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An Elephant Sitting Still

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. September 2018

An Elephant Sitting Still

Auf der Suche nach unbekannten Filmperlen führt kaum ein Weg an der Sektion Forum der Berlinale vorbei. Auch in diesem Jahr gab es zahlreiche – mehr oder weniger – gelungene Erstlingswerke und diesen einen Film, der dann doch nachhaltig in Erinnerung verblieb. Die Rede ist von „An Elephant Sitting Still“, einem vierstündigen Meisterwerk, das sich durch Tristesse, einzigartige Bilder und einer Momentaufnahme der chinesischen Mittelschicht auszeichnet.

An Elephant Sitting StillDer chinesische Regisseur Hu Bo dürfte einigen wenigen als Autor bekannt sein, noch wesentlich weniger Interessierte kennen seine beiden Kurzfilme, mit „An Elephant Sitting Still“ gab er nun sein Spielfilmdebüt, dessen Premiere Bo leider nicht mehr selbst erlebte. Hu Bo verstarb mit nur 29 Jahren an der Folge eines Suizids, bei der diesjährigen Premiere auf der Berlinale nahm stattdessen seine Mutter teil, die sichtlich berührt von den Zuschauern war.

Worum geht es in diesem Film aber überhaupt? Es geht um vier ganz individuelle Schicksale in einer kleinen Stadt, die alle nichts miteinander zu tun haben, im Laufe der vier Stunden aber ineinander übergehen werden. Hu Bo erzählt seine Geschichte an einem einzigen Tag, denn er beginnt bei Sonnenaufgang und endet bei Sonnenuntergang. In dieser Zeit berichtet er von einem Elefanten in der Stadt Manzhouli, der seine Umgebung ignoriert und einfach nur so da sitzt.

An Elephant Sitting StillBesagter Elefant wird allerdings nie wirklich gezeigt, denn er steht vielmehr sinnbildlich für eine bessere Zukunft, für Hoffnung, für ein Ziel irgendwo am Horizont, möchte man doch so sehr etwas Besseres aus seinem Leben machen. Da haben wir ein Mädchen das eine Beziehung zu einem Lehrer unterhält, um vom Alltag zuhause zu fliehen. Da haben wir einen älteren Mann der von seiner Familie in ein Altersheim abgeschoben werden soll, einen jungen Mann der von einem Schlägertrupp verfolgt wird und einen Gangster, der mit dem Tod eines guten Freundes zurechtkommen muss.

Sie alle kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, doch haben sie alles eines gemeinsam. Sie versuchen ihrem jetzigen Leben zu entfliehen, sie sitzen fest, gleichwohl existiert der Wunsch nach etwas Besserem, um jenem Kreislauf zu entfliehen, der sie alle unweigerlich mit in den Abgrund ziehen wird. Inmitten der Hochhäuser wohnen sie, namenlosen Gebäuden ohne Seele, vor denen der Müll nur unregelmäßig abgeholt wird und wo sich der faulende Geruch in den Mauern vergräbt.

An Elephant Sitting StillEben diese Trostlosigkeit, diese Perspektivlosigkeit und das Fehlen jedweder Hoffnung versucht Hu Bo mit einer Vielzahl an grauen Bildern auszudrücken, über die ganzzeitlich eine Art Schleier liegt und die sich zuweilen mit einer deutlichen Unschärfe auszeichnen. Die Bilder mögen am Anfang unbeholfen wirken, zuweilen fast schon amateurhaft, doch kann man sich diesen und dem dadurch entstehenden Sog kaum entziehen. Zugegeben, die erste Stunde kann anstrengend sein, womöglich werden sogar einige Zuschauer das Kino verlassen, doch wenn man bereit ist sich auf diesen Film einzulassen, wird man mit einem einzigartigen Erlebnis belohnt.

Mit seinem vierstündigen Spielfilm „An Elephant Sitting Still“ präsentiert Hu Bo ein einzigartiges Werk, dass sich nicht nur durch seine Erzählstruktur, sondern vor allem durch seine Bildkompositionen auszeichnet.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Arsenal Berlin

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An Elephant Sitting Still

Länge: 230 min

Kategorie: Drama

Start: 15.11.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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An Elephant Sitting Still

An Elephant Sitting Still

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 230 min
Kategorie: Drama
Start: 15.11.2018

Bewertung Film: (8/10)

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