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Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 21. März 2018

Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Nach seinem grandiosen Regiedebüt und seinem Drehbuch zu „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ war die Erwartungshaltung an den neuesten Film von Dan Gilroy entsprechend groß. Kann er den hohen Standard auch in seinem zweiten Film halten? Erzählt sein Drehbuch erneut eine solch spannende Geschichte und wie setzt Hauptdarsteller Denzel Washington dies um? Fragen, auf die man nun eine Antwort bekam und nach denen sich bei nahezu jedem Zuschauer Ernüchterung breit gemacht hat.

Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die WahrheitRoman J. Israel (Denzel Washington) ist ein Anwalt, der sich für die kleinen Leute einsetzt, ein Idealist, der auch hoffnungslose Fälle übernimmt, und vor allem eine Person, die noch heute den Widerstand aus den 70er-Jahren verkörpert, bei dem sich der schwarze Mann gegenüber der weißen Oberschicht auflehnte. Obwohl Roman J. Israel eine alles andere als einfache Person ist, ist er bereits seit vielen Jahrzehnten Partner in einer kleinen Kanzlei. Als eines Tages sein Partner und langjähriger Mentor einen Herzinfarkt hat, muss die Kanzlei schließen, woraufhin er im gehobenen Alter plötzlich auf der Straße sitzt.

Obwohl die späteren Gespräche mit der Menschenrechtsaktivistin Maya Alston (Carmen Ejogo) positiv verlaufen, heuert er lieber beim aalglatten Karriereanwalt George Pierce (Colin Farrell) an, der sein Talent zu schätzen weiß und ihn für einige besondere Fälle gebrauchen könnte. Obwohl der Alltag im neuen Büro kein leichter ist, meistert dies Roman mit Bravour, bis er einen Fehler begeht und dabei gegen seine eigenen Prinzipien verstößt.

Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die WahrheitBei seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Toronto wurde an „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ kaum ein gutes Haar gelassen. Viel zu lang, zu verwirrend und überhaupt fehle ein roter Faden, der alles irgendwie zusammen hält. Nach der vernichtenden Kritik setzte sich Regisseur und Drehbuchautor Dan Gilroy (Das schnelle Geld) noch einmal mit seinem Film auseinander, schnitt ganze Teile davon um und kürzte sein Werk um stolze 12 Minuten, um der deutlichen Kritik ein wenig zu begegnen.

Nachdem man nun die überarbeitete Version von „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ gesehen hat, mag man sich als Zuschauer kaum ausmalen, wie das Original ausgesehen haben könnte. Zugegeben, der Film ist nicht schlecht, doch er ist auch noch immer weit davon entfernt, ein gutes Drama zu sein. Anwaltsdramen dieser Art gab es bereits zur Genüge. Womit dieser maximal punkten kann, ist die verschrobene und in sich gekehrte Figur, die keinerlei Sozialkompetenz zu haben scheint.

Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die WahrheitRoman arbeitet seit Jahrzehnten als Anwalt, hat jedoch noch nie ein Gericht von innen gesehen. Im Gespräch mit seinen Klienten stottert er, die Kleidung stammt noch immer aus den 70ern und manchmal wird er eben auch Freak genannt, womit alles gesagt ist. Obwohl man aus eben dieser Person und dem Zerfall seiner Werte einen spannenden Film drehen könnte, wirkt alles sehr zerfahren. Viele kleine Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, ein kaum zu erkennender roter Faden und ein Spannungsaufbau, der schlicht nicht zu erkennen ist.

Im Mittelpunkt steht lediglich Roman, sein Agieren, seine Werte und seine Berufung als Anwalt, der er am liebsten allein und zuhause des Nachts seiner Arbeit nachgeht. Bei ruhiger Jazz-Musik studiert er Akten, sichtet diese im Schein seiner kleinen Lampe, bis er mal wieder die Polizei anruft und diese mit Gesetzestexten überflutet, ist doch irgendwer vor seinem Fenster viel zu laut. Was neben dieser spannungsarmen und mit 122 Minuten noch immer viel zu langen Geschichte bleibt, ist der Hauptdarsteller, denn Denzel Washington (Die glorreichen Sieben) geht in der Figur sprichwörtlich auf. Leicht geduckt gehend, stotternd, dann wieder mit den Armen wild hantierend, kann er sich mit seinen Mitmenschen doch kaum richtig verständigen. Für diese Performance gab es eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller, dies ist dann allerdings auch das einzig Positive, dass man über diesen Film von Dan Gilroy berichten kann.

Mit „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ liefert Dan Gilroy eine eher enttäuschende zweite Regiearbeit ab. Etwas mehr Fokussierung, ein roter Faden und ein nachvollziehbarer Spannungsaufbau wären durchaus wünschenswert gewesen.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Sony Pictures

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Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Länge: 122 min

Kategorie: Crime, Drama

Start: 19.04.2018

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 122 min
Kategorie: Crime, Drama
Start: 19.04.2018

Bewertung Film: (6/10)

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