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Wildhexe

Geschrieben von Peter Gutting am 24. August 2018

Wildhexe

Seit mehr als 40 Jahren schreibt die Dänin Lene Kaaberbol Bücher, vorwiegend Fantasy-Märchen, meist für Kinder. Hierzulande wurde sie bekannt, als 2014 der erste Band ihrer „Wildhexen“ auf Deutsch erschien. Sie entwirft darin ganz eigene Welten, ohne einfach nur bekannte Sagen und Märchen zu adaptieren. Jetzt wurde die bislang sechs Bände umfassende Buchserie von ihrem Landsmann Kaspar Munk verfilmt. Der Regisseur spielt dabei mit der langen Tradition des Gruselkinos und traut der kindlichen Zielgruppe einiges zu, ohne sie jedoch zu überfordern.

WildhexeWo das Böse haust, ist es kalt und unwirtlich. Lange fliegt die Kamera über imposante Wälder und grandiose Landschaften, bis sie irgendwo im hohen Norden ankommt. Eine schwarz verhüllte Gestalt treibt hier ihr Unwesen im Schneegestöber. Mit dunklen Worten beschwört sie eine zugefrorene Wasserstelle. Wer dort aus der Tiefe antwortet, bleibt mysteriös. Klar wird nur: Die finsteren Wesen wollen Blut lecken.

Ganz anders die Welt von Clara (Gerda Lie Kaas). Die 12-Jährige wächst behütet bei ihrer Mutter Mille (Signe Egholm Olsen) auf. Es ist Sommer, ein warmes Licht liegt über dem Städtchen. Alles so idyllisch und aufgeräumt, wie man sich eine wohlgeordnete dänische Gemeinde vorstellt. Wenn es nach Clara ging, könnte das Leben so bleiben. Aber wer seinen 12.Geburtstag gefeiert hat, steht vor großen Herausforderungen und Veränderungen. Statt jedoch nun in ein klassisches Pubertätsdrama abzubiegen, beschreitet Regisseur Munk den fantastischen Weg seiner Vorlage. Von Anfang an sät er Zweifel an der wohlgeordneten Wirklichkeit, kleine Geheimnisse, beiläufige Sinnestäuschungen, merkwürdige Begegnungen.

WildhexeRichtig dramatisch wird es allerdings erst, als Clara von einer schwarzen Katze gekratzt wird und in tagelanges Fieber fällt, gegen das die üblichen Antibiotika wirkungslos sind. In ihrer Not ruft die Mutter Claras Tante Isa (Sonja Richter) zu Hilfe. Die rührt einen eklig schmeckenden Zaubertrank zusammen, der auf der Stelle hilft. Denn Isa, von der Clara zuvor nicht einmal ahnte, dass es sie gibt, führt ein Leben als Wildhexe. Fernab der Zivilisation hilft sie Tieren in Not und wacht so über die „Wilde Welt“, die durchaus in Gefahr ist. Clara will da nicht hin, aber nur Isa kann ihr helfen, ihre wahre Bestimmung zu erkennen.

Tiere sind in einem Kinderfilm fast so etwas wie eine Erfolgsgarantie. In „Wildhexe“ schaltet ein Huhn zum Frühstück das Radio an, spielen Katzen und Eulen Schutzengel, und sogar ein ausgewachsener Bär schaut mal vorbei, um „Hallo“ zu sagen. Auch die anderen Motive des Kinderfilms sind nahezu vollständig versammelt: Freundschaft, Bewährungsproben, Abenteuer. Doch das Besondere an der Wildhexe sind der Thrill und die Besonderheiten von Isas Welt, die Clara nach und nach kennenlernt. Würde man deren Leben auf die bloße Wildhüterfunktion reduzieren, wäre man schnell bei einem Öko-Märchen und hätte das Ganze in eine Schublade gesteckt. Doch die fantastische Welt der Bücher und des Films hat einen Mehrwert. Ja, der Öko-Touch schwirrt schon irgendwo rum, aber es steckt auch eine Magie in diesem Wildhexen-Universum, die sich nicht eins zu eins ausdeuten lässt. Dunkle Mächte haben darin ihren Platz, Urängste und die Tiefen des Unbewussten.

WildhexeNicht von ungefähr inszeniert Kaspar Munk die unbekannte Gefahr so, wie man es aus dem Thrillergenre kennt. Die Kamera erkundet endlos scheinende Höhlen, schwindelerregende Tiefen und besonders gern den Flug der Vögel. Selbst den Erwachsenen wird beim schrittweisen Erkunden dieser mythischen Welt nicht langweilig, sodass „Wildhexe“ mit Fug und Recht als Familienfilm durchgehen kann. Beachten sollte man allerdings das Alter der Kinder. Der Film ist bei der Freiwilligen Selbstkontrolle für eine Freigabe ab sechs Jahren eingereicht. Das ist sinnvoll und unvermeidlich, weil die nächst höhere Kategorie erst ab zwölf beginnt. Wirklich geeignet dürfte der Film aber erst ab acht bis zehn sein.

„Wildhexe“ ist ein spannender, manchmal gruseliger Kinder- und Familienfilm, der in das ganz eigene Universum der guten, die Natur beschützenden Hexen eintaucht. Und in das ihrer Gegenspieler: dunkle, gesichtslose, zerstörerische Mächte. Regisseur Kaspar Munk bedient sich über weite Strecken bei der Bildsprache und den dramaturgischen Kniffen des Thrillers. Und schlägt damit auch Erwachsene in ihren Bann.

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Wildhexe

Länge: 90 min

Kategorie: Family, Fantasy

Start: 25.10.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Wildhexe

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 90 min
Kategorie: Family, Fantasy
Start: 25.10.2018

Bewertung Film: (7/10)

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