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Dogman

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. Juli 2018

Dogman

Mit seiner Sachbuch-Verfilmung „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ erhielt der italienische Filmemacher Matteo Garrone auch auf internationaler Bühne breite Aufmerksamkeit, doch das folgende unterdurchschnittliche Fantasy-Drama „Das Märchen der Märchen“ machte vieles wieder zunichte. Sein neuster Film namens „Dogman“ wurde bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt und hinterließ einen recht differenzierten Eindruck bei seinen Zuschauern.

DogmanIrgendwo in einer italienischen Küstenstadt: Der Hundefriseur Marcello (Marcello Fonte) lebt in diesem kleinen verfallenen Örtchen ein recht bescheidenes Leben, doch obwohl das wenige Geld nur für das Nötigste reicht, ist seine Tochter Sofia (Alida Baldari Calabria) mit ihrem Vater zufrieden. Leider hat dieser Ort ein ganz anderes Problem, denn vor kurzem kam der ehemalige Boxer Simoncino (Edoardo Pesce) aus dem Gefängnis frei und tyrannisiert seitdem die kleine Stadt.

Von Marcello verlangt er Drogen, Ladenbesitzern schlägt er offen ins Gesicht und in der Spielothek nimmt er kurzerhand den Automaten mit, nachdem er nicht gewinnt und dieser all sein Geld nun hat. Während die Ladenbesitzer sich zumindest darüber Gedanken machen wie es mit Simoncino weitergeht, scheint ihm Marcello hörig zu sein. Doch eines Tages passiert etwas, das selbst Marcello zu einem Umdenken bewegen wird.

DogmanDie Situation in den italienischen Großstädten ist nicht einfach. Es existiert eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Städte verkommen und ganz nebenbei nutzt dies die Mafia aus, um ihren Nachwuchs zu rekrutieren. In dem neusten Film des Italieners Matteo Garrone (Reality) sind wir inmitten dieses Elends, doch obwohl die namenlose Küstenstadt ein Abziehbild der dort herrschenden Verhältnisse darstellt, geht es vielmehr um einen Mann, der verzweifelt zu jener Person eine Freundschaft aufzubauen versucht, die ihn letzten Endes bedroht.

Lose basierend auf einem Vorfall aus den 1980er Jahren zeichnet das Autorenteam bestehend aus Ugo Chiti (Quanto basta), Massimo Gaudioso (Il Flauto Magico di Piazza Vittorio) und Matteo Garrone ein recht trostloses Bild der italienischen Gesellschaft. Von Halbstarken erpresst, unfähig etwas dagegen zu machen, um Freundschaft und Anerkennung gegenüber dem Bösen kämpfend, um nicht selber irgendwann einmal deren Opfer zu sein. Für die im Mittelpunkt stehende Figur des Marcello ein wahrer Drahtseilakt, denn wo er auf der einen Seite des Abends Simoncino bei Diebstählen hilft, ist ihm auf der anderen Seite bewusst, dass ihm dies durchaus auch seine Tochter kosten könnte.

DogmanDoch Marcello hat kaum Geld, er versucht seiner Tochter etwas zu bieten, die des Abends auf Internetseiten nach Urlaubsorten sucht, um mit ihrem Vater zusammen tauchen zu gehen. Während „Dogman“ insbesondere in der ersten Stunde vor allem von seinen Beobachtungen der dortigen Verhältnisse lebt, dreht sich der Film in der zweiten Hälfte um gefühlte 180 Grad. Denn jetzt muss Marcello für sich realisieren das er seit vielen Jahren den falschen Weg beschritten hat, dass er sich wehren muss, denn sonst könnte es passieren, dass er als ausgestoßener schon bald gar nichts mehr besitzt.

Was als recht zahmes Drama beginnt, dreht sich plötzlich in eine kleine Rachegeschichte, bei der allerdings niemals die sehr beschränkten Fähigkeiten Marcellos und sein Wunsch nach Anerkennung außer acht gelassen werden. Das Problem dabei ist allerdings, dass die Figur für den Zuschauer nicht greifbar ist. Man nimmt das Schicksal Marcellos auf, akzeptiert dieses, steht der Figur aber niemals bei, damit sie über sich hinauswachsen kann. Durch diese fehlende Bindung zum Zuschauer geht sehr viel verloren, was durch Matteo Garrone in dieser Form vielleicht aber auch beabsichtigt sein könnte.

DogmanSieht man von diesem Aspekt einmal ab, so verzaubert „Dogman“ vor allem mit seinen trostlosen Bildern der langsam verfallenen Küstenstadt, bei denen Kameramann Nicolai Brüel (The Machine) viel mit der Reduzierung von Farben gearbeitet hat. Wenn die Kamera im Panorama die Läden einfängt und bereits dahinter sich die Hochhäuser der Großstadt abzeichnen, einfach großartig.

Natürlich darf bei alledem aber auch die Leistung von Hauptdarsteller Marcello Fonte (L’intrusa) nicht unerwähnt bleiben, der eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle durchmachen muss. Wer an seiner Auszeichnung als bester Hauptdarsteller bei den Filmfestspielen von Cannes zweifelt, wird spätestens in den letzten zehn Minuten von „Dogman“ eines besseren belehrt werden.

Der italienische Filmemacher Matteo Garrone zeichnet mit „Dogman“ ein düsteres Bild der italienischen Gesellschaft, bei der ein Mann über sich hinauszuwachsen versucht. Großartig gespielt von Marcello Fonte, der nicht zu Unrecht in Cannes für diese Performance ausgezeichnet wurde.

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Dogman

Länge: 102 min

Kategorie: Drama

Start: 18.10.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Dogman

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 102 min
Kategorie: Drama
Start: 18.10.2018

Bewertung Film: (7/10)

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