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Safari – Match Me If You Can

Geschrieben von Peter Gutting am 28. August 2018

Safari - Match Me If You Can

Für Komödien ist der Münchner Regisseur Rudi Gaul bisher nicht bekannt. Eher für Beziehungsstudien in engen Räumen, wie „Das Zimmer im Spiegel“ (2009) oder „ Das Hotelzimmer“ (2014). Die Beobachtungsgabe für feine zwischenmenschliche Schwingungen zeichnete auch seine Musikdoku „Wader Wecker Vater Land“ (2011) aus. Daher überrascht es nicht, dass auch Gauls erster Ausflug in den Mainstream-Humor keinen derben Klamauk veranstaltet, sondern genau hinsieht auf das Paarungsverhalten von abenteuerlustigen Großstädtern.

Safari - Match Me If You CanNach einer stürmischen Nacht im Hotel: Die junge Lara (Elisa Schlott) räkelt sich in den Laken und schaut dem deutlich älteren Harry (Justus von Dohnány) beim Anlegen seiner schmucken Uniform zu. Die wievielte Frau im wievielten Hotelbett sie eigentlich sei, will das Social-Media-Sternchen vom angeblichen Piloten wissen. Und ob er nicht auch manchmal von einem Himmelbett träume, in dem eine treusorgende „Co-Pilotin fürs Leben“ auf ihn warte. Der coole Weltenbummler jedoch hat wenig Lust auf ein Wiedersehen mit dem jungen Ding. „Wenn du jeden Tag nur das Blaue vor dir siehst, bist du überall zu Hause“. Umso frappierender dann der Schnitt auf den Playboy, wenn er allein die Straße langgeht und ein paar Streifen von Mütze und Ärmel abzieht. Im Handumdrehen verwandelt sich der Poser so in einen bodenständigeren Mitarbeiter des Transportwesens. Genauer gesagt in einen Busfahrer.

Safari - Match Me If You CanZusammengekommen sind die beiden durch eine App, die als fiktive Überspitzung der Verabredungsplattform „Tinder“ gelten kann. Sie verspricht, den perfekt passenden Partner zu finden, sexuelle Vorlieben inklusive. Aber irgendwie klemmt es bei „Safari“, wo jeder sich ein zu ihm passendes Tiersymbol wählt und dann auf Pirsch geht. Was als Hochglanzversion des eigenen Egos mit dem entsprechenden Selbstentwurf eines idealen Partners zusammenpassen mag, bleibt in der analogen Realität der One-Night-Stands so peinlich und enttäuschend wie einst bei Arthur Schnitzlers Skandalkomödie „Der Reigen“. Diesen Stoff wollte Rudi Gaul vor zehn Jahren schon einmal in die Moderne übersetzen. Nur fehlte ihm damals die zündende Idee. Die hat er nun in der immer groteskeren Selbststilisierung durch die sozialen Medien gefunden. Digitaler Schein trifft analoges Sein, heißt die Devise. Sie liefert den Stoff für sieben wundervoll missglückte Sex-Episoden, in denen sich zugleich ein ganzes Gesellschaftspanorama spiegelt. Ob jung oder alt, arm oder reich, gebildet oder naiv – bei der Begegnung der Körper sind alle gleich. Will sagen: ebenso unbeholfen und peinlich berührt.

Safari - Match Me If You CanEs schwingt also einiges mit von der Parodie der Vorlage auf Doppelmoral, Sexualtrieb und den Streichen, die das Unbewusste dem vermeintlich selbstbestimmten Ego spielt. Aber Gaul und seine Drehbuchcoautorin Friederike Klingholz wollten ganz offensichtlich keine besserwisserische Zeitgeistdiagnose abliefern. Dass man über die Verführung durch die sozialen Medien ein wenig nachsinnen kann – schön und gut. Aber vor allem will „Safari – Match me if you can“ dem Affen Zucker geben. Und die Situationskomik aus hoffnungslos fehlgeleiteten Sehnsüchten herauskitzeln.

Neben dem Tempo und dem Timing kommt es dabei vor allem auf die Schauspieler an. Der Regisseur verlässt sich nur zum Teil auf komödiantische Routiniers wie Sebastian Bezzel, der etwa in „Sauerkrautkoma“ einen herrlich abgehalfterten Dorfpolizisten abgibt – und der hier als überforderter, in Zeitnot steckender Vater einen unvergleichlich lakonischen Satz formuliert. „Ich wär‘ dann soweit“, sagt er kurz vorm Autosex, während sich seine abenteuerlustige Gespielin noch mit dem Vordersitz und den mitgebrachten Handschellen abrackert, um sich unbedingt in die richtige – unterwürfige – Stellung zu bringen.

Diese „Mona“ wird gespielt von Juliane Köhler, also eigentlich von einer Dramenspezialistin, die aber hier einmal ihre komödiantische Seite ausleben darf. Rudi Gaul hat ihr die dankbarste der neun Hauptrollen zugedacht. Absolut köstlich, wie sie als 48-jährige Alleinerziehende die Welt der Datingapps entdeckt, nachdem sie jahrelang nur das Hausmütterchen spielen durfte. Juliane Köhler wechselt in Sekundenschnelle von Entsetzen zu Neugier, von peinlicher Berührtheit zu drastischem Draufgängertum. Mit wenigen Strichen wird aus der Karikatur ein vollständiger Charakter – ein Kunststück, dass auch einige andere Darsteller vollbringen, Max Mauff etwa oder Friederike Kempter.

Regisseur Rudi Gaul wagt mit „Safari – Match me if you can“ den Sprung von kleinen Autorenfilmen zu einer Mainstream-Produktion mit bekannten Schauspielern. Dabei kommt ihm sein Gespür für die feinen Schwingungen in zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso zugute wie der erkennbare Wille, einmal so richtig auf die Komödienpauke zu hauen. Zwischen hoher Gagdichte und rasanten Verwicklungen wirkt die lockere Bezugnahme auf Arthur Schnitzlers „Der Reigen“ jedoch keineswegs aufgesetzt.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Concorde

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Safari - Match Me If You Can

Länge: 109 min

Kategorie: Comedy

Start: 30.08.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Safari - Match Me If You Can

Safari – Match Me If You Can

Geschrieben von Peter Gutting

Länge: 109 min
Kategorie: Comedy
Start: 30.08.2018

Bewertung Film: (7/10)

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