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7 Tage in Entebbe

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. April 2018

7 Tage in Entebbe

Über die Hintergründe der im Jahre 1976 entführten Air-France-Maschine gab es bereits zahlreiche Filme. Einige versuchten dabei die historischen Tatsachen ganz genau unter die Lupe zu nehmen, wieder andere konzentrierten sich auf den politischen Aspekt, der selbst heute noch immer brandaktuell ist. Auf letzteres lässt sich Filmemacher José Padilha in seinem Thriller „7 Tage in Entebbe“ gar nicht erst ein, ist er doch viel mehr daran interessiert einen Film zu drehen, der es wohl allen Zuschauern recht zu machen versucht.

7 Tage in EntebbeWir schreiben das Jahr 1976: Zwei Deutsche und zwei Palästinenser besteigen schwer bewaffnet den Air-France-Flug von Tel Aviv nach Paris. Kaum vom Boden abgehoben, bringen sie mit Pistole und einer Handgranate in der Hand die Maschine unter Kontrolle und zwingen die Piloten diese nach Uganda umzuleiten. Dort warten bereits weitere Palästinenser zur Unterstützung, doch die Deutschen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike) steht nun nur noch eine untergeordnete Rolle zu.

Zusammen mit Diktator Idi Amin (Nonso Anozie) versucht man nun stattdessen die israelische Regierung zu erpressen, doch diese denkt erst gar nicht daran mit Terroristen zu verhandeln. Während Premierminister Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi) zumindest eine Abkehr von der strikten Haltung in Erwägung zieht, plant Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) mit einer Spezialeinheit in Uganda zu landen, um mit den Terroristen kurzen Prozess zu machen. Die Tage ziehen dahin und plötzlich läuft das Ultimatum der Terroristen ab.

7 Tage in EntebbeIm Grunde wurde in den zahlreichen Verfilmungen der bekannten Ereignisse rund um die Entführung der Air-France-Maschine bereits alles gesagt. Für Filmemacher José Padilha (Narcos) war dies scheinbar dennoch nicht genug und so sah er sich zusammen mit Drehbuchautor Gregory Burke (’71: Hinter feindlichen Linien) dazu genötigt, die damaligen Ereignisse noch einmal aufzuarbeiten. Für das Drehbuch hielten sich beide eng an die bekannten Fakten, doch obwohl diese seinerzeit von Augenzeugen durchaus widersprüchlich wiedergegeben wurden, bildet er sich zuweilen eine feste Meinung.

Das eben diese Meinung von bekannten Thesen abweicht, wird bereits in den ersten Texteinblenden deutlich. Padilha macht deutlich das er sich an den historischen Tatsachen zu orientieren versucht, gleichwohl einige Kniffe anwenden musste, die der Dramaturgie erträglich waren. Darüber hinaus ist nicht bekannt was die beiden Deutschen in Uganda zueinander sagten, die Dialoge sind also weitestgehend frei erfunden worden. Sieht man von diesen inhaltlichen Dingen einmal ab, die bestenfalls historischen Wert haben, stellt sich „7 Tage in Entebbe“ als grundsolider Thriller heraus.

7 Tage in EntebbeBei alledem gibt es die üblichen Zutaten die wir bereits aus zahlreichen ähnlichen Filmen kennen. Zwei Entführer einer linken Gruppierung welche die Welt zu verändern versuchen, eine übliche Flugzeugentführung sowie eine über sieben Tage andauernde Verhandlung, bei der diverse Konflikte aufkeimen. Regisseur José Padilha legte dabei keinerlei Wert den historischen Kontext herauszuarbeiten, denn wo der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis bestenfalls in Nebensätzen angesprochen wird, konzentriert sich Padilha vielmehr auf die jeweiligen Beweggründe der Tat.

Die Deutschen möchten etwas verändern und die Welt zu etwas Besserem machen. Die Palästinenser haben ihre Familie verloren und versuchen gleichgesinnte aus dem Gefängnis zu bekommen, während Verteidigungsminister Shimon Peres den Hardliner gibt, der am liebsten sofort alle Terroristen über den Haufen schießen würde, sind dies doch sowieso nur Palästinenser. Das Besondere an diesen unterschiedlichen Ansichten ist, dass diese im Laufe der sieben Tage plötzlich aufbrechen. Wilfried Böse stellt sein eigenes Handeln Infrage und fragt sich selbst, ob er auch wirklich töten kann. Brigitte Kuhlmann entwickelt sich immer mehr zur leichten Psychopathin, während Premierminister Yitzhak Rabin ebenso von seiner ursprünglichen Haltung abrückt, und ein Erfolg/Misserfolg vielmehr in der Anzahl von toten Geiseln sieht.

7 Tage in EntebbeDas Besondere an dieser Inszenierung ist aber nicht nur die weitestgehend bekannte Geschichte und die damit verbundene Dramaturgie, sondern vielmehr die Verbindung mit einem Ballettstück, welches bereits am Anfang in Auszügen gezeigt wird. Besagtes Stück entwickelt sich immer weiter, bis dieses schließlich bei der Erstürmung des Flughafens parallel gezeigt wird, wodurch eine einzigartige Symbiose der zwei Handlungsfäden (Soldaten stürmen Flughafen, Tänzer führen das Stück auf) entsteht.

Trotz aller bekannten Tatsachen schafft es José Padilha mit „7 Tage in Entebbe“ einen grundsoliden Thriller zu präsentieren. Obwohl eine detailliertere Aufarbeitung hinsichtlich des politischen Konfliktes durchaus wünschenswert gewesen wäre, ist die Verbindung und der Übergang zur Tanzinszenierung doch großartig gelöst.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Entertainment One Germany

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7 Tage in Entebbe

Länge: 107 min

Kategorie: Crime, Drama, Thriller

Start: 03.05.2018

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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7 Tage in Entebbe

7 Tage in Entebbe

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Crime, Drama, Thriller
Start: 03.05.2018

Bewertung Film: (7/10)

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