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Die Frau, die vorausgeht

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. Juli 2018

Die Frau, die vorausgeht

Der Western erlebt aktuell seinen zweiten Frühling, anders kann man es kaum erklären, dass nur einige Wochen nach „Feinde – Hostiles“ nun bereits ein weiterer Film dieses Genres im Kino zu sehen ist. Wo letzterer in äußerst brutalen Bildern den Konflikt mit den amerikanischen Ureinwohnern thematisiert, wählt Susanna White in „Die Frau, die vorausgeht“ eine sehr zurückhaltende Erzählstruktur, die einmal mehr auf wahren Tatsachen beruht.

Die Frau, die vorausgehtIm Frühjahr des Jahres 1889: Die New Yorkerin Catherine Weldon (Jessica Chastain) macht sich mit dem Zug auf nach Dakota, um dort den berühmten Indianerhäuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu porträtieren. Bereits die Reise gestaltet sich alles andere als einfach, doch als sie schließlich im Grenzgebiet bei den Siedlern eintrifft, wird ihr blanker Hass entgegengebracht. Der zuständige Regierungsvertreter James McLaughlin (Ciarán Hinds) wittert Ärger und bezeichnet sie als Spionin, Colonel Silas Groves (Sam Rockwell) spricht eine recht deutliche Warnung aus und von dort lebenden Siedlern wird sie direkt bespuckt.

Die Tage werden nicht einfacher, doch Catherine ist fest entschlossen ihren Plan in die Tat umzusetzen. Kurzerhand setzt sie sich auf ein Pferd, erhält von einem Indianer Hilfe und wird Sitting Bull vorgestellt, der sich entgegen ihrer ersten Meinung als recht zivilisierter Mann herausstellen soll. Während sich beide langsam näher kommen, plant die Regierung einen grausamen Plan. In einer offenen Abstimmung möchte diese sich nämlich insgeheim die Hälfte des Indianerlandes unter die Finger reißen, was nur Sitting Bull verhindern kann.

Die Frau, die vorausgehtDie wahre Geschichte von Caroline Weldon (im Film heißt sie Catherine) ist kaum in Worte zu fassen, denn eine wohlhabende New Yorkerin reiste kurzerhand in ein Indianergebiet, um dort einen der Häuptlinge auf Leinwand festzuhalten. Vier ihrer Bilder hängen noch heute in bekannten Museen Amerikas, doch scheinbar war die Geschichte nicht interessant genug, um diese möglichst wahrheitsgetreu für die Zuschauer wiederzugeben. Stattdessen setzte Drehbuchautor Steven Knight (World War Z 2) seine ganz eigenen Schwerpunkte, dichtete Details um, nur um letzten Endes eine Geschichte zu erzählen, die ein möglichst breites Publikum ansprechen kann.

Die entsprechende Umsetzung von Regisseurin Susanna White (Verräter wie wir) ist dahingehend auch recht zweigeteilt zu betrachten, denn wo Hauptdarstellerin Jessica Chastain (Interstellar) erneut groß aufspielt und die Szenen zu nutzen versteht, vermag das zugrundeliegende Drehbuch nicht vollends zu überzeugen. Eben dieses versucht nämlich die unterschiedlichsten Themenbereiche anzusprechen, wodurch neben der Geschichte der emanzipierten jungen Frau ebenso politische Intrigen und eine kleine Liebesgeschichte wiederzufinden sind. Letztere wird in einigen Sequenzen nur angedeutet, fühlt sich aber dennoch wie ein großer Fremdkörper an, werden hier doch am ehesten die bekannten Klischees wiedergegeben.

Die Frau, die vorausgehtWesentlich spannender gestaltet sich die Kommunikation zwischen beiden Hauptfiguren, denn wo Catherine versucht, dem Indianerhäuptling die Bedeutung von Demokratie näher zu bringen, vermittelt dieser ihr die kulturellen Gegebenheiten der amerikanischen Ureinwohner. In stillen Szenen wie diesen entfaltet „Die Frau, die vorausgeht“ seine starken Momente, was nicht nur durch eine Vielzahl von Dialogen unterstützt, sondern auch mit einmaligen Landschaftsaufnahmen von Kameramann Mike Eley unterlegt wird.

Leider sind die visuellen Highlights und das überzeugende Spiel von Jessica Chastain die einzigen wenigen positiven Aspekte dieser Inszenierung, denn neben dem dreigeteilten Themenbereich innerhalb des Drehbuchs glänzt dieses auch nicht unbedingt mit weiteren starken Figuren. Indianerhäuptling Sitting Bull wird fast ausnahmslos auf sein Äußeres reduziert, während alle anderen Indianer leider noch weniger Kontur erhalten. Neben einer recht oberflächlichen Figurenzeichnung auf Seiten der Regierungsbeamten ist dies bei den Siedlern fast noch schlimmer. Der vorhandene Zorn, der immer wieder an Catherine Weldon ausgelebt wird, ist kaum spürbar, nur bedingt nachvollziehbar und versucht am ehesten noch über bebilderte Gewalt Akzente zu setzen, ohne die Betroffenen mit ein wenig Hintergrundinformationen zu Wort kommen zu lassen.

Mit „Die Frau, die vorausgeht“ präsentiert Susanna White ein recht zwiespältiges Drama, denn obwohl Hauptdarstellerin Jessica Chastain stark aufspielt, kann das Drehbuch mit der Vielzahl an unterschiedlichen Themen kaum überzeugen. Etwas mehr Fokus hätte diesem Film mit Sicherheit gut getan.

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Die Frau, die vorausgeht

Länge: 101 min

Kategorie: Biography, Drama, History

Start: 05.07.2018

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Die Frau, die vorausgeht

Die Frau, die vorausgeht

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 101 min
Kategorie: Biography, Drama, History
Start: 05.07.2018

Bewertung Film: (6/10)

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