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Cobain

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 27. Juli 2018

Cobain

Wenn man den Titel des neusten Films der dänischen Regisseurin Nanouk Leopold liest, so denkt man unweigerlich an den verstorbenen Nirvana-Sänger Kurt Cobain, doch weit gefehlt. In „Cobain“ dreht sich alles um einen heranwachsenden jungen Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine stabile Familie mit seiner biologischen Mutter.

CobainDer 15-jährige Cobain (Bas Keizer) hat kein einfaches Leben. Seine noch recht junge Mutter Mia (Naomi Velissariou) kümmert sich nicht um ihn, nimmt Drogen, trinkt jede Menge Alkohol und ist ganz nebenbei schon wieder von irgend jemanden Schwanger. Da sie sich nicht auch noch um Cobain kümmern kann, kommt dieser kurzerhand in eine Wohneinrichtung für Kinder. Obwohl es ihm dort gut geht und selbst der Kontakt zu einer potentiellen Pflegefamilie hergestellt werden kann, kann er dennoch von Mia nicht lassen.

Um den zerstörerischen Trip seiner Mutter nicht weiter mit ansehen zu müssen, wendet er sich schon bald an Wickmayer (Wim Opbrouck), einen ehemaligen Liebhaber seiner Mutter. Dieser ist eigentlich Zuhälter, doch das stellt für Cobain kein Problem dar. Er kümmert sich um den Haushalt, die Prostituierten und macht dort auch seine ersten sexuellen Erfahrungen, doch dann steht erneut seine Mutter vor der Tür. Cobain beschließt einen letzten radikalen Schritt, um zumindest seinen noch ungeborenen Bruder retten zu können.

CobainNachdem die dänische Regisseurin Nanouk Leopold zuletzt in „Oben ist es still“ von einer recht seltsamen Vater-Sohn-Beziehung erzählte, widmet sie sich nun einem sehr sozialen Thema. In „Cobain“ geht es beispielhaft um die Kinder jener die zu jung gewesen sind eigene Kinder zu bekommen, die nicht im Leben stehen, sich nicht sorgen können und nicht nur sich, sondern auch andere mit dieser Lebensweise zu zerstören drohen.

Im ersten Drittel des Films werden dem Zuschauer im Grunde nur die Eckpunkte der Geschichte vermittelt, denn Leopold nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren. Sie zeigt den 15-jährigen Cobain wie er seine Mutter sucht, dieser nachspioniert, zur Rede stellt, nur um dann vor eine Wand zu laufen. „Was rennst du mir nach wie ein Hund?“ bekommt er zu hören, Worte die von der eigenen Mutter schmerzen. Eine Mutter ist sie für ihn aber nie gewesen, denn Cobain nennt diese stets beim Vornamen, nie Mutter.

CobainZuweilen dreht sich inhaltlich vieles im Kreis, manches bleibt unausgesprochen, wodurch der Zuschauer recht viel in einzelne Szenen hineininterpretieren muss, um diese in einen logischen Zusammenhang zu bringen. In einer prägenden Sequenz sieht man Cobain mit aufgetragenem Lippenstift und einem Bündel Geld im Türrahmen stehen, die Prostituierte fragt nur was er will, nur wenig später liegen beide im Bett. Was hat der Lippenstift zu bedeuten? Wollte er wirklich nur Sex und wie passt dies zum Rest der Geschichte?

Fragen wie diese wird sich der Zuschauer öfters stellen, denn die oft sehr gekünstelt wirkenden Dialoge laden nicht unbedingt zu einem besseren Gesamtverständnis ein. Wesentlich schwerer wiegt dann schon eine sehr exzessive und prägende Szene kurz vor dem Ende des Films, die so manch Zuschauer angeekelt zurücklassen und womöglich sogar den Kinosaal verlassen wird. Diese Detailtreue hätte bei einem solchen Drama nun beim besten Willen nicht sein müssen!

Der dänischen Regisseurin Nanouk Leopold ist mit „Cobain“ ein sehr interessantes Drama über die Liebe zur eigenen Mutter gelungen, bei dem sie am Ende jedoch weit über das Ziel hinausgegangen ist. Eine solch verstörende Szene hat in so einem Film beim besten Willen nichts zu suchen.

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Cobain

Länge: 94 min

Kategorie: Drama

Start: 13.09.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 94 min
Kategorie: Drama
Start: 13.09.2018

Bewertung Film: (6/10)

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