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Alles ist gut

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 26. Juli 2018

Alles ist gut

Bei Debütfilmen weiß man nie so richtig was einen erwartet und dennoch waren wir auf dem diesjährigen Filmfest München überaus positiv überrascht davon, welche Qualität dem Zuschauer geboten wurde. Ein Highlight war zweifelsohne das Vergewaltigungsdrama von Eva Trobisch, die sich nicht nur für das Opfer, sondern auch für den Täter interessiert.

Alles ist gutJanne (Aenne Schwarz) und ihr Freund Piet (Andreas Döhler) sind Ende 20, haben einen kleinen Verlag zusammen, doch der Konkursverwalter nimmt grade die letzten Daten des Bestandes auf. Beide möchten einen Schlussstrich ziehen, raus aus der Stadt, stattdessen in ein kleines Haus in der Provinz ziehen, das sie von Piets Onkel günstig übernehmen können. Als Janne eines Tages zu einem Klassentreffen fährt, soll sich für sie jedoch alles verändern. Sie feiert ausgelassen, tanzt, trinkt sehr viel und freundet sich mit dem gleichaltrigen Martin (Hans Löw) an, den sie schließlich auch bei sich zuhause auf dem Sofa übernachten lässt.

Doch Martin will mehr, will Sex, jetzt und hier. Janne albert rum, fragt ob dies jetzt wirklich sein müsse, sagt Nein, doch bei einem Nein soll es nicht bleiben. Martin nimmt sich was er braucht und geht, Janne putzt sich die Zähne und verschwindet ins Bett. Der nächste Tag beginnt ruhig, denn wo Janne den Vorfall am liebsten vergessen würde, hat sie bereits in einigen Stunden ein Vorstellungsgespräch bei ihrem neuen Boss. Ausgerechnet sein Schwager ist Martin, der am liebsten im Erdboden versinken würde.

Alles ist gutMit ihrem Kurzfilm „Wie du küsst“ war Eva Trobisch auf zahlreichen Festivals zu sehen, das Drehbuch ihres Debütfilms „Alles ist gut“ war ihre Abschlussarbeit, die sie sogleich für die große Leinwand umsetzen wollte. Das Ergebnis ist erschreckend anders als man es von Filmen dieser Thematik bisher gewohnt war, gleichwohl reist er aber auch Wände ein, wenn es darum geht nicht nur das Opfer, sondern auch den Täter zu hinterfragen. Trobisch gelingt diese Balance äußerst gut, auch wenn ihrem Werk gegen Ende hin womöglich dieses gewisse Etwas fehlt.

Das Vorgehen nach einer Vergewaltigung ist eigentlich klar. Krankenhaus, Polizei, welche wiederrum möglichst schnell die Ermittlungen aufnimmt, um den Täter zu stellen. In „Alles ist gut“ verläuft dies anders, denn Janne ist eine starke Frau, die sich ihre Schwäche nicht eingestehen will. Ihrem Mann sagt sie das sie gestolpert sei, ihrer Mutter deutet sie die Tat an, möchte aber über mehr nicht sprechen, woraufhin sie mit lauten Worten das Thema abzuwürgen versucht. Nicht viel anders sieht es in ihrer neuen Firma aus, wo Martin ihr das Gespräch anbietet, ihr zu helfen versucht, sie aber darum bittet, das Thema ruhen zu lassen.

Alles ist gutWas auf der einen Seite eine Form der Verdrängung und Unterdrückung eines grausamen Erlebnisses ist, ist auf der anderen Seite die Unfähigkeit dieses zu verarbeiten bzw. verarbeiten zu wollen, wodurch eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt wird, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Die eigene Beziehung zu Piet bekommt leichte Brüche, der eigenen Mutter kann man sich nicht mehr anvertrauen, dann auch noch eine Abtreibung, die man völlig alleine durchzustehen versucht. Probleme sind vorprogrammiert, denn in Janne staut sich unterbewusst eine Wut an, die schon bald einen Weg nach draußen sucht.

Auf der anderen Seite handelt „Alles ist gut“ aber auch von Martin, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der seine einmalige Tat wohl ein Leben lang bereuen wird. Er versucht sich um Janne zu kümmern, ihr Hilfe anzubieten, das Gespräch zu suchen, doch diese blockt ab. Man könnte meinen das die Tat Martin am meisten beschäftigt, er davon aufgefressen wird, wodurch die typische Rolle von Täter und Opfer durchaus hinterfragt werden kann.

So gelungen Eva Trobisch ihr Debütfilm aber auch ist, so hinterlässt er am Ende der rund 90 Minuten viele offene Fragen. Einzelne Handlungsarme werden nicht abgeschlossen, das vermeidliche Ende ist kein wirklicher Schluss, wodurch so manch Zuschauer mit vielen Fragezeichen das Kino verlassen wird. Womöglich wollte Trobisch den Zuschauer dazu einladen sich selbst Gedanken über das Ende zu machen, über die möglichen Reaktionen der Figuren, doch ist diese (mögliche) Intension nicht gänzlich aufgegangen.

Mit „Alles ist gut“ präsentiert Eva Trobisch einen starken Debütfilm, bei dem lediglich das Ende negativ in Erinnerung verbleibt.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: NFP, TRIMAFILM

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Alles ist gut

Länge: 93 min

Kategorie: Drama

Start: 27.09.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 93 min
Kategorie: Drama
Start: 27.09.2018

Bewertung Film: (6,5/10)

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