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Ghost Stories

Geschrieben von Frank Schmidke am 11. April 2018

Wenn übersinnliche Phänomene bekannt werden, steht Professor Goodman auf dem Plan, um dem vermeintlichen Humbug eine Erklärung entgegen zu setzten und den Gaunereinen mit dem Geistern auf den Grund zu gehen. In dem schlicht „Ghost Stories“ betitelten Gruselmärchen bekommt es der skeptische Protagonist allerdings mit einigen harten Nüssen zu tun. Das Regie-und Drehbuchduo Andy Nyman und Jeremy Dyson liefert in schnörkelloser Weise einen erstaunlich unterhaltsamen und auch witzigen Gruselfilm ab.

Professor Philip Goodman (Andy Nyman) hat es als Experte für übernatürliche Phänomene zu einigem Ruhm und zu einer eigenen TV-Sendung gebracht. „Psychic Cheats“ heißt seine Enthüllungsshow, in der er Geistererscheinungen den Garaus macht. Dann bekommt er eines Tages ein Paket seines großen Vorbilds Charles Cameron. Der war seines Zeichens ebenfalls selbsternannter Geisterexperte und verschwand vor einigen Jahren spurlos. Nun also bekommt Goodman die Unterlagen zu drei Fällen, die Cameron in den Ruhestand getrieben haben sollen, da er sie nicht entlarven konnte.

Frohen Mutes und angetrieben von der Aussicht, den Verbleib seines Idols vielleicht klären zu können, macht sich Goodman daran die Fälle selbst zu untersuchen. Zunächst bekommt er es mit einem Wachmann zu tun, der während seiner Nachtschichten in einem verlassenen Lagerhaus von dem Geist eines jungen Mädchens belästigt wird. Anschließend geht es um einen jungen Mann, dessen Auto aus unerklärlichen Gründen mitten in der Nacht im Wald stehen blieb. Anschließend bekommt es Professor Goodman noch mit einem Poltergeist zu tun, der den Manager Mike Priddle (Martin Freeman) und seine hochschwangere Frau heimsucht, seit sie das Kinderzimmer für den Nachwuchs eingerichtet haben. Also, viel zu tun für den Skeptiker…

…und viel zu gruseln für den Zuschauer. Denn „Ghost Stories“ besticht mit seiner Schlichtheit und der Effektivität, mit der es den Filmmachern gelingt, sowohl für schaurige Gruselstimmung zu sorgen als auch immer wieder etwas zum Lachen einzustreuen. Die Handlung hat dabei etliche unerwartete Drehs und Wendungen aufzuweisen und ziemlich schnell wird klar, dass die Rahmenstory von Goodmans Geister-Challange mehr ist, als nur ein Konstrukt, um die drei Spuk-Episoden zu verbinden.

Das Erstaunliche an „Ghost Stories“ ist der beinahe klassische Ansatz, Geistergeschichten zu erzählen. Goodmans Gewerk erinnert stark an Maurice Grosse, der in den 1970ern tatsächlich die Enfield Hauntings untersuchte, oder auch an das amerikanische Ehepaar Warren, das sogar vom Vatikan als Geisterjäger anerkannt war und mit den „Conjuring“-Filmen zu Leinwandruhm gekommen ist. Aber „Ghost Stories“ hat mehr vor, als dem Zuschauer nur schaurige Schauer über den Rücken zu schicken. Und das ist überaus intelligent und fesselnd in Szene gesetzt.

Ursprünglich hatten die Regisseure und Drehbuchschreiber Jeremy Dyson und Andy Nyman ihre „Ghost Stories“ als Bühnenstück realisiert. Bis zur bereits damals angedachten Verfilmung dauerte es noch ein Weilchen, aber die beiden haben die kreative Leitung nicht aus den Fingern gegeben. So verwundert es nicht, dass „Ghost Stories“ auf der Leinwand alles andere als episodenhaft oder gar theatersteif ausgefallen ist. Der Film wirkt mit all seinen Ideen, Figuren und Twists wie aus einem Guss und benötigt keine Schnörkel, keine übertriebenen Effekte und auch keine Stars, um seine Wirkung zu entfalten. Dass man den „Hobbit“-und „Watson“-Darsteller aus der BBC-Erfolgsserie „Sherlock“ für „Ghost Stories“ gewinnen konnte, ist ein zusätzliches Bonbon, das hoffentlich den ein oder anderen Zuschauer mehr ins Kino lockt, aber das intensive und auch lustige Werk von Dyson und Nyman wirkt auch aus sich selbst heraus.

Die britische Produktion „Ghost Stories“ tritt den Beweis an, dass man auch mit klassischen Geistergeschichten noch überraschendes und erfrischendes Kino machen kann. Sehr gelungen ist die Gratwanderung zwischen Grusel und Humor, die in „Ghost Stories“ ziemlich einzigartig funktioniert.

 

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Copyright: Concorde

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Länge: 98 Minuten

Kategorie: Horror, Drama

Start: 19.04.2018

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Ghost Stories

Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 98 Minuten
Kategorie: Horror, Drama
Start: 19.04.2018

Bewertung Film: (7/10)

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