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Layla M.

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 2. April 2018

Layla M.

Es gibt immer wieder Geschichten die sich nur sehr schwer erzählen lassen. Manchmal ist es das nur schwer auf die Leinwand zu transportierende Thema, ein andermal das Thema selbst, dass von hoher politischer Brisanz ist und so manch Vorurteile mit sich bringt. Regisseurin Mijke de Jong berichtet nun von einer dänischen Muslima, die sich auf der Suche nach der eigenen Identität einer radikalen Minderheit anschließt.

Layla M.Die 18-jährige Layla (Nora El Kousour) lebt mit ihren Eltern und den Geschwistern in Amsterdam. Layla ist eine gute Schülerin, absolviert aktuell das Abitur und träumt davon eines Tages Medizin zu studieren. So klug und Selbstbewusst Layla aber auch ist, so steckt sie dennoch tief im Inneren voller Zorn. Als Linienrichterin streitet sie sich beim Fußball mit dem Schiedsrichter, hinter jedem Kommentar über bärtige Männer und Kopftuch tragende Frauen sieht sie Fremdenhass, was sie mit der Zeit immer mehr irritiert.

Zuflucht findet Layla in einer kleinen Gruppe von Muslimen, die den Worten des Koran folgen und Laylas Meinung und Ansichten vertreten. Gleichwohl lernt sie dort aber auch den etwas älteren Abdel (Ilias Addab) kennen und lieben. Die Hochzeit beider folgt schon bald, woraufhin sich Layla nicht nur für die Medizin nicht weiter zu interessieren scheint, sondern ihrem Ehemann auch gen Osten folgt. Dort träumt sie von einem unbeschwerten Leben, möchte am liebsten die Wurzeln ihres Volkes entdecken, doch wird sie nun auch mit den Ansichten der Männer konfrontiert, die dort noch immer tief verwurzelt sind. Als ihr Ehemann dann auch noch einen Anschlag plant, scheint es für Layla nur einen Ausweg zu geben.

Layla M.Mit ihrem neusten Film namens „Layla M.“ begibt sich die dänische Filmemacherin Mijke de Jong (Tussenstand) und ihr Drehbuchautor Jan Eilander (Playboy Priest) auf ein schwieriges Terrain. Beide berichten von einer jungen Muslima, die gut integriert in Amsterdam aufwächst und sich dennoch einer Gruppe hingezogen fühlt, die mit ihren radikalen Ansichten nicht nur Widerstand gegen das bestehende System planen, sondern diesen auch mit Gewalt durchzusetzen versuchen.

Ein Thema das beim besten Willen kein ganz einfaches ist, gleichwohl aber auch ein Thema, bei dem man sich auf einem schmalen Grad bewegen muss. Eben dies gelingt Mijke de Jong lange Zeit hervorragend, wenn sie das Bild einer heranwachsenden jungen Frau zeichnet, die sich auf der Suche nach der eigenen Identität befindet und bei ihren Eltern nur wenig Hilfe entdecken kann. Wie so oft beginnt es schließlich mit witzig gemeinten Videos, in denen man verschleiert zum Jihad aufruft, mit lockeren Chats des Abends, wo sich die im Mittelpunkt stehende Layla jedoch immer mehr hineinsteigert.

Layla M.Ihre Wünsche und Bedürfnisse werden angesprochen, der Koran gibt ihr Halt, gleichwohl muss sie mit ansehen, wie ihr eigener Bruder bei einer Demonstration von Polizisten verhaftet wird. Was sich bis dorthin nachvollziehbar entwickelt, nimmt mit der Zeit leider immer abstrusere Wege an, bei dem kaum ein bestehendes Vorurteil ausgelassen wird. Egal ob dies die Vollverschleierung ist, die kurzfristige Hochzeit, das Camp in Belgien oder die spätere Radikalisierung an der syrischen Grenze, wo Selbstmordanschläge immer präsenter werden. Erst viel zu spät wird nun das Thema der selbstbewussten jungen Frau in dem Mittelpunkt gerückt, die ihr eigenes Leben bestimmen möchte und die sich von keinem Mann etwas sagen lassen will. Dies sind zweifelsohne interessante Gesichtspunkte, denn wo Layla mit eben diesen Privilegien in Amsterdam aufgewachsen ist, stehen diese doch im direkten Kontrast zu jenen Menschen, die den Worten des Korans im Detail folgen.

Mit „Layla M.“ präsentiert die dänische Filmemacherin Mijke de Jong ein sehr kontroverses Drama, dass sich eine Menge traut und die richtigen Fragen stellt, sich dann aber in zu vielen Vorurteilen verliert.

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Layla M.

Länge: 98 min

Kategorie: Drama

Start: 12.04.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Layla M.

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 98 min
Kategorie: Drama
Start: 12.04.2018

Bewertung Film: (6/10)

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