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Red Sparrow

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 25. Februar 2018

Red Sparrow

Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence versucht sich bereits länger von ihrem „Tribute von Panem“-Image zu verabschieden und so experimentiert sie mit den verschiedensten Genres, um die eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden. Nachdem sie zuletzt in Darren Aronofsky’s umstrittenen Drama „Mother!“ zu sehen war, gibt sie nun die taffe russische Agentin in einem düsteren Noir-Thriller.

Red SparrowFür die talentierte Dominika (Jennifer Lawrence) gibt es nur eines im Leben, das Tanzen. Im berühmten Bolschoi kann sie ihr einzigartiges Talent entfalten, doch eines Tages beendet ein schlimmer Unfall ihre noch junge Karriere. Dominika und ihre pflegebedürftige Mutter stehen vor einem Scherbenhaufen, denn wo der Staat bisher für Wohnung und Ärzte bezahlt hat, hat dieser nun das Interesse an ihr verloren. Der einzige Ausweg könnte Dominikas Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts) sein, der ihr das lukrative Angebot unterbreitet, ein Red Sparrow zu werden.

Eben dieses Angebot nimmt Dominika an, doch die militärische Ausbildung fordert ihr alles ab. Wo sie ihre Ausbilderin Matron (Charlotte Rampling) zur Weißglut treibt, bleibt sie sich stets selber treu, woraufhin sie die Ausbildung nach nur wenigen Monaten als beste ihres Jahrgangs beendet. Nun liegt es an ihr, Kontakt zum CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) aufzunehmen, dessen Vertrauen zu gewinnen und den Namen eines Maulwurfs herauszufinden, der innerhalb der russischen Regierung für die Amerikaner spioniert.

Red SparrowBereits während der Dreharbeiten zu „Red Sparrow“ gab es zahlreiche negative Schlagzeilen in der Presse zu lesen. Oft wurde die Interpretation des gleichnamigen Romans von Jason Matthews bemängelt, dann wiederum das freizügige Agieren von Jennifer Lawrence, weswegen sogar die US-Version des Filmtrailers zensiert wurde. Wie auch immer man aber zu der gezeigten Freizügigkeit stehen mag (Lawrence zieht erstmalig – verdeckt – blank), Regisseur  Francis Lawrence (Wasser für die Elefanten) und Drehbuchautor Justin Haythe (Lone Ranger) ist ein sehenswerter Agententhriller gelungen, bei dem die Agenten so schnell die Seiten wechseln, dass dem Zuschauer schwindlig wird.

Bevor es aber soweit ist, lässt sich Francis Lawrence unglaublich viel Zeit, wenn er das Umfeld von Dominika zeichnet. Ein Star am Balletthimmel, ein Unfall, eine pflegebedürftige Mutter und ein Onkel in einer einflussreichen Position beim russischen Geheimdienst, wenn das kein Stoff eines Agententhrillers ist. Was nun folgt, ist die Darstellung einer langen Ausbildung, bei der ein jeder (zukünftiger) Red Sparrow alles geben muss. Kampftraining, Schießübungen und ganz nebenbei muss man seinen Gegner auch noch so genau analysieren können, dass dieser einem breitwillig selbst die geheimsten Informationen offenbart.

Red SparrowLetzteres geschieht natürlich mit dem Stillen von Bedürfnissen, was hier in aller Deutlichkeit praktiziert wird. Die angehenden Agenten werden vergewaltigt, müssen anderen einen Blowjob geben oder entblößen sich völlig, um schnellen und unbefriedigenden Sex zu haben. Ist diese halbe Stunde der Ausbildung absolviert, geht Francis Lawrence in die Vollen. Kontaktaufnahme zweier Agenten, eine kleine Liebesgeschichte, bei der man als Zuschauer aber nie völlig sicher ist, was davon nun wahr und was nur gespielt sein könnte.

Francis Lawrence schlägt unmögliche Wendungen ein, überrascht den Zuschauer ein ums andere Mal, sodass die 140 Minuten wie im Fluge vergehen. Wer arbeitet jetzt eigentlich für wen? Wer war jetzt amerikanischer Agent bei den Russen und wie hängt das noch einmal alles zusammen? Wer sich diese Fragen stellt, der ist definitiv nicht allein. Agenten wechseln die Seiten in steter Regelmäßigkeit, Lug und Trug ist an der Tagesordnung und dennoch wahrt man irgendwo noch die Interessen seines Landes. Widerspricht sich irgendwo? Ja, ist aber so!

Red SparrowNeben der wirklich gelungenen Geschichte mit ihren zahlreichen Wendungen, begeistert doch vor allem das Optische. Wenn sich anfangs CIA-Agent Nathaniel Nash des Nachts in einem dunklen Park, der nur von wenigen Lampen erhellt ist, mit einem russischen Agenten trifft, fühlt man sich wie in den Noir-Thrillern der guten alten Zeit. Dass sich dies nicht bis zum Ende widerspiegelt, ist schade, verdeutlicht aber auch, dass es eben nur eines von vielen genutzten Elementen ist.

Wenn man „Red Sparrow“ eines negativ ankreiden darf, dann ist es der hohe Grad der dargelegten Gewalt. Bereits am Anfang wird in aller Deutlichkeit Dominikas brechendes Bein in Großaufnahme gezeigt, während im letzten Drittel zahlreiche Folterszenen hinzu kommen. Wenn man dann auch noch einem Agenten die Haut mit einer Art elektrischen Spargelschäler abzieht, beginnen die meisten aus dem Publikum damit, sich angewidert abzuwenden. An dieser Stelle ist definitiv eine rote Linie überschritten, welche die Inszenierung so nicht nötig gehabt hätte.

Sieht man davon einmal ab, so überrascht Jennifer Lawrence einmal mehr mit einer sehr vielseitigen Darbietung, welche ihr alles abverlangt. Egal ob dies die zahlreichen freizügigen Szenen sind, der Nahkampf oder eben das Foltern, sie meistert die Rolle der russischen Agentin mit Bravour.

Mit „Red Sparrow“ präsentiert Francis Lawrence dem Zuschauer einen gelungenen Agententhriller, der trotz seiner 140 Minuten nie langweilig wird. Jene, die mit Folter und Gewalt keine Probleme haben, werden sich angenehm unterhalten fühlen.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: 20th Century Fox

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Red Sparrow

Länge: 139 min

Kategorie: Mystery, Thriller

Start: 01.03.2018

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Info

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Red Sparrow

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 139 min
Kategorie: Mystery, Thriller
Start: 01.03.2018

Bewertung Film: (8/10)

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