Ziel nahe zu sein. Nur noch ein allerletzter Anschlag, doch auf einmal wird ihr ein Adoptivkind in Aussicht gestellt. Kann sie ihren Wunsch noch ein letzten Mal Mutter zu werden tatsächlich mit ihrem Hobby vereinbaren?

Gegen den StromIm direkten Vergleich mit seinem Erstlingswerk „Von Menschen und Pferden“ sieht man auch im neusten Film des Isländers Benedikt Erlingsson viele Gemeinsamkeiten. Beides sind Heldengeschichten, in beiden Filmes gibt es eine starke Figur im Mittelpunkt der Geschichte und in beiden Filmen steht die Natur an zweiter Stelle, wird diese doch wunderbar in Szene gesetzt. Diesmal gestaltet sich jedoch vieles anders, denn Erlingsson setzt in „Gegen den Strom“ nicht nur auf eine gradlinige Erzählstruktur, er bedient sich auch Elementen der Komödie.

Das „Gegen den Strom“ aber alles andere als witzig ist, sagt schon das überaus ernst gemeinte Thema. Eine ältere Dame die alleine gegen große Konzerne kämpft, eine David gegen Goliath Situation bei der Halla als Verliererin eigentlich bereits vorgezeichnet ist. Hier ist allerdings alles anders, denn Halla wehrt sich mit kleinen Nadelstichen, läuft nicht selten um das eigene Überleben und bekommt manchmal sogar unerwartet Hilfe, könnte in Island doch jeder mit jedem Verwand sein. Egal ob sie Stahlseile mit einem Bogen über die Stromleitungen schießt, ganze Strommasten in die Luft sprengt, Halla scheint von ihrem Handeln überzeugt zu sein. Genau an dieser Stelle tritt allerdings auch die fragwürdige Aussage des Films zu Tage, denn ist Ökoterrorismus tatsächlich erlaubt, wenn man für das Wohl des Planeten kämpft?

Gegen den StromHalla wird von Benedikt Erlingsson stets als Heldin in den Mittelpunkt gestellt, deren Handeln wird zu keiner Zeit hinterfragt, vielmehr unterstützt dieser es noch, wenn es sie immer wieder entkommen lässt. Halla wird von der Polizei durch die karge Landschaft verfolgt, Drohnen kreisen in der Luft, Hubschrauber sind stets präsent, doch Halla versteckt sich selbst in der kleinsten Spalte zwischen den zahlreichen Felsen. Zugegeben, die Geschichte ist interessant, weiß mit vielen netten Ideen zu gefallen, stolpert dann aber über die eigene Botschaft, die man auf keinem Fall so stehen lassen darf.

Lässt man diesen Aspekt einmal außer Acht, so gefällt „Gegen den Strom“ vor allem mit seinen vielen kleinen Einfällen, die man durchaus als Alleinstellungsmerkmal bezeichnen darf. Ein farbiger Tourist der auf seinem Fahrrad Island erkundet wird ständig zu Unrecht verhaftet (wirklich böser Humor, aber selbst nach der dritten Verhaftung noch immer witzig), eine Blaskapelle spielt ständig im Hintergrund die Filmmusik und auch die Landschaftsaufnahmen von Kameramann Bergsteinn Björgúlfsson stehen für sich, sind diesem doch wirklich einzigartige Aufnahmen gelungen.

Darüber hinaus muss man aber auch die großartige Darbietung von Hauptdarstellerin Halldóra Geirharðsdóttir erwähnen, die sich mit vollem Körpereinsatz durch die karge Landschaft kämpft und sportlich einiges zu absolvieren hatte.

Der Isländer Benedikt Erlingsson präsentiert mit „Gegen den Strom“ einen interessanten zweiten Spielfilm, der durch seine verschiedenen Elemente zu gefallen versteht, mit seiner – fragwürdigen – Botschaft aber durchaus bei einigen Zuschauern anecken könnte.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Pandora

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Gegen den Strom

Länge: 101 min

Kategorie: Action , Thriller

Start: 13.12.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Gegen den Strom

Gegen den Strom

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 101 min
Kategorie: Action , Thriller
Start: 13.12.2018

Bewertung Film: (6,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten