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Vollblüter

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. Juli 2018

Vollblüter

Als Cory Finley im Januar des letzten Jahres sein Regiedebüt „Vollblüter“ auf dem Sundance Film Festival vorstellte, war die Begeisterung des Publikums groß. Seitdem geht der Film auf den unterschiedlichen Festivals um den Globus, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und ist nun mehr als anderthalb Jahre nach seiner Premiere endlich im deutschen Kino zu sehen. Das Warten hat sich gelohnt, denn Finley ist ein starker Debütfilm gelungen.

VollblüterDie beiden Schülerinnen Lily (Anya Taylor-Joy) und Amanda (Olivia Cooke) waren vor vielen Jahren einmal beste Freundinnen, doch als Lilys Vater plötzlich starb, haben sich beide auseinandergelebt. Nun plötzlich wird Amanda von Lily nach Hause eingeladen, um bei den Hausaufgaben zu helfen, doch was Amanda anfangs noch nicht weiß, ist, dass Lily dafür von ihrer Mutter bezahlt wird. Die beiden freunden sich erneut an, lernen sich zu vertrauen und Geheimnisse zu teilen.

Eines Tages droht Lilys Stiefvater Mark (Paul Sparks) damit, sie auf eine Privatschule für schwer erziehbare Mädchen zu schicken, woraufhin sich in Lily ein grauenhafter Plan manifestiert. Schon länger überlegt sie ihren Vater umbringen zu lassen, warum dies also nicht einfach in die Tat umsetzen? Bei einer Party wird dafür der Drogendealer Tim (Anton Yelchin) verpflichtet, doch kann man mit diesem Wrack tatsächlich einen Mord verwirklichen?

VollblüterWenn ein Film von Festival zu Festival reist, dort zahlreiche Auszeichnungen erhält und dennoch kein Starttermin für die Kinoauswertung bekannt wird, stimmt in der Regel etwas nicht. Ist der Film nur für das anspruchsvolle Arthouse-Kino geeignet? Hat er andere Probleme oder findet sich einfach kein Verleih, weil es Schwierigkeiten mit den Rechten gibt? Im Falle von „Vollblüter“ lässt sich dies leider nicht auf die Schnelle erklären, wichtig ist nur, dass wir ihn endlich sehen dürfen.

Um es bereits jetzt auf den Punkt zu bringen, „Vollblüter“ ist ein Meisterwerk, ein verdammt cooles noch dazu. Eingeteilt in gleich vier Kapitel werden wir mit zwei jungen Damen der Oberschicht konfrontiert, die im Grunde alles haben. Sie sind reich, ihre Eltern lesen ihnen jedweden Wunsch von den Lippen ab und dennoch haben beide ein großes Problem. Amanda kann absolut nichts fühlen, Lily dagegen fühlt zuviel, weswegen sie erst vor kurzem erneut von der Schule geflogen ist.

VollblüterBeide verstehen sich auf Anhieb, wissen sich zu ergänzen, gleichwohl weiß man als Zuschauer nie, wer nun eigentlich wen beeinflusst. Versucht Amanda ihre neue Freundin davon zu überzeugen ihren Stiefvater zu töten? Gibt Lily das Dummerchen, damit Amanda die eigentliche Tat begeht? Was hat es eigentlich mit dem Pferd auf sich, das bereits in der ersten Szene zu sehen war und auf das sich der Titel des Films beziehen könnte? Fragen, die erst mit der Zeit beantwortet werden, gleichwohl aber auch Fragen, bei denen der Zuschauer durch jedes Puzzlestück ein wenig mehr rund um das Leben der beiden Figuren erfährt.

Stilistisch wird dieses einmalige Drama in wunderschönen Bildern von Kameramann Lyle Vincent eingefangen, der erst kürzlich für die einmaligen Schwarz-Weiß-Bilder von „A Girl Walks Home Alone at Night“ verantwortlich war. Lyle Vincent fängt die Oberschicht ein, nimmt sich Zeit, wenn die Kamera durch die pompösen Zimmer fährt, konzentriert sich gleichwohl aber auch auf die Gesichter der Beteiligten, in denen oftmals keinerlei Regung abzulesen ist.

Für Anya Taylor-Joy (The Witch) und Olivia Cooke (Ready Player One) zweifelsohne eine Herausforderung, diese beiden ungleichen Figuren zu spielen, andererseits absolvieren sie dies mit Bravur, sind beide doch bis zuletzt kaum zu durchschauen. Bei alledem hat Olivia Cooke die meiste Zeit leicht die Oberhand, was der Zuschauer spätestens dann bestätigen wird, wenn das Geheimnis rund ums Pferd gelüftet wird.

Mit „Vollblüter“ gelingt Cory Finley ein intensives Drama über zwei Außenseiterinnen der Oberschicht. Während Anya Taylor-Joy und Olivia Cooke eine bemerkenswerte Performance abliefern, gelingt Kameramann Lyle Vincent eine einmalige Bildkomposition. Absolut zu empfehlen!

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Vollblüter

Länge: 92 min

Kategorie: Comedy, Crime, Drama

Start: 09.08.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 92 min
Kategorie: Comedy, Crime, Drama
Start: 09.08.2018

Bewertung Film: (8/10)

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