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Der Trafikant

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 29. September 2018

Der Trafikant

Der Österreicher Nikolaus Leytner ist seit über 35 Jahren im Filmgeschäft, kann auf eine eindrucksvolle Filmografie zurückblicken und war dennoch lange Zeit nur im Bereich der Fernsehunterhaltung zu finden. Nach „Der Fall des Lemming“ (2009) wurde ihm nun erneut das Vertrauen für einen größeren Film ausgesprochen und so widmete sich Leytner dem gleichnamigen Roman von Robert Seethaler.

Der TrafikantWien im Jahre 1937: Nachdem der Liebhaber seiner Mutter bei einem Badeunfall verstorben ist, kann der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) nicht länger in dessen Unternehmen arbeiten. Stattdessen schickt sie ihn nun zur Lehre nach Wien, wo Franz von Otto Trsnjek (Johannes Krisch) in der Kunst des Trafikanten unterrichtet werden soll. In dem kleinen Laden werden Zigarren, Tageszeitungen, Postkarten und allerhand weiterer Kram für das tägliche Leben verkauft, wobei Otto sehr viel Wert auf den persönlichen Kontakt mit dem Kunden legt. Unter eben diesen befindet sich auch der Psychoanalytiker Sigmund Freud (Bruno Ganz), zu dem Franz fortan eine ganz besondere Freundschaft unterhalten wird.

Eben dieser ist nämlich sein Ansprechpartner in Sachen Liebe, denn Franz hat auf einer Kirmes ein umwerfendes Mädel mit einer Zahnlücke kennengelernt, die plötzlich weg war. Seitdem suche er diese und kann vor lauter Liebeskummer nicht mehr schlafen. Besagte junge Frau stellt sich schon bald als Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) heraus, doch wo ihm dessen Arbeit egal zu sein scheint, erscheint am Horizont ein drohendes Unheil. Die Nazis scheinen nach Wien einmarschieren zu wollen, woraufhin sich Franz zwischen der Liebe und der Zivilcourage entscheiden muss.

Der TrafikantBasierend auf dem Roman des österreichischen Autors Robert Seethaler aus dem Jahr 2012, gelingt Regisseur Nikolaus Leytner (Landkrimi: Der Tote im See) und seinem Co-Autor Klaus Richter (Jud Süss – Film ohne Gewissen) eine sehr detailgetreue Adaption des gleichnamigen Romans, bei dem Leytner alle wichtigen Stationen abarbeitet. Neben einer kurzen Einführung rund um Franz Huchels Elternhaus, geht es in erster Linie um dessen Zeit in Wien, wo er eine Lehre als Trafikant bei Otto Trsnjek absolvierte.

Im Mittelpunkt stehen dabei gleich drei Bezugspersonen von Franz, denn wo der einbeinige Otto ihm das Geschäft und den Umgang mit Kunden lehrt, unterrichtet ihn der Psychoanalytiker Sigmund Freud in der Liebe, ist er doch mit allerhand Ratschlägen stets zur Stelle. Die dritte und letzte Bezugsperson ist die Varietétänzerin Anezka, die tagsüber als Haushaltshilfe tätig ist und des nachts als Indianermädchen tanzt.

Der TrafikantInhaltlich streift Nikolaus Leytner und Autor Klaus Richter gleich eine ganze Hand voller unterschiedlicher Themen, denn wo man „Der Trafikant“ durchaus auch als Coming-of-Age Geschichte verstehen könnte, ist es gleichwohl eine kleine Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse. Das drohende Unheil in Form der Nazis am Horizont, der Fleischer der abgehackte Hühnerköpfe und Innereien in die Trafik wirft und nicht zuletzt die Hetze gegen Otto, kaufen bei ihm doch durchaus auch Juden ein.

Untermalt wird dies sehenswert durch visuell anschauliche Träume von Franz, die oft das genaue Gegenteil der Realität wiederspiegeln. In diesem Träumen ist er oftmals der Held der sich erheben kann, der dem Kneipeninhaber auf die Nase haut oder seine Angebetete beschützen kann, wenn es darum geht diese von den bösen Nazi Schergen zu befreien. Gleichwohl sind die Träume aber auch Hinweise auf ein drohendes Unheil, was er im Laufe des Films zu analysieren versucht, wenn er seine Träume und Gedanken ausformuliert und auf die Fensterscheibe der Trafik klebt.

Hinsichtlich des Visuellen ist „Der Trafikant“ unglaublich rein und sauber, wodurch vieles wie auf der Theaterbühne wirkt. Am deutlichsten tritt dies bei den Straßen und Gassen zu Tage, wo weder Schmutz noch Abfälle zu sehen sind, was in den 1930er Jahren dann doch sehr ungewöhnlich war. Im Bereich des Hauptdarstellers hat man mit Simon Morzé (Einer von uns) alles richtig gemacht, denn dieser meistert seine Figur souverän und vermag insbesondere im Bereich des Liebeskummers zur Böhmin Anezka und seinem späteren Einsatz für Otto zu überzeugen. Großes Darstellerkino, das jedoch von manch unverständlicher Traumsequenz getrübt wird.

Mit „Der Trafikant“ ist Nikolaus Leytner eine gelungene Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Seethaler gelungen. Grade in der heutigen politischen Zeit absolut einen Blick wert.

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Copyright: Tobis

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Der Trafikant

Länge: 114 min

Kategorie: Drama

Start: 01.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 114 min
Kategorie: Drama
Start: 01.11.2018

Bewertung Film: (7/10)

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