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Glücklich wie Lazzaro

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 21. August 2018

Glücklich wie Lazzaro

In einer rundum gerechten Welt würde jeder gern leben, doch wo der Staat künstlich mit Gesetzen eingreift, obsiegt doch auch heute noch die List weniger, um viele – unwissende – auszubeuten. Filmemacherin Alice Rohrwacher berichtet in „Glücklich wie Lazzaro“ von solchen Strukturen und spricht beinahe beiläufig die großen Probleme der italienischen Gesellschaft an.

Glücklich wie LazzaroInviolata, ein abgeschiedenes Landgut im italienischen Nirgendwo. Hier herrscht die gnadenlose Marquesa Alfonsina de Luna (Nicoletta Braschi) mit harter Hand über ihre unzähligen Arbeiter, denn obwohl die Leibeigenschaft bereits schon lange abgeschafft und gesetzlich verboten ist, wissen diese davon doch nichts. Sie schuften auf den Feldern, bauen Tabak an, welcher wiederrum vom Verwalter abgeholt wird. Beim Preis werden die Landarbeiter gnadenlos über den Tisch gezogen, denn wo dieser sowieso schon recht niedrig angesetzt wird, werden davon wiederrum zahlreiche Gelder abgezogen, wodurch der Schuldenberg weiter ansteigt und eine Abhängigkeit entsteht.

Unter besagten Landarbeitern befindet sich der etwa 18-jährige Lazzaro (Adriano Tardiolo), den man als guten Menschen in Person beschreiben kann. Er hilft wo er nur kann, wird ausgenutzt, doch hilft gern weiter, weil er nicht anders kann. Eines Tages kommt Tancredi (Luca Chikovani) zu Besuch, der das Treiben seiner Mutter ganz genau kennt. Er freundet sich mit Lazzaro an, täuscht eine Entführung vor, woraufhin die Polizei eingeschaltet wird. Diese deckt schließlich die ungeheuren Zustände auf dem Landgut auf, doch auf einmal fehlt von Lazzaro jede Spur.

Glücklich wie LazzaroNach „Corpo Celeste“ und „Land der Wunder“ präsentiert Filmemacherin Alice Rohrwacher mit „Glücklich wie Lazzaro“ nun ihren dritten Spielfilm, der bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes direkt mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Inhaltlich bezieht sie sich dabei lose auf einem Vorfall in ihrem Heimatland, wo in den 1980er Jahren tatsächlich ein Landgut entdeckt wurde, auf dem die Leibeigenschaft nach wie vor stattgefunden hat.

Gefilmt in 16mm ist „Glücklich wie Lazzaro“ eine Art kleines malerisches Märchen, bei dem jedoch deutliche Gesellschafts- und Sozialkritik durchkommt. Die Arbeitnehmer werden ausgebeutet, übers Ohr gehauen, diese wiederrum nutzen Lazzaro aus, wodurch sich die Ausbeutung durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht. Lazzaro ist als etwas Magisches zu verstehen, als Gutmensch, als jemand der stets das richtige macht, um andere wiederrum zu helfen. Von Zeit zu Zeit sieht man Gegenstände aus den unterschiedlichsten Epochen, wodurch ein zeitlicher Ablauf grob zu erkennen ist, Alice Rohrwacher aber auf weitere Erklärungen weitestgehend verzichtet.

Glücklich wie LazzaroDurch einen großen zeitlichen Sprung in der Mitte des Films wird ein Umbruch vollzogen, bei dem etwas Schreckliches passiert, an dieser Stelle aber nicht mehr dazu gesagt werden soll. Dadurch tritt eine Veränderung ein, welche wiederrum deutlich machen soll, dass besagte Ausbeutung von anderen damals wie heute passiert. Hatte man früher die Landarbeiter auf dem eigenen Gut ausgenutzt, fragt man heute nach billigen Arbeitnehmern. In einer kurzen Einstellung ist eine Auktion zu sehen, bei der ein Vorarbeiter Helfer für einige Stunden benötigt. Das Einstiegsangebot beginnt bei 4€ pro Stunde, wer bietet weniger?

Neben der Abbildung vorhandener gesellschaftlicher Strukturen liegt Alice Rohrwacher aber auch viel an den Grundproblemen Italiens, die hier beiläufig zur Sprache kommen. Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit der Menschen und nicht zuletzt die Perspektivlosigkeit, die insbesondere unter jüngeren zu finden ist.

Mit „Glücklich wie Lazzaro“ präsentiert Filmemacherin Alice Rohrwacher eine magische Geschichte, bei der sie mit Sozial- und Gesellschaftskritik auf die Grundprobleme ihres Heimatlandes aufmerksam zu machen versucht.

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Glücklich wie Lazzaro

Länge: 125 min

Kategorie: Drama

Start: 13.09.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Glücklich wie Lazzaro

Glücklich wie Lazzaro

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 125 min
Kategorie: Drama
Start: 13.09.2018

Bewertung Film: (7/10)

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